Berlin

Senat quartiert Flüchtlinge in Stadtteilzentren ein

Der Flüchtlingsstrom in die Hauptstadt hält an. Da alle Übernachtungsmöglichkeiten ausgeschöpft sind, werden Flüchtlinge jetzt in Stadtteilzentren untergebracht.

Die Senatssozialverwaltung kann an diesem Wochenende kurzfristig Flüchtlinge in verschiedenen Stadtteilzentren einquartieren. Der Zustrom von Asylbewerbern bleibe derart hoch, dass andere Übernachtungsmöglichkeiten ausgeschöpft seien, teilte Verwaltungssprecherin Regina Kneiding am Freitag mit. Im Juli nahm Berlin rund 4000 weitere Flüchtlinge auf, eine neue Rekordmarke. Kneiding dankte den über die Stadt verteilten neun Zentren für ihre Unterstützung. So seien mehr als 200 Plätze für Flüchtlinge geschaffen worden.

Die ersten zogen am Freitag ein. Etliche Plätze reserviert die Verwaltung aber gezielt für Menschen, die erst am Wochenende nach Berlin kommen. An diesen Tagen ist die Zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber (ZAA) an der Turmstraße nicht geöffnet, die Flüchtlinge melden sich dann bei der Polizei. Dort, so Kneiding, würden ihnen dann Plätze in den Stadtteilzentren zugewiesen. Die Sprecherin bedankte sich insbesondere bei den ehrenamtlichen Helfern der Zentren, ohne die die Unterbringung der Asylbewerber am Wochenende nicht zu bewältigen gewesen wäre. Die Aktion ist zunächst bis Montag befristet. Wie die Sprecherin der Berliner Morgenpost weiter mitteilte, bereite das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) die Anmietung von zwei größeren Notunterkünften vor. Sie hoffe, dass diese bis Ende nächster Woche zur Verfügung stehen.

Längere Öffnungszeiten

Von Montag an sollen die Öffnungszeiten der Aufnahmestelle ausgeweitet werden. Dort würden dann jeweils von 7 bis 19.30 Uhr Flüchtlinge aufgenommen, sagte Kneiding. Bislang war um 15 Uhr Annahmeschluss, doch tatsächlich wurde auch bisher in diesem Bereich des Lageso bis in den Abend hinein gearbeitet. Zehn zusätzliche Mitarbeiter werden nun einen Früh- und einen Spätdienst ermöglichen. Eine Öffnung der Zentralen Aufnahmestelle am Wochenende sei leider nicht möglich, sagte Sozialsenator Mario Czaja (CDU) der Morgenpost. Die Aufnahme von Asylbewerbern in Deutschland erfolge zentral über das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Dort aber werde das Wochenende dafür benötigt, einen bundesweiten Datenabgleich zu erstellen und das Computersystem zu warten.

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) forderte erneut mehr Hilfe vom Bund zur angemessenen Versorgung der Flüchtlinge. Auf den Offenen Brief des Flüchtlingsrates an ihn werde er nicht antworten, sagte Müller. Der Berliner Flüchtlingsrat hatte moniert, Berlin schicke Hunderte neu ankommende Flüchtlinge in die Obdachlosigkeit, weil sie keine Plätze in Hostels fänden. Die Sozialverwaltung erklärte, sie tue alles, um Obdachlosigkeit zu vermeiden. Sie schloss jedoch nicht aus, dass in Einzelfällen Menschen eine Nacht auf der Straße oder in Parks verbringen müssten.