Gehwegreinigung

BSR verwendet umstrittenes Pestizid Glyphosat

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hält das Mittel für „wahrscheinlich krebserregend“. Dennoch verwendet die BSR Glyphosat.

Die Berliner Stadtreinigung (BSR) will auch künftig nicht auf den Einsatz des umstrittenen Unkrautvernichters Glyphosat verzichten. Nach neuesten Erkenntnissen der Weltgesundheitsorganisation WHO ist das Mittel "wahrscheinlich krebserregend". Bislang galt das Pestizid als unbedenklich. In diesem Jahr läuft die europäische Zulassung des Mittels aus.

Die BSR setzt das Mittel "Roundup Roto", das Glyphosat enthält, im Rahmen der Gehwegreinigung in Berlin in geringem Umfang ein. "Die Verwendung erfolgt im Rahmen des sogenannten Rotofix-Verfahrens, bei dem Roundup Roto mit einer speziellen Walze auf das Wildkraut aufgestrichen wird – ein Versprühen des Herbizids erfolgt also nicht", sagte Unternehmenssprecher Sebastian Harnisch. "Die BSR hat in diesem Jahr das Rotofix-Verfahren bislang auf knapp 150 Arbeitskilometern durchgeführt." Insgesamt reinigt die BSR 520.000 Kilometer Gehwege pro Jahr.

Umweltverwaltung: Gift ist akzeptabel

Die Anwendung des Herbizids durch die BSR erfolge ausschließlich nach Genehmigung durch das Berliner Pflanzenschutzamt. Es komme hierfür auch nur speziell geschulte Mitarbeiter zum Einsatz. "Die Anwendung mittels Walzen erfolgt, um ein Eindringen des Herbizids in das Erdreich zu verhindern. Aus dem gleichen Grund wird das Herbizid auch nicht bei Niederschlägen eingesetzt", so Harnisch weiter.

Aus Sicht der Umweltverwaltung ist die Verwendung des Giftes akzeptabel, auch wenn es sich dabei um eine gefährliche Substanz halte. Das Mittel werde meist am Rand von Gehwegen hin zu Gebäuden verwendet, wo mechanische Maßnahmen einen zu hohen Aufwand erforderten. Außerdem gebe es Straßenvegetation, die extrem hartnäckig zu entfernen sei.

Umdenken bei der WHO

Die Grünen verlangen nun, dass Berlin künftig auf den Gebrauch des umstrittenen Mittels verzichtet. "Wir fordern, dass der Senat dafür Sorge trägt, dass Glyphosat in Berlin nicht mehr verwendet wird", sagte der Naturschutz-Experte der Fraktion, Turgut Altug. "Der Senat darf die Berliner nicht länger einem Gesundheitsrisiko aussetzen. Es sollte dem Senat wert sein, nach Alternativen zu suchen."

Glyphosat wurde zunächst vom US-amerikanischen Konzern Monsanto unter dem Namen Roundup vertrieben und gilt als weltweit meistverkauftes Unkraut-Vernichtungsmittel. Mittlerweile gibt es zahlreiche Produkte, die den Wirkstoff enthalten.

Mittel ist "wahrscheinlich krebserregend"

Bisher hatte die Weltgesundheitsorganisation WHO die Substanz als unbedenklich eingestuft. Jetzt erfolgte ein Umdenken. Die internationale Krebsforschungsagentur IARC in Lyon stufte das Unkrautvernichtungsmittel Ende März dieses Jahres als "wahrscheinlich krebserregend" ein. Neue Studien aus Schweden und Kanada haben die WHO dazu veranlasst.

In den neuen Studien wurde der Gesundheitszustand von Menschen mit und ohne Kontakt zu der Chemikalie verglichen. Diejenigen, die mit dem Pestizid in Berührung gekommen waren, hatten der Veröffentlichung zufolge ein erhöhtes Risiko, an bösartigen Erkrankungen des lymphatischen Systems zu erkranken. Zudem gibt es nach Ansicht der WHO jetzt ausreichende Belege, dass Glyphosat bei Mäusen und Ratten Tumore verursacht.

"Vor dem Hintergrund der Diskussion um Glyphosat prüft die BSR auch Alternativen zum Rotofix-Verfahren", sagte Harnisch. Ein Test mit einem Wasserdampf-Verfahren sei bisher nicht zufriedenstellend verlaufen. "Da die Öffentlichkeit von uns eine effektive Wildkrautbeseitigung im öffentlichen Straßenland erwartet, halten wir bis auf Weiteres am Rotofix-Verfahren fest", sagte Harnisch. Nach dem Berliner Pflanzenschutzgesetz dürfen Pflanzenschutzmittel auf Freilandflächen nur angewandt werden, wenn sie landwirtschaftlich, forstwirtschaftlich oder gärtnerisch genutzt werden.

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