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Berliner AfD-Mitglieder verlassen wie Chef Lucke die Partei

Gemeinsam mit dem austretenden Chef Lucke wollen sie einen Neuanfang wagen: Eine Gruppe Berliner AfD-Mitglieder verlässt die Partei.

Bernd Lucke nach der Landtagswahl in Sachsen noch erfreut über den Erfolg seiner Partei

Bernd Lucke nach der Landtagswahl in Sachsen noch erfreut über den Erfolg seiner Partei

Foto: Daniel Naupold / dpa

Der Streit in der Alternative für Deutschland (AfD) wirkt sich auch auf den Berliner Landesverband der Partei aus. Nach der Wahl Frauke Petrys zur neuen Bundesvorsitzenden und dem damit verbundenen erwarteten Rechtsruck haben etwa 30 bis 40 der rund 1000 Berliner Mitglieder die Partei verlassen. Das sagte am Donnerstag der Sprecher der Berliner AfD, Götz Frömming, der Berliner Morgenpost. Die Kreisverbände Neukölln und Marzahn-Hellersdorf seien nach den Austritten zurzeit nicht handlungsfähig. Weitere Austritte seien nicht auszuschließen, so Frömming. Aus dem Landesvorstand habe nur der Beisitzer Michael Guthke seinen Rückzug erklärt. Guthke bestätigte seinen Parteiaustritt. „Mir sind in der letzten Zeit auch im Berliner Landesverband viele aufgefallen, mit denen ich weder zusammenarbeiten will noch kann“, sagte Guthke. Er sei liberal eingestellt, damit fühle er sich in der AfD nicht mehr gut aufgehoben.

Der Landesvorsitzende Günter Brinker, einst Chef des Berliner Bundes der Steuerzahler, äußerte sich zur Wahl der als national-konservativ geltenden Bundesvorsitzenden Petry zurückhaltend. „Ich gehe davon aus, dass der Berliner Landesvorstand mit dem neu gewählten Bundesvorstand konstruktiv zusammenarbeiten wird“, sagte Brinker. Er sei zuversichtlich, dass sich an der „liberal-konservativen Ausrichtung der AfD“ nichts ändere.

Brinker galt als Unterstützer des AfD-Gründers Lucke, der an diesem Freitag aus der Partei austreten will. Der Berliner Landesverband gilt als vergleichsweise liberal. Auch hier hatte aber Luckes Krisenmanagement im parteiinternen Streit mit den national-konservativen und rechts-populistischen Kräften der AfD für Missfallen gesorgt. Kritik regte sich auch am Führungsstil des Wirtschaftsprofessors, der von vielen als autoritär empfunden wurde.

Die Berliner AfD arbeitet zurzeit an ihrem Parteiprogramm. Bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus im Herbst 2016 will sie mit den Themen Bildung, innere Sicherheit, Zuwanderung und Integration punkten. In Umfragen erreichte sie zuletzt zwischen fünf und sieben Prozent. Die parteiinternen Querelen standen damals aber noch nicht im Mittelpunkt der Berichterstattung.