Hitze und kein Ende

Die Hauptstadt schwitzt

Berliner tragen Basecaps, trinken viel Wasser, essen Salz und kühlen ihre Computer, die Reichstagskuppel bleibt wegen Hitze geschlossen

Es ist heiß und ein Ende dieses Wetters nicht abzusehen. Am Sonnabend zeigte das Thermometer in Berlin-Mitte am frühen Nachmittag 35 Grad Celsius an. Kein Lüftchen wehte. Gefühlt seien es 39 Grad, sagen dann auch die Wetterexperten. Der Deutsche Wetterdienst gab eine Hitzewarnung heraus.

Bei der Berliner Feuerwehr zeichnete sich nach Auskunft des Lagedienstes bereits am Sonnabendmittag ein höheres Einsatzaufkommen ab. Man könne davon ausgehen, dass darunter etliche wetterbedingte Einsätze seien, beziffern lasse sich der Anteil allerdings nicht, sagte ein Mitarbeiter des Lagedienstes. Feuerwehrleute, die bei dieser Hitze im Dienst sind, müssen ganz schön schwitzen. Die Möglichkeiten für eine Einsatzerleichterung seien bei der Feuerwehr begrenzt, sagte Sprecherin Bianca Olm. „Bei Löscharbeiten kann auf die übliche Einsatzkleidung nun mal nicht verzichtet werden und im Rettungsdienst ist es ähnlich.“ Selbstverständlich stünden aber in den Einsatzfahrzeugen ausreichende Mengen an Getränken für die Mitarbeiter bereit.

Bei der Polizei ist wie bei der Feuerwehr für bestimmte Einsätze die vorgesehene Kleidung Pflicht. Dazu gehören bei den Ordnungshütern schon aus Gründen der Eigensicherung unter anderem Schutzwesten. Ansonsten ist leichte Sommerkleidung ohne Jacken angesagt. „Und wenn jemand bei dem Wetter ohne die eigentlich vorgeschriebene Dienstmütze unterwegs ist, wird das geduldet“, sagte ein Beamter der Berliner Morgenpost. Polizeisprecher Jens Berger fügte hinzu, dass die Mitarbeiter im Wach- und Streifendienst regelmäßig mit Getränken versorgt werden.

Im Bus ist es heiß

Was machen andere, die bei diesem Wetter Dienst haben? Wir haben in der Stadt etliche Menschen bei der Arbeit getroffen. Ramzi Hamami ist Promoter. Der junge Mann hatte ein Werbe-T-Shirt an, auf dem Kopf trug er eine rote Mütze. Weil Ramadan ist, darf er zwischen Sonnenaufgang und -untergang nichts essen und trinken. „Ich mach meine Haare und mein Gesicht mit kaltem Wasser nass“, sagte er. Tito Araya hat mit einem Kollegen einen Schmuckstand auf dem Breitscheidplatz. Für den Chilenen ist die Temperatur kein Problem. „Bei uns ist das ganz normal.“ Sein Tipp: drei Liter Wasser trinken und dazu Salz.

Busfahrer Zana Zizek stand mit seinem Bus am Bahnhof Hertzallee: „Da muss ich einfach durch“, sagte er. Er verglich den Sitzplatz des Busfahrers mit der Person, die einen heißen Ofen aufmacht, um den Kuchen herauszunehmen. „Immer wenn man die Tür aufmacht, schlägt einem heiße Luft entgegen.“ Wie in jedem Sommer versorgen die Berliner Verkehrsbetriebe BVG ihre Bus-, U-Bahn- und Straßenbahnfahrer kostenlos mit kaltem Tee und Mineralwasser. Bei der Hitze werde mehr getrunken als sonst, sagte BVG-Sprecherin Petra Reetz. Technische Ausfälle an ihren Fahrzeugen muss die BVG wegen der Hitze nicht beklagen. Anders als etwa in west- oder süddeutschen Städten sei es in Berlin zudem schon seit vielen Jahren nicht mehr üblich, dass Straßenbahnen in einem Gleisbett mit Teerdecke fahren, sagte Petra Reetz. In Berlin bestehe das Gleisbett aus Schotter oder Gras. Zur Kritik von Fahrgästen, dass in vielen Bussen die Klimaanlage kaputt sei, sagte die Sprecherin, das sei nicht der Fall. Die Klimaanlagen blieben nur häufig wirkungslos, weil an den Haltestellen heiße Außenluft durch die geöffneten Türen dringe.

Wegen der Hitze wurde am Sonnabendmittag die Kuppel im Reichstagsgebäude gesperrt. Das bestätigte eine Mitarbeiterin des Besucherdienstes. Man habe im oberen Bereich Temperaturen von 45 Grad gemessen, woraufhin die Polizei die Sperrung veranlasste. Wann die Kuppel wieder geöffnet sein wird, sei ungewiss.

In den Rettungsstellen der Charité wurden am Sonnabend mehr 20 Hitzepatienten behandelt. „Vor allem Menschen mit Kreislaufproblemen mussten vermehrt versorgt werden“, teilte die stellvertretende Charité-Sprecherin Manuela Zingl auf Nachfrage mit. Aufgrund von unzureichender Flüssigkeitsaufnahme litten die Patienten an Symptomen wie Benommenheit, Blutdruckschwankungen und Schwäche.

Im Berliner Rechenzentrum der Firma Strato herrschen selbst bei diesem Wetter angenehme 22 Grad. Die Geräte würden so am effizientesten arbeiten, sagt der Chef Christian Böing. Die Kühlung ist allerdings auch einer der größten Kostenfresser. An besonders heißen Tagen steige der Energieverbrauch hier um 60 Prozent gegenüber dem Jahresdurchschnitt. Die Anlage verbrauche dann so viel Strom wie 5300 Zwei-Personen-Haushalte.

Der Hitze-Rekord für Berlin liegt bei 38,1 Grad, die im Juli 1959 gemessen wurden. In Potsdam waren es im August 1992 sogar 39,1 Grad. Die Berliner Umweltverwaltung warnt auch für Sonntag vor hohen Ozonkonzentrationen. Berliner und Besucher werden gebeten, möglichst auf das Auto zu verzichten. Ein Picknick im Grünen oder ein Besuch im Schwimmbad wären allerdings unbedenklich.

Am Sonntagabend könnte es dann Abkühlung geben. Eine Gewitterfront ist angesagt.