Kommentar

Mut zum Experiment - BVG setzt auf E-Mobilität

Es ist gut, dass Berlin und ihre Verkehrsbetriebe auch in Zeiten knapper Kassen wieder mehr Mut zum Experiment haben, sagt Thomas Fülling.

Die Berliner Verkehrsbetriebe galten zuletzt nicht unbedingt als experimentfreudig. Was durchaus auch verständlich ist. Das größte Nahverkehrsunternehmen Deutschlands ist dafür verantwortlich, jeden Tag rund drei Millionen Fahrgäste durch die Stadt zu befördern, und das sicher, zuverlässig und möglichst pünktlich. Tests von unausgereiften Technologien bringen da eher Sand ins Getriebe.

Doch nun springt das Unternehmen über seinen Schatten. Es hat vier Elektrobusse in Dienst gestellt, mit denen eine völlig neue Antriebstechnologie erprobt werden soll. Anders als die Ende der 70er-Jahre in Berlin eingesetzten O-Busse erhalten diese Fahrzeuge ihre Energie nicht aus einer Oberleitung, sie müssen auch nicht stundenlang an die Steckdose angedockt werden. Die neue Busse werden beim ohnehin notwendigen Halt an der Endhaltestelle nach dem Induktionsprinzip, das viele von ihre elektrischen Zahnbürste zu Hause kennen, „aufgetankt“.

Die Technologie ist neu und muss sich im Berliner Alltag erst noch beweisen. Und unabhängig, ob sich diese oder eine andere Technik am Ende durchsetzt: Es ist gut, dass Berlin und ihre Verkehrsbetriebe auch in Zeiten knapper Kassen wieder mehr Mut zum Experiment haben. Die Stadt hat allein drei Universitäten, Zehntausende Studenten und zahllose Start-ups. Wo, wenn nicht hier, soll denn Zukunft gemacht werden?

Und ohne Frage: Der Elektromobilität gehört die Zukunft. Die fossilen Brennstoffe gehen zu Ende. Zwar werden die Benzin- und Dieselmotoren immer sparsamer, doch Umweltbelastungen lassen sich nie ganz vermeiden. Private Nutzer schrecken noch immer die hohen Anschaffungskosten vom Kauf eines Elektroautos ab. Das ist auch bei den Elektrobussen nicht anders. Sie kosten derzeit noch das Dreifache eines herkömmlichen Diesel-Busses. Doch können große Unternehmen wie die BVG mit Großaufträgen viel eher dafür sorgen, dass die Stückkosten rasch sinken.

Und die vier neuen E-Busse verringern die Kohlendioxid-Belastung zudem um 260 Tonnen im Jahr. Um denselben Effekt zu erzielen, müssten 250 Pkw elektrifiziert werden. Die BVG sorgt dafür, dass die Stadt grüner wird. Weiter so.