Prozess

81-Jähriger geht mit Fleischermesser auf Haushaltshilfe los

Ein Rentner hat seine Haushaltshilfe angegriffen und schwer verletzt. Vor Gericht wirkt er freundlich - doch er gilt weiterhin als gefährlich.

Egon G. hofft, dass er nach diesem Prozess vor einem Moabiter Schwurgericht wieder nach Hause darf. Das ist ein Irrtum. Der 81-Jährige muss sich wegen versuchten Mordes verantworten. Doch in diesem Verfahren wird nur noch festgestellt, dass er zur Tatzeit nicht schuldfähig war und weiterhin gefährlich ist. Was schwer vorstellbar ist: Egon G. ist ein kleiner, freundlich wirkender Mann.

Die Tat ereignete sich am 22. Dezember 2014, in einer Wohnung im Spandauer Hohenzollernring, die Egon G. und seine zehn Jahre jüngere Ehefrau Hilde G. bewohnten. Gegen 10 Uhr kam die 44-jährige Maria R. Sie war seit mehreren Jahren die Haushälterin des kinderlosen Ehepaares; aber die Beziehung ging weit darüber hinaus. „Sie haben mich wie eine Tochter behandelt“, sagt Maria R. vor Gericht. „Wir waren wie eine Familie. Geburtstage wurden gemeinsam gefeiert, Urlaubsreisen gemeinsam verbracht.“ Hilde G. habe sogar angeboten, sie zu adoptieren.

Es gab Veränderungen im Laufe der Jahre. Vor allem bei Hilde G., die immer vergesslicher wurde. Vor zwei Jahren wurde bei einer Untersuchung festgestellt, dass sie dement ist. Und auch bei Egon R. gab es eine beginnende Demenz. Er habe versucht, jetzt alles allein zu schaffen, sagt Maria R. „Aber ich fand schon, dass er überfordert war.“

Plötzlicher Angriff von hinten

Sie selbst besuchte das Paar weiterhin mindestens einmal in der Woche, putzte in der Wohnung, beschäftigte sich mit Hilde G., die sich freute, wenn Maria R. kam und ungewöhnlich gesprächig war.

Am jenem 22. Dezember öffnete Egon G. wie immer die Tür, gab Maria R. wie immer ein Küsschen. Maria R. war auch nicht argwöhnisch, als er im Wohnzimmer plötzlich hinter ihr stand und mit der rechten Hand etwas versteckte. „Es war ja kurz vor Weihnachten. Ich dachte, er hat ein Geschenk für mich.“

Es war kein Geschenk. Es war ein Fleischermesser, das er ihr mehrfach gegen den Kopf schlug. Sie konnte fliehen, brach im Hausflur zusammen, leidet noch heute an den Folgen: Angstattacken, Schlafstörungen, Kopfschmerzen, „Wenn ich einen grauhaarige Mann hinter mir sehe, kriege ich Panik“, sagt sie.

Hilde G. lebt jetzt in einem Heim. Maria R. besucht sie regelmäßig. Egon G. wurde in die Gefängnispsychiatrie gebracht. Er weiß nicht, warum er Maria R. angriff. Gutachter diagnostizierten eine krankhafte seelische Störung. „Infolge seines Zustandes sind weiterhin erhebliche rechtswidrige Taten zu erwarten“, er sei eine Gefahr für die Allgemeinheit heißt es in der Antragsschrift der Staatsanwaltschaft. Egon G. wird also in der Klinik bleiben und seine Frau und Maria R. nie wiedersehen.