Brandenburger Polizei

Sport soll Brandenburger Polizisten vor Burn-out schützen

Brandenburgs neuer Polizeichef Mörke will den hohen Krankenstand der Beamten bekämpfen - mit Dienstsport und Vorsorgekuren.

Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD,r) und der neue Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke

Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD,r) und der neue Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke

Foto: Ralf Hirschberger / dpa

Potsdam.  Brandenburgs neuer Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke möchte die Überlastung seiner Beamten und den hohen Krankenstand mit Dienstsport und Vorsorgekuren bekämpfen. 11,8 Prozent der Polizisten im Land Brandenburg sind derzeit mehr als 100 Tage im Jahr krank gemeldet. Das sagte Mörke dem Inforadio des RBB in einem Interview, das am Freitag veröffentlicht wurde. Der ehemalige Volkspolizist bekleidet ab Sonnabend offiziell den Posten des Landespolizeipräsidenten in Brandenburg – zuvor hatte er das Amt bereits kommissarisch inne.

Während Mörke in der Vergangenheit noch über die Stellenlage in seiner Behörde geklagt hatte, ist er bei Amtsantritt überzeugt, dass die Sicherheit im Land mit der aktuellen Personalpolitik zu gewährleisten ist. 1900 Stellen sollten ursprünglich im Zuge der Polizeireformen abgebaut werden. Anfang des Jahres hatte Innensenator Karl-Heinz Schröter (SPD) dann angekündigt, den Stellenabbau mit 855 Neuanstellungen abzufedern.

Nun sagt Polizeipräsident Mörke: „Wenn diese Stellen real besetzt sind, dann mache ich mir überhaupt keine Sorgen.“

Eine Absenkung des hohen Krankenstandes soll helfen. „Wir müssen besser werden“, sagt Mörke. Und: „Wir haben ein ganzes Programm im Rahmen des Gesundheitsmanagements, das verwirklicht werden muss.“ Wichtig sei, die Langzeiterkrankten wieder in den Arbeitsprozess integriert zu bekommen, betonte Mörke. Bei allen anderen Kollegen setzt er auf Prophylaxe und Dienstsport, damit diese nicht ebenfalls krank würden. Das bedeute für ihn auch, dass die Arbeit innerhalb der Behörde gerecht verteilt werde, betonte der 61-Jährige.

Kritik von der Gewerkschaft

Andreas Schuster, Landesvorsitzender der Polizeigewerkschaft GdP nennt die Äußerungen des neuen Polizeipräsidenten „konzentrierten Schwachsinn“. Auch sonst findet er drastische Worte für die Zustände in den Reihen der brandenburgischen Polizei. Man „fahre Kollegen auf Verschleiß“, Schuster berichtet von psychischen Erkrankungen, Burn-out-Syndromen, Stress und Arbeitsüberlastung. Besonders betroffen seien ältere Kollegen, Streifenpolizisten und Beamte der Kriminalpolizei. „Die Kollegen sind einfach fertig“, sagt der Gewerkschaftsvorsitzende. Schuld sei der Personalabbau der vergangenen Jahre.

Durch Kuren und Dienstsport sei der Überbelastung kaum beizukommen. „Gesundheitsfördernde Maßnahmen können helfen, aber essenziell ist: Wir brauchen mehr Personal“, sagt Schuster. Knapp 8000 Beamte sind derzeit bei der Brandenburger Polizei beschäftigt. Laut einer Evaluierung brauche man jedoch mindestens 8300, bis zum Jahr 2018 würden mit der geplanten Personalpolitik bis zu 600 Polizeibeamte im täglichen Dienst fehlen.

Wie das Programm zum Gesundheitsmanagement der Beamten im Detail aussieht und welche Ursachen die vielen Erkrankungen haben, darüber war aus dem Polizeipräsidium in Potsdam bis Redaktionsschluss nichts zu erfahren. Ein Gespräch am Telefon lehnte der Sprecher ab, auf eine schriftliche Anfrage könne man erst in der nächsten Woche reagieren.

Fest steht: Im Vergleich zu Berlin ist die Anzahl der Langzeiterkrankten niedriger. 2014 waren laut Dieter Großhans von der Polizeigewerkschaft in der Hauptstadt rund 1000 Beamte berufsunfähig gemeldet. Die Anzahl der Langzeiterkrankten sei auch in diesem Jahr in etwa gleich hoch. „Wir bewegen uns also um 16 Prozent“, sagt Großhans. Bereits im vergangenen Jahr machte die Landesvorsitzende der GdP in Berlin Kerstin Philipp die Dauerbelastung der Beamten für die hohen Ausfälle verantwortlich.

Sie gehe davon aus, dass die Dunkelziffer der erkrankten Kollegen noch höher sei.

Um besseres Image bemüht

Brandenburgs neuer Polizeipräsident Mörke hat es sich zum Ziel gemacht, mit den Imageproblemen der Behörde aufzuräumen. Bei der Kriminalitätsbekämpfung an der Grenze zu Polen habe man in diesem Jahr Erfolge erzielen können. „Das Sicherheitsgefühl der Einwohner dort hat sich erhöht. Das sind Erfolge, die müssen richtig an die Menschen herangebracht werden“, sagt der neue Polizeipräsident im Interview mit dem RBB. Man wolle sich den Menschen öffnen, das Vertrauen zur Polizei wiederherstellen und besser mit den Medien zusammenarbeiten.

Für Negativschlagzeilen sorgten vor allem Vorwürfe, unter Mörkes Vorgänger Arne Feuring seien Kriminalstatistiken gefälscht worden. Nachdem Feuring im vergangenen Herbst Innenstaatssekretär geworden war, hatte Mörke dessen Posten übernommen. Der neue Polizeichef hatte sich zuletzt von Feuring distanziert, von „groben Fehlern“ und „Rechenspielen“ gesprochen.

Der neue Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke ist 61 Jahre alt und war in den 70er-Jahren für die DDR-Volkspolizei im Dienst, leitete später das Volkspolizeikreisamt in Nauen (Landkreis Havelland). Seit 2011 war er Chef des Behördenstabs des Polizeipräsidiums Brandenburg. Ende Juni stimmte die rot-rote Regierung der Ernennung Mörkes zum Polizeipräsidenten zu. Für den Innenminister soll er für Ruhe in der Behörde sorgen.