Kommentar

Die Berliner BSR geht auf ungesunde Unkrautjagd

Berlin sollte eine Entscheidung über die neue Zulassung nicht abwarten, sondern sofort auf den Glyphosat verzichten, meint Jens Anker.

Der Einsatz von Glyphosat ist laut WHO wahrscheinlich krebserregend

Der Einsatz von Glyphosat ist laut WHO wahrscheinlich krebserregend

Foto: Klaus-Dietmar Gabbert / dpa

Wie so oft, verbirgt sich hinter einem harmlosen Namen ein unbekanntes, gefährliches Risiko. „Roundup Roto“ heißt das Unkrautvernichtungsmittel, das seit Jahren zum Einsatz kommt. Auch in Berlin, wenn auch nur in überschaubaren Mengen.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat das umstrittene Mittel jetzt als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft. Entscheidend ist dabei der Bestandteil Glyphosat, der in dem von der Berliner Stadtreinigung (BSR) verwendeten Mittel enthalten ist, wie in Dutzenden anderen Unkrautvernichtern auch.

Den Hintergrund für das Umdenken bei der WHO bilden neue Studien aus Schweden und Kanada. Demnach haben Menschen, die mit dem Mittel in Kontakt kommen, ein erhöhtes Risiko an einer bösartigen Erkrankung des lymphatischen Systems zu erkranken. In der Europäischen Union läuft die Zulassung des Mittels in diesem Jahr aus. Noch ist unklar, ob es weiter verwendet werden darf. Auch das deutsche Bundesinstitut zur Risikobewertung hatte bislang gegen den Wirkstoff Glyphosat nichts einzuwenden und wertet derzeit die neuen Ergebnisse der WHO aus.

Berlin sollte eine Entscheidung über die erneute Zulassung nicht abwarten, sondern sofort auf den Einsatz des Mittels verzichten. So, wie es in Köln der Fall ist und ebenso in den Niederlanden. In diesem Jahr hat die BSR den umstrittenen Unkrautvernichter bereits auf 140 Kilometern Straßenland eingesetzt – das sind 50 Kilometer mehr als zwei Jahre zuvor im gesamten Jahr. Da es aber längst Ersatzmethoden gibt, das Unkraut zu vernichten, gibt es keinen Grund, das möglicherweise krebserregende Mittel zu verwenden. Zumal nach der chemischen Behandlung die Mitarbeiter auch noch per Handarbeit die Pflanzen samt Wurzelwerk aus dem Erdreich entfernen müssen.

Auf die Kosten kommt es dabei nicht an. Berlin gibt für die Verwendung von Roundup Roto pro Jahr einen niedrigen dreistelligen Betrag aus, Alternativen kosten unwesentlich mehr. Das sollte der BSR und der Umweltbehörde die Gesundheit der Berliner wert sein.