Expo 2015

Berlin zeigt sich als Metropole der Coolen und Kreativen

Auf der Expo in Mailand wird Berlin als Idealstadt für Kreative und Künstler präsentiert: unfertig, immer pulsierend und wahnsinnig angesagt. Jetzt wurden die Botschafter der Hauptstadt vorgestellt.

Der Ort ist so hip, dass man sich als Normalsterblicher fast fehl am Platz fühlt. Wobei das Wort „Ort“ nicht ganz passt. Denn der Coolness-Faktor der „Neuen Heimat“ auf dem RAW-Gelände in Friedrichshain ist so hoch, dass man von „Location“ sprechen sollte.

Die Macher haben die einstige Industriehalle nicht totsaniert, sondern ihren ruinösen Charme bewahrt. Die Veranstaltungs- und Konzertstätte (auch dieses Wort wird dem Flair der „Neuen Heimat“ nicht gerecht) wirkt wie ein Destillat dessen, was immer mehr Touristen nach Berlin lockt und die Stadt zu einer der wichtigsten Metropolen der Kreativszene hat werden lassen: Sie ist unfertig, ungemein inspirierend und, genau: wahnsinnig angesagt.

Hier also stellten die Wirtschaftsförderer der landeseigenen Agentur Berlin Partner am Freitag jene Berliner vor, die die Stadt auf der „Berlin-Woche“ vom 20. bis zum 26. Juni im deutschen Pavillon auf der Expo in Mailand repräsentieren sollen. Das passte. Denn wie der Ort sind auch die Expo-Botschafter – genau: kreativ und angesagt.

Himmel über Berlin – eine Stadt der Chancen

Da wäre zum Beispiel Neve Naive. Die Sängerin heißt eigentlich Alexa Voss, hat eine bezaubernde Stimme und trägt ihre Jeans so weit oben, dass alle, die nicht wissen, dass das wieder super modern ist, denken, sie würde ihrer Zeit dreißig Jahre hinterher hinken. Da wären auch die Gebrüder Eggert. Die Küchenchefs praktizieren eine „ganzheitliche Verwertung der Produkte“, verzichten also auf Geschirr und schnipseln, damit nichts in den Müll muss, auch das Kraut der Karotten in ihre Gerichte. In der „Neuen Heimat“ kündigten sie an, in Mailand ordentlich feiern zu wollen. „Der Zapfhahn ist ja nie weit weg.“

Bei der Expo sollen die Kreativen und Coolen Berlin als „Stadt der Chancen“ präsentieren. Dabei geht es um Party: Etwa, wenn DJ Calvin Bosco den Sound der Hauptstadt vorstellt. Oder um Kunst und Kultur: Etwa, wenn Maurice Weiss, Kurator und Fotograf der Agentur Ostkreuz, seine Berlin-Bilder zeigt. Oder um die boomende Gründerszene der Stadt: Etwa, wenn Stephan Kühr, Geschäftsführer von „3YourMind“ seine Software zum Betrieb eines 3-D-Druckers präsentiert.

Der Auftritt auf der Expo sei eine Chance, sagt der Geschäftsführer von Berlin Partner, Stefan Franzke. „Ob die Besucherzahlen steigen, weiß keiner“, sagt er. Das kreative Berlin könne sich aber in seiner Vielfalt präsentieren, die Expo-Besucher könnten Menschen treffen, „die diese Stadt zu einem lebenswerten Ort machen.“

Der durchschnittlich kreative Besucher verlässt die Präsentation mit dem Gefühl, das er schon beim Betreten der „Neuen Heimat“ hatte: dem Gefühl, in einer tollen Stadt zu leben, die so spannend und angesagt ist, dass man aufpassen muss, sich als „normaler Eingeborener“ nicht wie der letzte Spießer vorzukommen.