Fragen und Antworten

Charité-Mitarbeiter stimmen für unbefristeten Streik

Neuer Streikmarathon: Die Kliniken der Charité sollen ab Mitte Juni bestreikt werden - unbefristet. Rund 96 Prozent stimmten für den Ausstand. Bereits Anfang nächster Woche startet der Post-Streik.

Die Berliner müssen sich auf unbefristete Streiks bei Post und Charité einstellen. Wie die Gewerkschaft Verdi am Freitag mitteilte, beginne Montag oder Dienstag der bundesweite Streik bei der Post – der genaue Start werde kurzfristig bekanntgegeben. Die Kliniken der Charité Universitätsmedizin werden ab Mitte Juni bestreikt.

Bei der Urabstimmung an der Charité hatten laut Auszählung von Freitag mehr als 96 Prozent der aufgerufenen Verdi-Mitglieder für einen unbefristeten Arbeitskampf gestimmt. „Die große Bereitschaft für diesen Streik zeigt, dass die Belastung der Mitarbeiter enorm hoch ist“, kommentierte Kalle Kunkel am Freitag das eindeutige Abstimmungsergebnis. Jetzt liege der Ball beim Vorstand der Charité, so Kunkel.

Während Verdi von der Post fordert, die Mitarbeiter der umstrittenen Post-Regionalgesellschaften künftig nach Haustarif zu bezahlen, ist das Ziel des Streiks an der Charité vor allem eine deutliche Verbesserung des Personalschlüssels des Pflegepersonals.

Alle drei Standorte betroffen

„Wir werden an allen drei Standorten der Charité streiken: in Mitte, in Steglitz und in Wedding“, sagte Kunkel. Welche Bereiche und wie viele Stationen von dem Arbeitskampf betroffen sind, könne man erst nach gründlichen Beratungen in der nächsten Woche mitteilen. Kommenden Donnerstag werde es voraussichtlich genauere Informationen geben, so Kunkel. Die Charité plant unterdessen die Einrichtung einer Hotline für die Patienten, deren Nummer rechtzeitig bekannt gegeben werde.

Verdi will eine verbindliche Quotenregelung für den Personalschlüssel von Pflegefachkräften in einem Tarifvertrag durchsetzen. Ziel ist die Besetzung von einer Pflegekraft für fünf Patienten auf einer normalen Station, für Intensivstationen soll ein Personalschlüssel von 1:2 vereinbart werden. Im Nachtdienst sollen zudem immer mindestens zwei Pflegekräfte pro Station eingesetzt werden. Darüber hinaus fordert Verdi auch verbindliche Verfahren zum Erfassen von Überlastungssituationen, um diesen künftig besser gegensteuern zu können.

Ein Streiktag kostet Charité eine halbe Million Euro

„Der Vorstand der Charité teilt die Auffassung, dass eine verbesserte Personalausstattung in der Pflege wünschenswert und in Teilen auch dringend erforderlich ist“, sagte Charité-Sprecher Uwe Dolderer am Freitag. Die Charité habe deshalb bereits ein Angebot vorgelegt, 60 zusätzliche Stellen im Bereich der Intensivpflege und weitere 20 Pflegekräfte für den Nachtdienst zu schaffen. Die Forderungen von Verdi umzusetzen, sei finanziell nicht möglich. Dazu müssten 600 weitere Pflegekräfte eingestellt werden, was bis zu 36 Millionen Euro kosten würde. Pro Streiktag rechnet die Charité mit Kosten von einer halben Millionen Euro.

Die Zahl der Pflegekräfte sei ein gesamtgesellschaftliches Thema, das alle Krankenhäuser in Deutschland betreffe. „Es muss auf der bundespolitischen Ebene gelöst werden“, so Dolderer. „Streik ist das falsche Mittel, weil er auf dem Rücken der Patienten in Berlin und der Charité ausgetragen wird.“ Verdi betont hingegen, die Streikbeteiligung werde frühzeitig mitgeteilt, so dass die Notfallversorgung lebensbedrohlich Erkrankter, also auch Notfalloperationen gewährleistet sei.

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