Untersuchung

Bodenproben - Erste Entwarnung für Berliner Spielplätze

Die Proben von rund 40 Berliner Spielplätzen auf mit Schadstoffen belastetem Boden sind unauffällig - bis auf eine Ausnahme.

Ein kleines Mädchen spielt auf dem Spielplatz am Stuttgarter Platz

Ein kleines Mädchen spielt auf dem Spielplatz am Stuttgarter Platz

Foto: Ricarda Spiegel

Unter manchem Spielplatz in der Stadt lauert eine versteckte Gefahr. Das befürchten unter anderem die Berliner Grünen, nachdem in der vergangenen Woche bekannt geworden war, dass mindestens 40 Berliner Spielplätze auf belasteten Böden stehen. Denn Wippen, Rutschen und Sandkästen wurden nicht selten auf Arealen angelegt, die zuvor durch Handwerksbetriebe oder Tankstelle genutzt wurden. Der Untergrund könnte durch Schadstoffen belastet sein. Eine Gefahr vor allem für kleine Kinder, die gern auch mal was in den Mund nehmen.

Für zwei Spielplätze, die teils auf belasteten Grundstücken liegen, haben die Grünen jetzt Bodenproben entnehmen und untersuchen lassen. Dabei handelt es sich zum einen um den Spielplatz Weinbergspark in Mitte und den Sankasten am Stuttgarter Platz in Charlottenburg. Das Ergebnis: Es besteht keine akute Gefahr. Laut dem Prüfbericht der Argus Umweltbiotechnologie GmbH, der der Berliner Morgenpost vorliegt, sind dort die Grenzwerte etwa für Arsen, Blei oder Cadmium nicht überschritten worden.

Teils krebserregende Schadstoffe in oberster Bodenschicht

Vollständige Entwarnung will Silke Gebel, umweltpolitische Sprecherin ihrer Fraktion, aber dennoch nicht geben. „Wir sind froh, dass eine Laboruntersuchung Grenzwertüberschreitungen in den Sandkästen nicht feststellen konnte“, erklärte sie. Allerdings sei bei einer außerhalb der Sandkästen am Stuttgarter Platz genommen Probe der obersten Bodenschicht der Richtwert von teils krebserregenden Umweltschadstoffen, den sogenannten EPA-PAK, um rund 15 Prozent überschritten worden. An dem Standort befand sich früher eine Tankstelle.

Gebel fordert, dass nun die Bezirke aktiv werden. Mit Unterstützung des Landes sollten sie professionelle Bodenproben an verschiedenen Stellen und auch in tieferen Bodenschichten vornehmen. Diese Ergebnisse müssten veröffentlicht werden. Anhand dessen sollten die nötigen Schritte unternommen werden, um ein problemloses Spielen von Kindern zu ermöglichen und zugleich den Grundwasserschutz zu gewährleisten. „Das Ergebnis der Boden-Stichproben zeigt, dass ein öffentlicher Bodenzustandsbericht mit regelmäßigen Bodenproben für Berlin auf die Tagesordnung kommen muss“, so Gebel. Diese Werte könnten dann auch im Sinne einer guten Verbraucherinformation an den Spielplätzen ausgehangen werden.

„Eltern haben einen Anspruch darauf, zu wissen, wo ihre Kinder sicher im Sand spielen können“, so die umweltpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion. Nach Angaben der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung befinden sich mehr als 40 Berliner Spielplätze auf Altlastenflächen. Regelmäßige Untersuchungen, etwa auf Umweltgifte, gebe es aber nicht, so Staatssekretär Christian Gaebler (SPD) in einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage. Und Sandkisten werden höchstens einmal im Jahr gereinigt.

1850 Spielplätze in Berlin

Silke Gebel ist das zu wenig. „Wir wollen, dass es einen Bodenzustandsbericht gibt, wo alle Spielplätze, aber auch andere Flächen wie Sportanlagen und öffentliche Grünanlagen untersucht werden auf ihre Belastungen.“ Die Ergebnisse sollen dann in eine Sanierungsstrategie münden. So gebe es gerade bei Tankstellen oft Rückstände von Blei oder Altöl, die über die Jahre durch das Erdreich nach oben dringen. „Das wurde das letzte Mal vor 20 Jahren untersucht, da brauchen wir jetzt Licht ins Dunkel.“

In Berlin leben zurzeit rund 500.000 Kinder und Jugendliche im Alter bis zu 18 Jahren. Für sie gibt es rund 1850 öffentliche Kinderspielplätze. Die meisten dieser Plätze befinden sich in Grün- und Erholungsanlagen. Weitere Spielplätze gibt es auf Schulhöfen, in Baulücken und den Berliner Wäldern. Außer den öffentlichen Spielplätzen gibt es private Einrichtungen auf den Grünflächen der Siedlungen.