Sommerhitze

38,9 Grad! Berlin stellt neuen Hitzerekord auf

38,9 Grad sind am Freitag in Berlin gemessen worden, das ist Rekord. In Bayern war es sogar noch heißer.

Berlin hat am Freitag einen neuen Hitzerekord erlebt. Am späten Freitagnachmittag meldete der Deutsche Wetterdienst den Tageshöchstwert von 38,9 Grad, gemessen an der Station Berlin-Kaniswall in Müggelheim. Das ist der höchste Wert seit Aufzeichnungsbeginn in der Hauptstadt. Der bisherige Höchstwert wurde am 16. Juni 2007 an derselben Messstation gemessen: 38,6 Grad. Nach Angaben von Meteorologen hat nur eine Wolkendecke verhindert, dass sich auch die Berliner Innenstadt auf Rekordwerte aufheizen konnte. Fest steht: Berlin schwitzte und stöhnte am bislang heißesten Tag des Sommers.

Thomas Lengfelder reibt sich bei solchen Temperaturen die Hände. Er ist Hauptgeschäftsführer des Berliner Hotel- und Gaststättenverbands und sagt: „Nichts ist besser als gutes Wetter – die Schiffe sind voll, die Biergärten sind voll.“ Für ausreichend Getränkenachschub sei gesorgt.

Auch die Berliner Strandbäder haben bei der Hitze Hochkonjunktur. Und das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) gibt für den Sprung ins kühle Nass grünes Licht. Trotz des grünen Schleiers, der sich auf so manchem Berliner See breitmacht. Zwar berichtet das Lageso bereits von einem mäßigen Vorkommen von Cyanobakterien, auch Blaualgen genannt. Dies hängt unter anderem mit den gestiegenen Wassertemperaturen zusammen. Giftstoffe, auf die manche Menschen etwa mit Hautreizungen reagieren, haben die Blaualgen bisher aber offenbar nicht gebildet: Die Werte sind laut Lageso bislang unkritisch. Auch in den Brandenburger Seen kann bedenkenlos gebadet werden: Das Verbraucherschutzministerium bescheinigte allen 251 offiziellen Badestellen gute bis ausgezeichnete Wasserqualität.

Ein Glück, denn traditionell steigt die Quecksilbersäule des Thermometers vor allem im Süden Brandenburgs auf die höchsten Werte im Nordosten der Bundesrepublik. Der Höchstwert von 39,2 Grad, in Lübben am 3. August 1992 gemessen, konnte am Freitag aber nicht gebrochen werden. Am heißesten war es nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes in Langenlipsdorf (Teltow-Fläming) mit 38,6 Grad.

Nachdem die Feuerwehr im Laufe der Woche mehrmals ausrücken musste, bleibt die Waldbrandgefahr in Brandenburg weiter extrem hoch. In zehn Landkreisen herrscht die fünfte, also höchste Warnstufe – in den restlichen vier Landkreisen im Norden Brandenburgs gilt Gefahrenstufe 4. In diesem Jahr gab es rund 240 Waldbrände, bei denen gut 300 Hektar beschädigt wurden. Wegen der ausgedehnten Kiefernwälder und sandigen Böden, die nach Starkregen kaum Wasser speichern, ist die Brandgefahr in den Brandenburger Wäldern besonders hoch. Deshalb gilt: Feuermachen, Grillen und Rauchen ist ganzjährig verboten.

Wegen der hohen Brandgefahr gilt auch im Monbijou-Park in Berlin-Mitte seit Donnerstag ein Grillverbot. Offenes Feuer sei bei der extremen Trockenheit mit Gefahren für Menschen, Tiere, Natur und Sachgütern unkalkulierbar.

In den Rathäusern der restlichen Bezirke denkt man indes nicht über ein Grillverbot nach. In Charlottenburg-Wilmersdorf etwa verweist man auf die zwei ausgewiesenen Grillplätze im Preußenpark und am Goslarer Ufer. „Die sind so beschaffen, dass dort im Moment keine Gefahr zu erwarten ist“, sagt Katrin Lück, aus dem Büro des Bezirksstadtrats für Ordnungsangelegenheiten. Auch auf dem Tempelhofer Feld dürfen auf den Grillplätzen weiter Würstchen geröstet werden. Generell gilt: in den öffentlichen Grünanlagen darf nur dort gegrillt werden, wo der jeweilige Bezirk eine Wiese eigens dafür ausgewiesen hat. Wer gegen die Verbote verstößt, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Und die kann mit Bußgeld bestraft werden.

Dabei war es am Freitag auch ohne glühende Kohle vielen schon viel zu heiß in der Hauptstadt. Besonders bei älteren Menschen gefährden die hohen Temperaturen schnell die Gesundheit. Trinken sie nicht genug, dehydrieren sie in Kombination mit einer entwässernden Dauermedikation schnell und werden ohnmächtig. „Spätestens wenn Senioren bei einer Ohnmacht stürzen und sich gefährliche Knochenbrüche zuziehen, werden sie bei uns eingeliefert“, berichtet die Rettungsstelle der Evangelischen Elisabeth Klinik.

Aber selbst wenn es dazu nicht kommt: apathisches Verhalten und ausgetrocknete Schleimhäute seien Zeichen für einen Wassermangel. Bei Hitze werden dem Körper zusammen mit der Flüssigkeit auch Zucker und Salze entzogen, so dass man unbedingt ausreichend trinken sollte. „Mineralwasser, Brühen und Zuckerlösungen sind die beste Wahl, entwässernde Tabletten sollten in Absprache mit dem behandelnden Arzt bei großer Hitze nicht weiter eingenommen werden“, rät Susanne Fuhr, Leiterin der Ernährungsmedizin an der Klinik. Auch Alkohol sollte bei großer Hitze nur in kleinen Mengen getrunken werden. „Gerade Jugendliche übertreiben oft und finden sich dann bei uns in der Rettungsstelle wieder“, so der Arzt.

Hohe Ozonbelastung

Ihr Kollege Felix Schwenteit, der Freitag die Rettungsstelle des Krankenhauses leitete, berichtet von keinen besonders hohen Patientenzahlen – trotz rekordverdächtiger Hitze. „Im Moment sieht es noch relativ gut aus“, sagt Schwenteit, „die Berliner wissen inzwischen wohl, wie sie sich bei Hitze verhalten sollten.“ Allerdings erwarte er gegen Abend mehr Patienten.

Weiteres Problem in der Sommerhitze: Die hohe Ozonbelastung. Bereits am Freitagvormittag sei ein Wert von 170 Mikrogramm pro Kubikmeter gemessen worden, sagte ein Meteorologe von der Freien Universität Berlin. Die Alarmschwelle von 240 Mikrogramm wurde am Freitag aber nicht erreicht.

Auch am Wochenende können die Ozonwerte für empfindliche Menschen eine Belastung werden. Für die Hauptstadt erwartet das Rheinische Institut für Umweltforschung der Universität Köln am Sonnabend Werte bis 180 Mikrogramm. Erst der Sonntag bringt Erleichterung. Das Institut prognostiziert nur noch 74 Mikrogramm. Das hängt mit dem Temperaturrückgang zusammen, den der Wetterdienst für Sonntag voraussagt. Während es am Sonnabend zunächst noch schwül-warm mit Temperaturen zwischen 28 bis 35 Grad bleibt, können im Verlauf des Tages Wolken aufziehen, die örtlich Regenschauer bringen. Am Sonntag kühlt es sich dann etwas ab: auf etwa 28 Grad.

Hitzerekord in Kitzingen eingestellt

An der Wetterstation im bayerischen Kitzingen hat der Deutsche Wetterdienst (DWD) am Freitag erneut den deutschen Hitzerekord von 40,3 Grad Celsius gemessen. Der bereits am 5. Juli erreichte Höchstwert sei dort erneut gemessen worden, teilte der DWD mit.

Der Hitzerekord wurde damit in diesem Jahr bereits zweimal erreicht. Er liegt um 0,1 Grad über dem bisherigen Spitzenwert von 40,2 Grad, der 2003 in Freiburg und Karlsruhe erreicht worden war. Bevor ein Rekord vom DWD offiziell anerkannt wird, werden die Daten erst auf Plausibilität geprüft, um Messfehler und andere Störfaktoren auszuschließen.

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