Touristen in Berlin

Checkpoint Charlie - "Geht’s hier zum Brandenburger Tor?"

4,1 Millionen Besucher kommen in Berlin jährlich zum Checkpoint Charlie – viele von ihnen sind komplett ahnungslos.

Touristen besuchen den Checkpoint Charlie. Millionen Menschen kommen nach Berlin. Viele von ihnen wollen Spuren der einst geteilten Stadt sehen - auch mehr als 25 Jahre nach dem Mauerfall

Touristen besuchen den Checkpoint Charlie. Millionen Menschen kommen nach Berlin. Viele von ihnen wollen Spuren der einst geteilten Stadt sehen - auch mehr als 25 Jahre nach dem Mauerfall

Foto: Maurizio Gambarini / dpa

Der Checkpoint Charlie ist heute nicht mehr als eine Straßenkreuzung. Wo sich vor mehr als 50 Jahren amerikanische und sowjetische Panzer gegenüberstanden, da erinnert heute nur ein Stückchen Mauer an die Trennung von Ost und West. Auch das Wachhäuschen in der Mitte der Friedrichstraße: eine bloße Kopie. Trotzdem lassen sich hier Jahr für Jahr Millionen von Besucher ablichten. Mittlerweile hat sich eine veritable Landschaft von Imbissbuden und Uschanka-Verkäufern um den ehemaligen Grenzübergang angesiedelt.

„Ein adäquates Informationsangebot finden die Touristen aber bis heute nicht “, sagte Rainer Klemke, Vorsitzender des Fördervereins Zentrum Kalter Krieg am Freitag. 4,1 Millionen Menschen kommen pro Jahr auf das ehemalige Grenzgebiet – etwa ein Drittel aller Übernachtungsgäste in der Hauptstadt. Das besagt eine Studie des Instituts für Museumsforschung, die das Zentrum im vergangenen Jahr in Auftrag gegeben hat. Den vielen Touristen werde vor Ort aber nicht viel geboten., kritisierte Klemke und verlieh seiner Forderung Nachdruck, die heutige BlackBox am Checkpoint Charlie zu einem Zentrum Kalter Krieg auszubauen. „Wir begrüßen es sehr, dass der Senat am Dienstag die Planungshoheit vom Bezirk Mitte übernommen hat“, sagte Klemke. Die BlackBox sei das einzige Museum in Berlin, das sich selbst trage.

Besucher reagieren verwirrt

Zwischen 1,5 und 1,7 Millionen Touristen informierten sich laut Studie 2014 im Innenhof der Bildergalerie über die deutsche Teilung. Davon besuchten etwa 72.000 die kostenpflichtige Ausstellung. „Checkpoint Charlie ist einer der Hotspots der Stadt. Der Informationsbedarf ist da“, sagte Klemke. Die Bildergalerie und die Ausstellung der BlackBox hätten zwar in der Vergangenheit gute Noten bekommen. Die Erwartungen der Besucher könnten trotzdem nur sehr eingeschränkt erfüllt werden. „Das Haus am Checkpoint Charlie kann den Besucherstrom nicht abfangen“, sagte Klemke. Das Museum sei unzeitgemäß, konzentriere sich zu einseitig auf das Thema Flucht.

Wie genau das Zentrum Kalter Krieg aussehen könnte, darüber gab Klemke keine Auskunft. „Das hier ist eine erste Planungsgrundlage“, sagte er. Das Publikum sei überraschend deutsch: Etwa 34 Prozent der BlackBox-Besucher kommen laut Studie aus der Bundesrepublik. Oft suchten auch Zeitzeugen den Checkpoint als einen Ort der Erinnerung auf. „Das sind ehemalige Besatzungssoldaten und Berliner Familien, die anhand der Bilder und Tafeln die Geschichte der Teilung nachvollziehen“, sagte Klemke. Die restlichen 66 Prozent reisten hauptsächlich aus Großbritannien, den Niederlanden, Spanien und den USA an. Bei vielen von ihnen stehe automatisch der Checkpoint Charlie auf der Agenda. „Die sind dann oft enttäuscht“, sagte Klemke. „Alle Touristen kennen diesen Ort. Und erwarten so etwas wie den Eiffelturm oder das Brandenburger Tor. Wenn sie dann aber hier sind, sehen sie nur Currywurstbuden.“

Die Besucher reagierten deshalb oft verwirrt, wenn sie an den ehemaligen Grenzstreifen kommen und nicht erkennen, wo der Grenzstreifen verlaufen ist. Wo war Osten und wo Westen? Wo stand die Berliner Mauer? Geht’s hier zum Brandenburger Tor? Solche Fragen würden die Besucher den Studienhilfskräften stellen. Manche bemerkten gar nicht, dass sie auf dem ehemaligen Grenzgebiet standen, und wollten wissen, wo es zum Checkpoint geht. „Hier besteht dringender Handlungsbedarf“, so Klemke.

Der Senat hat in dieser Woche die Planung zur Immobilie am Checkpoint Charlie in die Hand genommen, um ihren Erhalt als Gedenkort des Kalten Krieges sicherzustellen. Mit einem Bebauungsplan soll auf den Brachflächen Platz für das Zentrum reserviert werden. Da das Areal erst kürzlich in den Besitz eines neuen Investors übergegangen ist, müssen die Details zum Projekt erst noch verhandelt werden.