Prozess in Berlin

74-jährige Berlinerin soll einer Drogenbande geholfen haben

Bei Jutta K. wurden eine Waffe und 435.000 Euro gefunden. Sie soll einer Drogenbande geholfen haben. Die 74-Jährige bestreitet das.

Senioren vor Gericht sind eher die Ausnahme. Erst recht, wenn sie wie die 74-jährige Jutta K. im Moabiter Kriminalgericht zum ersten Mal auf der Anklagebank sitzen. Der korpulenten, jünger wirkenden Frau wird von der Staatsanwaltschaft die Unterstützung einer Drogenhändlerbande vorgeworfen. Dafür drohen mehrere Jahre Haft.

Bei einer Durchsuchung in Jutta K.s Wohnung am Kurfürstendamm in Wilmersdorf fanden sich in einem im Kleiderschrank eingebauten Tresor 435.000 Euro, die aus Geschäften mit Kokain stammen sollen. In einem weiteren Tresor – er wurde hinter einer Schrankwand entdeckt – lagen eine Selbstladepistole der Marke Ceska und 50 passende Patronen.

Dem Anklagesatz zufolge hat Jutta K. für die Bande auch noch Schlüssel für konspirative Wohnungen aufbewahrt, Stellplätze, Garagen und Fahrzeuge angemietet und Geldgeschäfte über ihre Konten abgewickelt. Eines der Konten soll sie für die Drogengeschäfte auf den Namen ihrer hochbetagten und zudem pflegebedürftigen Schwiegermutter eingerichtet haben.

Die Angeklagte schweigt - und schüttelt den Kopf

Jutta K. schüttelt immer wieder den Kopf, als Staatsanwalt Michael Grunwald vor einer Moabiter Strafkammer den Anklagesatz verliest. Sie selbst äußerst sich nicht zu den Vorwürfen. Dafür ihre Verteidigerin Nicole Bédé. Es ist ein Teilgeständnis. Drei von vier Anklagepunkten werden von Jutta K. bestätigt. Nicht jedoch Anklagepunkt drei, der schwerwiegendste, in dem es um den Handel mit Kokain geht. Anwältin Bédé spricht von einem „reinen Freundschaftsdienst“, der ihrer Mandantin zum Verhängnis geworden sei. Die Geschichte soll schon vor mehr als zehn Jahren begonnen haben. Jutta K. führte zu dieser Zeit eine Pizzeria in der Reichsstraße in Neu-Westend. Einer ihrer Angestellten war Karim Y. Zwischen ihm und Jutta K. entstand eine, wie es Anwältin Bédé beschreibt, „Mutter-Sohn-Beziehung“.

Auch Karim Y.s Familie habe sie kennengelernt. Darunter seinen älteren Bruder, den heute 34-jährigen Apdelzalam Y. Jutta K. habe Apdelzalam Y. dann später immer wieder mal geholfen, habe für ihn auch Geld in ihrem Tresor in der Wohnung in Wilmersdorf gelagert. „Aber sie wusste nicht, dass es Drogengelder waren“, so Anwältin Bédé. Dass es nicht ganz legale Gelder seien, habe sie zwar vermutet. Jutta K. habe aber gedacht, dass es sich um Geschäfte mit Autos handelt.

Womit sich Apdelzalam Y. tatsächlich sein Geld verdiente, habe sie erst später erfahren. Im Juni 2013 wurde er von einer Moabiter Strafkammer wegen unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln zu neuneinhalb Jahren Haft verurteilt. Geld, das vor Apdelzalam Y.s Verurteilung auf Jutta K.s Konten eingezahlt wurde, hätte keineswegs aus Drogengeschäften gestammt, sagte Anwältin Bédé. Es seien Rückzahlungen eines Darlehens gewesen, dass Jutta K. ihrem Ziehsohn Karim Y. gegeben habe. Sie hatte 2009 eine Lebensversicherung in Höhe von 112.000 Euro ausgezahlt bekommen. Damit habe sie Karim Y. unterstützt, der sich ein eigenes Antiquitätengeschäft aufbauen wollte. Das sei jedoch nicht gelungen. Später habe Karim Y. das Geld an Jutta K. in Raten zurückgezahlt.

Betrug am Sozialamt

Zu dieser Zeit ging es Jutta K. finanziell offenkundig noch sehr gut. Nach Angaben von Anwältin Bédé besaß sie mehrere Wagen, darunter einen Porsche. Später kam sie finanziell offenbar in Schieflage. Seit 2011 bezog sie Sozialhilfe; insgesamt fast 10.000 Euro, die sie nun zurückzahlen muss und die Teil der Anklage sind, weil sie bei der Beantragung des Geldes falsche Angaben machte. Denn zur gleichen Zeit waren ihre Konten noch gut gefüllt und sie besaß teuren Schmuck, den sie nach und nach verkaufte. Der Prozess wird am 15. Juli fortgesetzt.