Bundespolizei

Wie Berliner Pferde für den G7-Einsatz vorbereitet werden

Am kommenden Wochenende findet der G7-Gipfel auf Schloss Elmau in Bayern statt. Um die Veranstaltung zu sichern, sind auch Berliner Pferde der Bundespolizei im Einsatz. Das Training dafür ist hart.

Foto: Britta Pedersen (3) / dpa

Sie müssen durch einen Haufen von leeren Plastikflaschen gehen. Sie werden mit Bällen beworfen. Jemand bläst das Horn nur wenige Zentimeter vom Ohr entfernt, der nächste hämmert auf die Blechtrommel.

Wer bei der Bundespolizei arbeiten will, muss etwas aushalten: Dies gilt auch für die Pferde beim Training der Reiterstaffel. Dabei werden Situationen simuliert, die für jedes Pferd purer Stress sind – ein Polizeipferd jedoch kaltlassen sollten. Denn ihre Einsätze sind häufig eine heikle Mission – so wie der G7-Gipfel auf Schloss Elmau am nächsten Wochenende.

Dafür werden die tierischen Mitarbeiter der Bundespolizei in diesen Tagen quer durch Deutschland nach Bayern kutschiert. „Das ist ein großer logistischer Aufwand, weil ja auch die Vorschriften des Tierschutzgesetzes eingehalten werde müssen“, sagt Thomas Kriwens, Leiter der Reiterstaffel. Neben 14 Pferden der Bundespolizei werden fast 60 Tiere verschiedener Landespolizeien anreisen, berichtet der Polizeihauptkommissar.

Hohe Beweglichkeit

Denver, Elvis, Jogi & Co. dürften in dem unwegsamen Gelände des von Wald umgebenen Schlosses von Vorteil sein. „Die Polizei hätte bei der Bestreifung und Überwachung der Umgebung ohne Pferde große Schwierigkeiten, da mit Fahrzeugen viele Wege nicht passierbar wären“, erklärt Jörg Radek, stellvertretender Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei.

„Die Tiere haben eine hohe Beweglichkeit. Überall dort, wo man mit dem Auto, dem Rad oder zu Fuß nicht gut vorankommt, können sie sich gut und schnell bewegen – und das bei jedem Wetter“, bestätigt auch der Chef der Reiterstaffel.

Die Tiere sind bei Großveranstaltungen und Demonstrationen im Einsatz, begleiten Fußballfans oder bewachen Castortransporte. An Bahnstrecken sollen sie helfen, den Diebstahl von Buntmetall zu verhindern oder Graffiti-Sprayer zu stören. Mindestens 1,65 Meter hoch muss ein Polizeipferd sein, damit sein Reiter den gewünschten Überblick hat.

Wenn so ein Tier samt Reiter auf einen zukommt, macht das Eindruck. Erst recht, wenn es auch noch seine Schutzausrüstung trägt, die aus dem Eishockey abgeleitet wurde und vor allem Verletzungen an Kopf und Brust verhindern soll. „Wir wollen nicht martialisch erscheinen“, betont Staffelchef Kriwens. Die Pferde sollten zur Deeskalation beitragen. „Von einem Pferd geht keine Provokation aus“, ergänzt Gewerkschafter Radek. Die Strategie geht angesichts der Beliebtheit der Tiere oft auf – aber nicht immer.

„Die Waffe ist immer dabei“

Dann sind auch die Reiter ganz normale Polizisten. „Die Waffe ist immer dabei“, betont Kriwens. Er weiß aber auch, dass insbesondere die weiblichen Mitglieder der Reiterstaffel vor allem wegen ihrer Liebe zum Tier diesen Beruf gewählt haben. „Ich habe versucht, Hobby und Beruf zu verbinden“, räumt Sabrina Rösch ein. Die 33-Jährige ist dafür aus Baden-Württemberg nach Berlin gezogen. Gemeinsam mit Denver hofft sie, die Zwischenprüfung zu meistern. Der Schimmel gilt als völlig ausgeglichen. „Nur ein bisschen faul ist er“, so die Reiterin.

Ihr Kollege André Dörfler wollte dagegen unbedingt zur Polizei – und lernte dafür Reiten. „Wenn ich gewusst hätte, dass das eine der schwersten Sportarten ist, die es gibt, hätte ich mich vielleicht anders entschieden“, sagt der 46-Jährige und lacht. Inzwischen ist er fast 23 Jahre dabei und hat viele Polizeipferde mit ausgebildet.

Sechs bis zwölf Monate dauert dies. Grundlage für die Ausbildung sind die Richtlinien der Deutschen Reiterlichen Vereinigung. Diese tauscht sich mit den Reiterstaffeln aus – auch um von deren Trainingsmethoden zu lernen. „Wir können von deren Erfahrung profitieren, wenn es zum Beispiel darum geht, Tiere an Schrecksituationen zu gewöhnen“, sagt Thies Kaspareit von der Vereinigung. Berechnungen zufolge ersetzten Ross und Reiter etwa fünf Polizisten zu Fuß, sagt Kriwens. Ein Argument, das für die Reiterstaffel spricht. Vor einigen Jahren sah das noch anders aus: Die Einheiten galten als zu teuer, der Rotstift wurde angesetzt. Die Reiterstaffel der Bundespolizei hat ihren Sitz im Berliner Grunewald, im Herbst 2016 soll sie jedoch ins brandenburgische Stahnsdorf umziehen. Rund 6,8 Millionen Euro werden dort insgesamt laut Bundespolizei investiert.