Prozess in Berlin

Fesselspiele außer Kontrolle - Ben Tewaag vor Gericht

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Hans H. Nibbrig

Foto: Paul Zinken / dpa

Ben Tewaag sitzt in Berlin auf der Anklagebank. Es geht um sexuelle Fesselspiele und Faustschläge ins Gesicht einer Frau. Doch der vorbestrafte Sohn von Uschi Glas sieht sich als Opfer.

Der Aushang vor dem Saal 270 des Amtsgerichts Tiergarten wies den Angeklagten als Matthias-Benjamin Tewaag aus. Ob diesen Namen tatsächlich jemand benutzt ist unklar, im allgemeinen wird der 39-Jährige einfach Ben genannt. Unter dieser Kurzform ist er auch einer breiten Öffentlichkeit bekannt geworden. Einerseits als Sohn der Schauspielerin Uschi Glas, andererseits als langjähriger treuer Kunde der Justiz. Am Mittwoch durfte er wieder einmal auf der Anklagebank Platz nehmen, Körperverletzung und Nötigung lautete der Vorwurf.

Im dezenten grauen Anzug und mit Sonnenbrille zum Schutz gegen ein gutes Dutzend ihn bis in den Verhandlungssaal folgenden Fotografen trat der 39-Jährige auf. Zur angeklagten Tat, trug der "Produzent, Regisseur und Geschäftsführer einer Filmfirma" (Tewaag auf die Frage nach seinem Beruf) seine Sicht der Dinge zunächst ruhig und besonnen. Aber immer dann, wenn Aussagen nicht die erhoffte Reaktion hervorriefen, oder er unterbrochen wurde, blitzte so etwas wie Aggressivität in Gesten und Stimme auf, die ahnen ließen, warum er so häufig Gast in unterschiedlichen Gerichtssälen ist. Und die ihm mehrfach Ermahnungen von Richterin Barbara Odenthal einbrachten.

“Wir haben schön gespielt“

Bislang zieren sechs Verurteilungen in Berlin, Süddeutschland und Österreich die Akte des 39-Jährigen. Immer ging es um Körperverletzung und fast immer standen die in Zusammenhang mit Partys und anderen Veranstaltungen, die irgendwie außer Kontrolle gerieten. Das war ganz offensichtlich auch am 10. Juni 2013 der Fall. An dem Tag erhielt der Angeklagte in seiner Wohnung in Prenzlauer Berg spontanen Besuch von zwei Frauen, der 22-jährigen "guten Freundin" Leila Z. und der 25 Jahre alten Nachbarin Elena K. Offenbar ohne dass dies vorher abgesprochen war, zog sich das Trio alsbald ins Schlafzimmer der Wohnung zurück, um sich dort zunächst einvernehmlich Vergnügungen hinzugeben, die gemeinhin unter den Schutz der Intimsphäre fallen und die Öffentlichkeit nicht zu interessieren haben.

Für dieses Beisammensein interessierte sich die Berliner Justiz dennoch, denn was der Angeklagte gegenüber der Richterin als "sexuelle Blödeleien" bezeichnete, brachten der 25-Jährigen K. ein gebrochenes Jochbein, Prellungen und Blutergüsse ein. Die Aktivitäten, die Tewaag und seine Besucherinnen im Schlafzimmer entfalteten, beinhalteten in erster Linie Fesselspiele. Da traf es sich gut, dass der Angeklagte Besitzer eines Designerbettes ist, an dem fest angebrachte Handfesseln vom Hersteller schon mitgeliefert werden. Bereitwillig habe sich Teewag von den beiden Frauen fesseln lassen, erzählte er der Richterin und sprach dabei von einer "ereignisreichen Stunde".

Die endete dann allerdings abrupt, als es dem mittlerweile von seinen Fesseln befreiten Angeklagten danach gelüstete, nun seinerseits den Damen Handschellen anzulegen. Das wiederum wollten die nicht. "Wir haben schön gespielt, aber dann sollte Schluss sein", erklärte Opfer Elena K. der Richterin. Denn die 25-Jährige, als Hostess mit der Spezialität „Massagen und Begleitung“ tätig, hatte an dem Tag noch einen anderen Termin, wie sie freimütig bekannte. Als der inzwischen weitgehend unbekleidete Angeklagte partout nicht bereit war, seine Bemühungen einzustellen, griff Elena K. entschlossen zu, dort wo es besonders schmerzhaft ist. Die Reaktion folgte umgehend. Tewaag versetzte der 25-Jährigen zunächst eine kräftige Ohrfeige und anschließend einen noch kräftigeren Faustschlag ins Gesicht.

Angeklagter spricht von Notwehr

Dass der Angeklagte zuschlug, daran bestanden von Anfang an keine Zweifel. Tewaag selbst räumte die Schläge am Montag nochmals ein, machte aber eine Art Notwehr geltend. Der entschlossene Zugriff der Frau auf an einer besonders empfindlichen Stelle sei so plötzlich erfolgt und vor allem so schmerzhaft gewesen, dass er reflexartig zugeschlagen habe. Leid tue ihm dies auf jeden Fall. Elena K wiederum beteuerte vor der Richterin, der Angeklagte habe ganz bewusst und gezielt zugeschlagen, wohl aus Wut darüber, dass das Schäferstündchen von ihrer Seite so abrupt beendet worden war.

Tewaag dagegen sah sich selbst als Opfer, nicht nur wegen des schmerzhaften Griffs, den er erleiden musste. Noch am Abend des Tattages hätten die Frauen ihn angerufen, um wegen der Schläge 1000 Euro zu fordern, schilderte der 39-Jährige dem Gericht. Später habe Elena Z. nochmals 4000 Euro gefordert, "weil ihr die Lebensmittel ausgehen würden". Fortsetzung und Urteil am 17. Juni.