Berlin

Bericht über neue Spur im Fall Manuel Schadwald

Junge ist seit 1993 vermisst. Er verschwand auf dem Weg ins FEZ

Der Berliner Junge Manuel Schadwald der seit 22 Jahren vermisst wird, ist möglicherweise auf einer Segelyacht in den Niederlanden bei Sexspielen ums Leben gekommen. Das berichtet die „Welt am Sonntag“. Es könnte auch eine Verbindung zum Netzwerk des belgischen Kindermörders Marc Dutroux geben.

Das Kind soll Mitte der 90er-Jahre nach seinem Verschwinden nach Rotterdam und Amsterdam gebracht worden sein. Auf einer Yacht im holländischen Ijsselmeer soll der Junge ums Leben gekommen sein. Das hätten mehrere Quellen aus Kreisen der Polizei und des Geheimdienstes AIVD in den Niederlanden der Zeitung bestätigt. Eine Bestätigung durch Dienststellen der niederländischen Polizei gibt es allerdings nicht. Auch in Berlin gibt es keine neuen Hinweise. „Uns liegen derzeit keine Information vor, dass es neue Erkenntnisse in diesem Fall gibt“, sagte Thomas Neuendorf, Pressesprecher der Berliner Polizei. „Sollte die Tat in Holland tatsächlich geschehen sein, würde die holländische Polizei die Ermittlungen führen. Mir ist nicht bekannt, dass sie sich an uns gewandt hat.“ Auch bei der Berliner Staatsanwaltschaft wusste man am Sonnabend nichts von einer neuen Spur im Fall Manuel Schadwald. „Es gibt seit längerer Zeit keine neuen Erkenntnisse“, sagte der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft Martin Steltner.

Es war vor fast 22 Jahren, als der damals zwölf Jahre alte Junge spurlos verschwand. Schadwald hatte am 24. Juli 1993 die elterliche Wohnung in Tempelhof verlassen. Er wollte in das Freizeit- und Erholungszentrum Wuhlheide (FEZ) in Köpenick. Dort kam er aber nie an. Schnell vermutete die Polizei ein Verbrechen hinter dem Verschwinden des Jungen. In einem späteren Zeugenaufruf der Polizei hieß es: „Schadwald spielte oft in Berliner Kaufhäusern und dem FEZ an Computern. In den vergangenen Jahren gingen auch Hinweise ein, die auf Verbindungen zur Homosexuellen- beziehungsweise zur Kinderpornoszene in den Niederlanden und Belgien schließen ließen. Diese Hinweise konnten jedoch nicht verifiziert werden.“ Jahrelang kamen die Ermittler bei der Suche nach dem Jungen nicht voran. Mal ging man Hinweisen nach, Schadwald sei von Pädophilen nach Holland verschleppt worden. Später wollte man den Jungen auf einem Gewaltvideo gesehen haben. Eine heiße Spur ergab sich daraus nicht.

Laut den gemeinsamen Recherchen der „Welt am Sonntag“ mit der niederländischen Tageszeitung „Algemeen Dagblad“ teilten die niederländischen Behörden offiziell mit: „Wir sind nicht sicher, dass der Junge jemals in den Niederlanden war.“ Die Zeitungen verweisen aber auf mehrere Zeugen, die der offiziellen Stellungnahme widersprechen. Sie sagten aus, dass Schadwald im Rotterdamer und Amsterdamer Milieu und auch später auf einem Boot auf dem Ijsselmeer gesehen wurde.

Recherchen hätten ergeben, dass es sich bei dem Schiff um eine Charteryacht namens „Apollo“ handelte. Diese soll regelmäßig von dem einschlägig bekannten und inzwischen ermordeten Kinderpornohändler Gerrit Ulrich gechartert worden sein. Nach dem Tod des Mannes 1998 wurden in seinem Apartment im niederländischen Zandvoort Tausende Fotos und Filme von missbrauchten und zum Teil gefolterten Kindern entdeckt.

Nach Aussagen mehrerer Zeugen soll es in den Akten des niederländischen Geheimdienstes Vermerke geben, wonach ein deutscher Junge auf einem Boot ermordet wurde. Ein Informant wird mit den Worten zitiert: „Weil sich auf dem Boot aber einflussreiche Persönlichkeiten befanden, wurde der Fall vertuscht.“

Ein ehemaliger ranghoher Ermittler der niederländischen Polizei bestätigte das. „Natürlich war dieser Junge hier. Aber die Lösung des Falls wird schwierig werden. Die Sonne wird nicht auf diesen Fall scheinen.“

Möglicherweise gibt es auch einen Zusammenhang zur Mordserie des Belgiers Marc Dutroux in den Neunzigerjahren. Der Kindesentführer war von Zeugen im niederländischen Kinderporno-Milieu gesichtet worden.