Fragen und Antworten

Unbefristeter Streik an der Charité - Was Sie wissen müssen

An den Kliniken der Charité wird ab Mitte Juni unbefristet gestreikt. Bei der Urabstimmung von Verdi stimmte die Mehrheit der Mitarbeiter für den Arbeitskampf. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Charité-Streik.

Das Ergebnis ist eindeutig: Mit fast hundertprozentiger Zustimmung votierten die Mitarbeiter der Charité Universitätsmedizin für einen unbefristeten Ausstand. Ab Mitte Juni geht der Arbeitskampf des Pflegepersonals damit in die nächste Runde. „Die hohe Zustimmung der Mitarbeiter für den Streik zeigt, dass die Belastungen enorm hoch sind“, sagte der für die Charité zuständige Gewerkschaftssekretär Kalle Kunkel Morgenpost Online nach der Stimmauszählung am Freitag.

Die Morgenpost sprach auch mit dem Leiter der Unternehmenskommunikation der Charité, Uwe Dolderer, und beantwortet die wichtigsten Fragen:

Wie lautet das Ergebnis der Urabstimmung?

Mit 96,43 Prozent hat sich die Mehrheit der Mitarbeiter für den Arbeitskampf ausgesprochen.

Was sind die Forderungen von Verdi?

Verdi will eine verbindliche Quotenregelung für den Personalschlüssel von Pflegefachkräften in einem Tarifvertrag durchsetzen. Ziel ist die Besetzung von einer Pflegekraft für fünf Patienten auf einer normalen Station, für Intensivstationen soll ein Personalschlüssel von 1:2 vereinbart werden. Im Nachtdienst sollen zudem immer mindestens zwei Pflegekräfte pro Station eingesetzt werden. Darüber hinaus fordert Verdi auch verbindliche Verfahren zum Erfassen von Überlastungssituationen, um in diesen künftig besser gegensteuern zu können.

Wo soll gestreikt werden?

„Wir werden an allen drei Standorten der Charité zu streiken: in Mitte, am ,Benjamin Franklin’ in Steglitz und im ,Virchow’ in Wedding“, sagt Kalle Kunkel. Auf wie vielen Stationen und welchen Bereichen gestreikt werde, könne man erst nach Beratung des Abstimmungsergebnis in der nächsten Woche mitteilen. Kommenden Donnerstag werde es voraussichtlich genauere Informationen geben.

Welche Mitarbeiter werden streiken?

„Es sind alle Mitarbeiter zum Streik aufgerufen“, sagt Kunkel und betont, es sei keineswegs nur ein Streik der Pflegekräfte. Es könne auch in anderen Bereichen zu Arbeitsniederlegungen kommen, etwa in IT-Abteilungen oder in der Verwaltung. Theoretisch können sich auch Ärzte am Streik beteiligen, das gilt aber als eher unwahrscheinlich.

Wie lange wird gestreikt?

„Das hängt davon ab, welches Angebot uns der Charité-Vorstand liefert und ob er sich dafür entscheidet, die Charité auch zum Leuchtturm für gute Arbeitsbedingungen im Krankenhausbereich zu machen“, sagt Kunkel.

Ist die Notfallversorgung gesichert?

Es gibt eine Notdienstvereinbarung von Verdi mit der Charité. Die erwartete Streikbeteiligung werde frühzeitig mitgeteilt, die Notfallversorgung lebensbedrohlich Erkrankter, also auch Notfalloperationen, werde gewährleistet, so Kunkel. Andre Patienten werden aber erhebliche Wartezeiten in Kauf nehmen müssen und sollten bei leichteren Erkrankungen ambulante Arztpraxen aufsuchen.

Was hat die Charité angeboten?

Die Charité hat Verdi ein Angebot vorgelegt, wonach 60 zusätzliche Stellen für den Bereich der Intensivpflege geschaffen werden sollen und weitere 20 Pflegekräfte für den Nachtdienst. Nach Angaben der Charité sei es finanziell nicht möglich, die Verdi-Forderungen voll umzusetzen. Dazu müsste die Charité zu ihren etwa 4000 Pflegekräften weitere 600 einstellen, was nach ihren Berechnungen Kosten in Höhe bis zu 36 Millionen Euro verursachen würde.

Welche Möglichkeiten einer Einigung sieht man bei der Charité?

„Wir sind mit diesem Angebot, weitere 80 neue Stellen zu den schon im vergangenen Jahr aufgebauten 80 Stellen zu schaffen, bereits über die derzeitigen finanziellen Möglichkeiten hinausgegangen“, so Uwe Dolderer. Der Sprecher betonte gegenüber der Morgenpost, dass die Zahl der Pflegekräfte ein gesamtgesellschaftliches Thema sei, das alle Krankenhäuser in Deutschland betreffe.. „Es muss entsprechend auf der bundespolitischen Ebene gelöst werden“, so Dolderer. Die Charité sei nicht der richtige Ansprechpartner für Verdi.

Gibt es eine Hotline?

Die Charité plant die Einrichtung einer Hotline für die Patienten und will die Nummer rechtzeitig bekannt geben.

Wann wird ein Notdienstplan erstellt oder liegt der bereits auch für einen unbefristeten Streit in der Schublade?

Eine gültige Notdienstvereinbarung liegt vor. Die Dienstpläne können jedoch erst dann erstellt werden, wenn der Umfang der Streikmaßnahmen bekannt ist. Entsprechende Informationen liegen der Charité noch nicht vor.

Was kostet der Streik die Charité?

Nach Angaben von Pressesprecher Dolderer werden die Kosten pro Streiktag mit etwa einer halben Million Euro veranschlagt.