Prozess

Muttermörder wird in die Psychiatrie eingewiesen

Kurz nach Weihnachten 2014 tötete der 31-jährige Volodimir seine Mutter. Eine Tat im Wahn. Richter schicken ihn in die Psychiatrie.

Schreckliche Szenen in einem Wohnhaus in Marienfelde: Am Tatort finden die Polizisten eine Frauenleiche sowie den schwer verletzten Lebensgefährten. Der tatverdächtige Sohn sprang aus dem Fenster

Schreckliche Szenen in einem Wohnhaus in Marienfelde: Am Tatort finden die Polizisten eine Frauenleiche sowie den schwer verletzten Lebensgefährten. Der tatverdächtige Sohn sprang aus dem Fenster

Foto: Paul Zinken / dpa

Ein 31-jähriger Mann, der seine Mutter tötete und ihren Lebensgefährten schwer verletzte, ist von einem Moabiter Schwurgericht in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen worden.

Der Angeklagte Volodimir S. leide an einer Wahnstörung und sei schuldunfähig, hieß es in der Urteilsbegründung. Nach Einschätzung eines psychiatrischen Gutachters sei er ohne Behandlung weiterhin hochgefährlich für die Allgemeinheit.

Volodimir S. hatte kurz nach Weihnachten 2014 in einer Wohnung an der Föttinger Straße im Ortsteil Marienfelde den Lebensgefährten seiner Mutter attackiert. Es gab vorher keinen Streit. Der 44-jährige Heiko Sch. saß arglos im Wohnzimmer, als er von Volodimir S. hinterrücks mit einem Messer angegriffen wurde. Volodimir S. schrie ihn dabei an: „Du bist das Böse! Du musst vernichtet werden!“

Als die Messerklinge abbrach, rannte der Täter in die Küche, um ein neues Messer zu holen. In dieser Zeit kam seine Mutter, die 50-jährige Maria S., hinzu. Sie versuchte, sich gegen den Sohn zu stemmen und ihn aus dem Zimmer herauszudrängen. Daraufhin wurde auch sie vom Sohn mit dem Messer angegriffen. Er stach ihr in die Brust und in den Rücken und durchtrennte ihren Hals. Sie war sofort tot.

Täter hofft auf Therapie

Das Schwurgericht ging in der rechtlichen Würdigung der Tat davon aus, dass es sich um einen versuchten Mord aus Heimtücke und einen vollendeten Mord zur Ermöglichung einer anderen Straftat handelte. Allerdings sei der Angeklagte wegen seiner psychiatrischen Erkrankung nicht zu bestrafen. Volodimir S. habe offenkundig nicht verwunden, dass ihn seine Mutter nach ihrem Umzug nach Deutschland jahrelang in der Ukraine zurückgelassen habe, sagte der Vorsitzende Richter. Etwa seit Oktober 2014 habe sich der Angeklagte obsessiv mit Religion beschäftigt, das habe sich am Ende in einen Wahn gesteigert, in dessen Konsequenz er den Lebensgefährten seiner Mutter vernichten wollte.

Der aus Thüringen stammende Heiko Sch. konnte nach dem Messerangriff durch eine Notoperation gerettet werden. Er hat das schreckliche Geschehen bis heute nicht verwunden, war nicht in der Lage, vor Gericht auszusagen und muss weiterhin stationär in einem psychiatrischen Krankenhaus behandelt werden. Sein Anwalt, der für ihn vor Gericht die Nebenklage vertrat, sagte: Es gehe ihm nach wie vor sehr schlecht.

Volodimir S. erklärte vor Gericht bei seinen sogenannten letzten Worten, dass ihm die Tat sehr leid tue und er davon ausgehe, dass ihm in der Gefängnispsychiatrie – dem Maßregelvollzug – geholfen werden könne. Wie lange Volodimir S. dort bleiben muss, hängt vom Erfolg der Therapie ab. Es wird aber mit hoher Wahrscheinlichkeit einige Jahre dauern.