Jüdische Gemeinde

Jerzy Kanal mit 94 Jahren verstorben

Jerzy Kanal, ehemaliger Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, verstarb am Sonnabend im Kreis seiner Familie.

Jerzy Kanal starb am Sonnabend im Alter von 94 Jahren

Jerzy Kanal starb am Sonnabend im Alter von 94 Jahren

Foto: dpa Picture-Alliance / Peter Kneffel / picture-alliance / ZB

Der ehemalige Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Jerzy Kanal, ist am Sonnabendgmorgen im Kreise seiner Familie in Berlin verstorben. Der 1921 im polnischen Blaszki geborene Kanal war von 1992 bis 1997 Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin.

„Mit Jerzy Kanal verliert die Jüdische Gemeinde eine ihrer herausragenden Persönlichkeiten der ersten Stunde. Neben Heinz Galinski war Jerzy Kanal eine der tragenden Säulen unserer Gemeinde. Wir trauern mit seiner Familie“, sagte der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Gideon Joffe. „Die Jüdische Gemeinde zu Berlin wird ihm in großer Dankbarkeit ein ehrendes Andenken bewahren“, so Joffe weiter.

Kanal war ein enger Wegbegleiter und Freund des langjährigen Gemeindevorsitzenden Heinz Galinski, von dem er das Amt des Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde nach dessen Tode übernahm. Gemeinsam mit Heinz Galinski hatte Kanal die Jüdische Gemeinde zu Berlin nach dem Krieg wieder aufgebaut.

Kanal verbrachte Jahre seine Kindheit im Warschauer Ghetto, wurde später in die Konzentrationslager Majdanek und Auschwitz verschleppt. Nach der Befreiung aus dem Konzentrationslager kehrte er nach Warschau zurück, um dort nach überlebenden Familienangehörigen zu suchen. Seine Eltern fand er nicht mehr. Marian und Rena Kanal wurden in Konzentrationslagern von Nationalsozialisten ermordet. Auch seine Schwester Perla, eine Ärztin, hatte die Nazizeit nicht überlebt. Sie wurde bei einer Razzia erschossen.

Seit 1967 Mitglied im Vorstand

Von 1949 bis 1953 lebte Jerzy Kanal mit seiner Familie in Paris. Anschließend ließ er sich als Kaufmann in Berlin nieder und handelte mit Pelz- und Lederwaren. Er hat zwei Töchter. Seine Ehefrau verstarb 1995.

Im Jahr 1962 wurde Jerzy Kanal Mitglied der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Seit 1967 war er Mitglied im Vorstand. In seiner Amtszeit als Vorsitzender verhandelte und unterzeichnete Kanal den Staatsvertrag mit dem Land Berlin, der die Beziehungen des Landes zur Gemeinde erstmals verbindlich regelte. Berlins damalige Bürgermeisterin Christine Bergmann (SPD) nannte ihn anlässlich seines 75. Geburtstages einen „Mahner für Toleranz und Mitmenschlichkeit“.

Die Beerdigung von Jerzy Kanal findet am Mittwoch um 12 Uhr auf dem Jüdischen Friedhof Heerstraße 141, im Ortsteil Charlottenburg statt.