Berlin

Abba-Fans im DDR-Staatsrat

Bauarbeiter finden Poster-Collagen – sie zeigen die früheren Stars aus dem Westen

Dem Charme des Westens mit seinen medialen Versuchungen konnten offenbar selbst politische Hardliner in der DDR nicht widerstehen. Diesen Verdacht legt jedenfalls ein kurioser Fund nahe, den Bauarbeiter jetzt im ehemaligen Staatsratsgebäude der DDR gemacht haben.

Die Bauarbeiter, die im Auftrag der Metro AG in einem Seitentrakt des Gebäudes am Schloßplatz in Mitte mit Umbaumaßnahmen beschäftigt waren, fanden hinter einer doppelten Wand eine bunte Collage aus Starschnitten – vorzugsweise aus dem Einzugsbereich des Klassenfeindes. Die Original-Collagen zeigen Stars der 70er- und 80er-Jahre, darunter neben ostdeutschen Bands wie den Puhdys und Fritzens Dampferband auch Bilder von Abba, den Beatles, den Rubettes und sogar Nicole, der bundesrepublikaischen Gewinnerin des Grand Prix d’Eurovision von 1982.

Außerdem schien der unbekannte Nutzer der Räumlichkeiten im sogenannten Kanzleitrakt des Gebäudes auch ein Fan des US-Schauspielers Robert Redford gewesen zu sein.

In dem 1964 errichteten Gebäude, in dem nacheinander Walter Ulbricht (bis 1973), Willi Stoph (1973–1976), Erich Honecker (1976–1989), Egon Krenz (24. Oktober 1989 bis 6. Dezember 1989) und Manfred Gerlach (bis 5. April 1990) als Vorsitzende des Staatsrats residierten, wurde in den folgenden Jahren nur noch interimsweise genutzt, von 1999 bis 2001 etwa hatte der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) seinen Berliner Dienstsitz im Staatsratsgebäude. Nach umfänglichen Umbauarbeiten Anfang der Nullerjahre zog 2006 die Managerhochschule European School of Management and Technology (ESMT) in das Gebäude.

Die Metro Gruppe nutzt ebenfalls Teile des Gebäudes und will dort ab Oktober Start-ups fördern, die digitale Lösungen für die Gastronomiebranche entwickeln.

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