Partylocation

Jugendliche randalieren an der Krummen Lanke

Das schöne Wetter lockt Jugendliche nachts an die Krumme Lanke in Dahlem, um Partys zu feiern. Polizisten haben es schwer durchzugreifen.

An die Krumme Lanke z zieht es bei schönem Wetter zahlreiche Badegäste. Auch Jugendliche feiern hier Party

An die Krumme Lanke z zieht es bei schönem Wetter zahlreiche Badegäste. Auch Jugendliche feiern hier Party

Foto: Steffen Pletl

Mit Blick auf das Thermometer und die prognostizierten sommerlichen Temperaturen sorgen sich die Polizeibeamten im Südwesten der Stadt um ihre Sicherheit und Gesundheit. Denn sie werden von nächtlichen Partygängern regelmäßig angegriffen und beworfen. Auch die Anwohner und Geschäftsleute sind besorgt. Hintergrund ist, dass die Badestrände an der Krummen Lanke und die angrenzenden Straßen derzeit nachts zur Partymeile werden. Und mit den Feiernden kommen Drogen, Alkohol, Gewalt und Zerstörung in den sonst so beschaulichen Teil von Zehlendorf.

„Als es noch kühler und feuchter war, kamen nachts bis zu 200 Jugendliche und hinterließen teilweise eine Spur der Verwüstung“, sagt ein Polizeibeamter der Berliner Morgenpost. „Wir gehen davon aus, dass in richtig warmen Sommernächten zwischen 400 und 500 Jugendliche im Alter zwischen 14 und 18 Jahren auf der Badewiese Party feiern.“

Die nächtlichen Treffen seien nichts Neues, aber kämen mittlerweile in einer völlig anderen Dimension und mit deutlich mehr Gewalt und Zerstörung daher. Jahrelang wurde „am Schlachtensee gefeiert, dieses Gebiet konnten wir aber in der Vergangenheit befrieden“, sagt der Beamte. Es habe eine Verdrängung stattgefunden. „Wenn ein Funkwagen dort zu einem Einsatz fährt, werden die Kollegen und das Fahrzeug sofort massiv angegriffen“, so der Polizist. Die Jugendlichen würden mit allem werfen, was gerade griffbereit sei. „Das ist fehlender Respekt gegenüber der Polizei.“

Die Beobachtungen der Polizei haben ergeben, dass es sich um eine Art „Partytourismus“ handelt. Die Jugendlichen kämen überwiegend aus Neukölln, Kreuzberg und Wedding, sie reisen laut Polizei mit der U-Bahn an. Fast alle Jugendliche „haben einen Migrationshintergrund“, sagte der Ermittler. „Die meisten von ihnen haben arabische Wurzeln.“

Anwohner Horst Brandt geht regelmäßig am See spazieren: „Das sich hier an warmen Sommertagen allabendlich viele Jugendliche treffen ist nichts Neues“, sagt er. Nur in letzter Zeit habe sich das Publikum stark verändert.

Nach einer Nacht alles vermüllt

„Es wird in unkontrollierter Weise Bier und Schnaps getrunken“, weiß er zu berichten. Auf dem gesamten Weg vom U-Bahnhof Krumme Lanke bis hinunter zum See lägen Glasscherben. Und auch dort sei nach einer Sommernacht alles vermüllt. „Hin und wieder kommt zwar ein Funkwagen der Polizei, doch das ist einfach zu wenig“, sagt der Anwohner. „Die Polizei müsste bereits am Bahnhof stehen und dort Präsenz zeigen.“

Der erste Weg der Partygänger führe von der U-Bahn direkt in den Supermarkt. Dort decken sie sich mit Alkohol ein. „Ich kann nicht verstehen, warum wir uns hier von so einer Meute tyrannisieren lassen müssen.“ Ein Polizeibeamter berichtet von Schlägereien, verletzten Personen, aufgebrochenen Autos und abgebrochenen Außenspiegeln. Nicht selten werden Jugendliche angetroffen, die so stark betrunken sind, dass sie in die Krankenhäuser Waldfriede und Hubertus eingeliefert werden müssen.

„Wenn die Kollegen am See eintreffen und angegriffen werden, fordern sie sofort Unterstützung an“, sagt er. „Bis die aber aus dem Stadgebiet dorthin gekommen ist, kann es bis zu einer Stunde dauern.“ In vielen Fällen seien die dringend benötigten Einsatzeinheiten mit anderen Einsätzen gebunden.

Er schlägt vor, die Streifenwagen mit Suchscheinwerfern auszustatten, damit die Beamten in der Dunkelheit die Gegend ausleuchten können. „Noch besser wäre es, wenn dort eine sogenannte Lichtgiraffe aufgebaut wird, ein transportables Gerüst für sehr starke Scheinwerfer“, erklärt er. „Damit kann eine große Fläche taghell ausgeleuchtet werden.“ Der Beamte ist davon überzeugt, dass irgendwann auch die Drogendealer an der Badewiese auftauchen werden, um das „Partyvolk“ mit Rauschgift zu versorgen. „Am besten wäre es, wenn direkt am U-Bahnhof kontrolliert wird“, sagt er. „Das müsste über einen längeren Zeitraum passieren.“

Ein Geschäftsmann, der seinen Namen nicht sagen möchte, nennt die Situation „sehr ärgerlich“. Er befürchte, „wenn es in den kommenden Tagen extrem warm wird, werden hier allabendlich wieder große Saufgelage stattfinden“. Was danach passiert, sei bekannt. Überall Glasscherben und abgebrochene Außenspiegel. „Manchmal kommt es auch vor, dass auf dem Parkplatz abgestellte Fahrzeuge aufgebrochen werden“, sagt er. Er sorgt sich auch um das Image dieses schönen Fleckens.