Elizabeth II. in Berlin

Royaler Rückblick: Queen-Besuch in Deutschland

Die Queen hat Berlin am Freitag früh verlassen und ist über Celle zurück in die Heimat gereist. Das Protokoll ihres Besuchs.

Eine Trompetenfanfare verkündet es: Die Queen ist da. Hunderte von Gästen haben im Garten der Botschaftsvilla gewartet, die Gläser mit „Pimm's“-Cocktail in der Hand. Die Hut-Dichte ist für Berliner Verhältnisse recht hoch. Aufregung liegt in der Luft an diesem frühsommerlichen Abend, als das royale Paar am Donnerstag durch den Garten geht und mit vielen Gästen plaudert. Dann tritt Königin Elizabeth II. auf den Balkon. Der Botschafter Simon McDonald hat seinen großen Moment. „Für uns Briten ist der Staatsbesuch der Königin in Deutschland der herausragende Höhepunkt eines außergewöhnliches Jahres“, sagt er.

Die Gäste schmettern die Nationalhymnen, es wird auf die Staatsoberhäupter angestoßen. Nach „God Save the Queen“ hebt der Botschafter das Glas: „Auf die Königin!“. Eigentlich hat die Queen im April Geburtstag. Im Sommer gibt es traditionell auch einen Empfang in Berlin. Diesmal mit der 89 Jahre alten Majestät persönlich, begleitet von Prinz Philip (94). Die beiden werden getrennt durch den Garten geführt. Sie mit weißem Hut und im weißen Mantel, der von zarten roten Fäden durchzogen wird, mit dem Uhrzeigersinn. Er im schwarzen Anzug in einer anderen Richtung. Wie zuvor in Frankfurt am Main sind Bundespräsident Joachim Gauck und seine Lebensgefährtin Daniela Schadt dabei. Gauck und die Königin wirken gut aufgelegt.

Britische Landesküche für die Gäste

Koch Robert Burgmeier hat zwar keinen Geburtstagskuchen gebacken. Der hätte nicht ins Protokoll gepasst. Im Garten werden dafür Häppchen gereicht, auf dem Menü steht britische Landesküche: Stilton-Windbeutel mit grünem Tomatenchutney, Fish & Chips, Lachs-Dill-Röllchen, Würstchen im Schlafrock, Salbei-Zwiebel-Scones mit Pulled Chicken und Erdbeeren mit Schlagsahne.

Bei der Berliner Gartenparty sind viele britische Uniformen zu sehen. Unter den Gästen sind Bundesminister und Ministerpräsidenten aus den Ländern. Als eine der ersten darf Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt mit dem royalen Besuch plaudern. Besonders locker ist Elizabeth II. beim Small-Talk mit Berlins früherem Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). Der erzählt anschließend, sie hätten sich über den letzten Staatsbesuch der Queen unterhalten. Auch bei der Party dabei: Rolf Seelmann-Eggebert - als „Deutschlands bekanntester Adelsexperte und Commander des Order of the British Empire (CBE)“ gelistet.

Traumhafter Rasen

Zwei Plätze für die Gartenparty hatte die Botschaft bei einem Facebook-Gewinnspiel vergeben. Einen davon bekam Fotograf Martin Lengemann aus Berlin, der mit einem Schlips aus schottischem Tweet kommt. Er kann sein Glück kaum fassen. Morgens habe er noch gedacht „Jetzt muss mich mal jemand kneifen“, erzählt er am Abend. Auch in der Nacht zuvor verfolgte ihn der britische Besuch: „Ich habe von Rasen geträumt“.

Schauspieler Henning Baum („Der letzte Bulle“) ist ebenfalls eingeladen. Er hat Jahre im Königsreich gelebt und sogar Queen Mum mal als Schüler ein Ständchen zum 90. gebracht. „Mit England verbinden mich viele schöne Erinnerungen“, sagt er. Nach dem kurzen Treffen mit der Queen schwärmt er und wird ein bisschen nostalgisch: „Es ist eine Freude und eine Ehre ihr zu begegnen.“

Die Berliner Hutmacherin Fiona Bennett durfte den Kopfschmuck von Botschafter-Gattin Olivia McDonald kreieren. Als Engländerin ist Bennett eine gefragte Expertin beim Queen-Besuch. Schon vorher sagt sie, die Königin sei auch eine Kindheitserinnerung. „Das hat für mich eine gewisse Romantik.“ Ähnliches dürften wohl viele Gäste gedacht haben. Zum Abschied spielt ein Dudelsackpfeifer, und um 19.47 Uhr rollt der Bentley der Königin vom Hof. Am Freitag wird der fünfte Staatsbesuch der Queen in Deutschland vorbei sein.

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Donnerstag, 25. Juni 2015

Roter Teppich und königsblauer Mantel - Die Queen ist da

Sie trägt einen königsblauen Mantel, eine schwarze Handtasche und eine Perlenkette. Der Hut leuchtet türkis. Die Queen ist da. Kurz vor 19 Uhr am Dienstagabend ist die Sondermaschine in Berlin-Tegel gelandet. Soldaten im Ehrenspalier und donnernde Salutschüsse begrüßen die britische Königin wenige Minuten später auf dem roten Teppich, der die Regenpfützen verdeckt. Sie schüttelt Hände mit dem Empfangskomitee, dann steigt sie in ihren dunkelroten Bentley. Eskortiert von 15 Motorrädern geht es Richtung Brandenburger Tor. Elizabeth II. wohnt wie 2004 im Hotel Adlon mit Blick auf die Quadriga. Am Mittwoch hat sie ein volles Programm.

Der fünfte Staatsbesuch der Königin wird ein Kapitel für die Geschichtsbücher. Vor 50 Jahren war sie zum ersten Mal in Deutschland, in der Nachkriegszeit ein Ritterschlag für die junge BRD. Jetzt ist die Queen 89 Jahre alt, ihr Mann Prinz Philip 94.

Die Berliner Polizei ist bis Freitag mit bis zu 1450 Beamten unterwegs. Es gilt Sicherheitsstufe 2, was nicht ganz so hoch ist wie beim US-Präsidenten. „Es ist ein toller Einsatz, wann hat man schon mal so eine Gelegenheit. Aber dann bin ich auch froh, wenn die Dame wieder gesund in ihr Flugzeug steigt“, sagt der Einsatzleiter Markus van Stegen.

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„Dieser Besuch ist etwas Besonderes“

Der britische Botschafter Simon McDonald schwört vorab die Reporter ein: „Dieser Besuch ist etwas Besonderes.“ Er gibt auch Auskunft zu brennenden Fragen: Was macht die Queen in der Mittagspause („sie isst“), was schenkt sie dem Bundespräsidenten (ein historisches Buch von Hermann von Pückler-Muskau). Und warum geht sie nicht zu Fuß durch das Brandenburger Tor, sondern nimmt das Auto (sie ist 89).

McDonalds „persönliches Highlight“ wird die Gartenparty in der britischen Residenz sein. Der Geburtstag der Königin wird dort am Donnerstag nachgefeiert. Der Butler hat bereits Tage vorher das Tafelsilber geputzt, in das die Initialen E.R. für Elizabeth Regina graviert sind. Natürlich wird „Pimm's“ serviert, der klassische Drink der Engländer.

Elizabeth II. will sich an den drei Tagen in Deutschland volksnah zeigen. Fans können ihr am Mittwochvormittag vom Ufer der Spree zuwinken, wenn sie 17 Minuten lang mit dem Holzboot „Ajax“ (Jahrgang 1926, so wie die Königin) unterwegs ist.

Auch vor der „Queen's Lecture“ an der Technischen Universität und am Donnerstag auf dem Frankfurter Römer gibt es Chancen auf royale Sichtungen. Freitag macht die Königin vor ihrem Hotel in Berlin einen kleinen Bummel auf dem Pariser Platz.

Es geht nicht nur um den Hut und die Handtasche der Monarchin, sondern auch um Politik. „Wir feiern unser bilaterales Verhältnis insgesamt“, sagt Botschafter McDonald. Wie beim Staatsbesuch in Irland wird beim Bankett im Schloss Bellevue der britische Premier David Cameron dabei sein. Was Elizabeth II. über Europa oder das in Großbritannien geplante EU-Referendum denkt, wird Bundeskanzlerin Angela Merkel nach dem Treffen im Kanzleramt wohl kaum verraten.

Besuch in der Gedenkstätte Bergen-Belsen

Ein Besuch in der Gedenkstätte Bergen-Belsen in Niedersachsen sei der persönliche Wunsch der Queen gewesen, sagt McDonald. „Bergen-Belsen spielt eine besondere Rolle in unserer Geschichte.“ 70 Jahre ist es her, dass britische Soldaten das Konzentrationslager befreiten. Nach diesem historischen Besuch, es ist der erste dieser Art, steht am Freitag in Celle der Abflug an. 600 Plätze zum Winken waren nach Angaben der niedersächsischen Staatskanzlei nach 15 Minuten vergeben.

Wie groß das Queen-Fieber in Deutschland wohl wird? Bei der Ankunft am Hotel Adlon warten Hunderte Neugierige mit gezückten Handys an den Absperrgittern. Ein Dudelsack ist zu hören. Dann rauscht die Kolonne an, der Bentley hält, die Königin steigt aus. „Ich habe ihren Hut gesehen, mehr nicht“ und „Oh, das schöne Auto“, rufen die Zaungäste. „Sie ist so süß“, findet ein amerikanischer Teenager. Die Mädchen führen sich aufgeregt ihre Schnappschüsse vor. Dass die Queen in der Stadt ist, haben sie nicht geahnt. Jetzt wissen es alle.

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