Schulessen

Auch Berlins Oberschüler sollen besser essen

Wie an den Grundschulen sollen sich Angebot und Qualität der Menüs auch an Oberschulen verbessern. Im September beginnt ein Testlauf.

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Nach der großen Schulessen-Reform an den Grundschulen will Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) gemeinsam mit den Bezirken jetzt auch das Essen an den Oberschulen umgestalten. Die Neuregelung ist dringend nötig, denn es sind kaum noch Caterer bereit, unter den derzeitigen Bedingungen Essen an Gymnasien oder Sekundarschulen anzubieten.

Bei den geringen Teilnehmerzahlen am Schulessen würde sich das Catering bei den älteren Schülern einfach nicht mehr rechnen, heißt es vom Verband der Schulcaterer in Berlin und Brandenburg. „Häufig nehmen nur noch 50 Schüler einer Schule am Essen teil, manchmal sind es sogar nur noch 20. Da kann die Ausgabekraft kaum noch bezahlt werden“, sagt Rolf Hoppe, Sprecher des Verbandes. Die Schulen müssten die Teilnehmerzahlen erhöhen, so Hoppe.

Zuletzt hatte das Unternehmen „Drei Köche“ an vier Oberschulen in Wilmersdorf fristgerecht zum 30. Juni den Vertrag gekündigt, unter anderem wegen der Betriebskosten, die der Bezirk anteilig von dem Caterer verlangt. Betroffen waren das Goethe-Gymnasium, die Robert-Jungk-Schule, die Sekundarschule Wilmersdorf und die Marie-Curie-Schule. In letzter Minute haben der Bezirk und das Unternehmen einen Kompromiss für eine Übergangszeit von einem Jahr gefunden. „Wir sind froh, dass die Versorgung erst einmal sicher gestellt ist“, sagt Reinhard Naumann (SPD), Bezirksbürgermeister von Charlottenburg-Wilmersdorf. Der Bezirk verzichte dafür auf die Hälfte der Betriebskosten.

Bisher verlangen die meisten Bezirke an den Oberschulen anders als an den Grundschulen von den Caterern die Übernahme der subventionierten Betriebskosten für die Mensa. Einige nehmen darüber hinaus auch noch eine Pachtgebühr. Das soll sich jetzt ändern.

Unter Federführung der Senatsbildungsverwaltung sollen einheitliche Musterverträge entwickelt werden, die das Angebot und die Qualität des Essens an den Oberschulen sicher stellen sollen. Schon ab September wird es einen Testlauf an 24 Oberschulen geben, jeweils zwei Schulen pro Bezirk. „Durch die geringe Zahl der Essensteilnehmer können die Caterer oft nicht mehr wirtschaftlich arbeiten. Darunter leidet dann auch das Angebot. Diesen Teufelskreis müssen wir durchbrechen“, sagt Senatorin Sandra Scheeres.

Schon bei den Grundschulen hatte die Senatsbildungsverwaltung bei der Reform vor zwei Jahren den Preiskampf um den billigsten Anbieter durch neue Vertragsbedingungen beendet und in einen Qualitätswettbewerb umgewandelt.

Transparente Verträge

Ähnlich soll es jetzt auch bei den Oberschulen laufen. Die Empfehlung an die Bezirke lautet, auf Betriebskosten und Pacht gänzlich zu verzichten. Die Verträge sollen transparent und einheitlich sein. Den gewonnenen finanziellen Spielraum sollen die Caterer dafür nutzen, das Essen für die Oberschüler attraktiver zu machen. „Bei einem Portionspreis von 3,50 Euro erwarten die Familien ein modernes Angebot“, sagt Scheeres. Sonst sei für die Jugendlichen der Kiosk an der Ecke attraktiver als die Mensa. Außerdem sollen die Oberschulen künftig ein stärkeres Mitspracherecht bei der Auswahl der Caterer haben. „Dadurch können die Schulen Einfluss auf das Angebot nehmen, sie müssen sich aber auch selbst Gedanken machen, wie sie die Teilnehmerzahlen am Essen erhöhen können“, sagt die Senatorin. Da gebe es viele Faktoren, angefangen von den Pausenzeiten bis hin zur Gestaltung der Räumlichkeiten.

Die Arbeitsgemeinschaft Schulessen, in der Elternvertreter, Bezirksvertreter und Mitarbeiter der Senatsverwaltung zusammenarbeiten, soll den Prozess an den 24 Testschulen begleiten, um dann die Empfehlungen für alle Berliner Oberschulen auszusprechen. „Die Reform ist sehr begrüßenswert, aber längst überfällig“, sagt Elternvertreterin Erika Takano-Forck. Jetzt müssten sich auch die Schulcaterer bewegen. Bisher sei der Anbieter „Drei Köche“ der einzige, der ein auf die Bedürfnisse der Jugendlichen abgestimmtes Angebot macht, zum Beispiel durch gesunde To-go-Produkte wie Wraps, Bagel oder Obstsalat in der Caféteria. Auch die Bezahlmodelle müssten an Oberschulen überdacht werden. „Jugendliche wollen nicht drei Wochen vorher ankreuzen, was sie irgendwann essen wollen, sondern spontan entscheiden, worauf sie gerade Lust haben“, sagt die Elternvertreterin. Auch könne man überlegen, ob man die Mensen der Oberschulen in den Kiez öffnen kann, um die Rentabilität zu erhöhen.

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