Friedrichshain-Kreuzberg

15,34 Euro pro Quadratmeter - Bürgermeisterin warnt Vermieter

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Isabell Jürgens

Foto: Amin Akhtar

Ein Berliner fordert 1135 Euro Kaltmiete für eine Wohnung in einem Friedichshainer Hinterhaus – und das ist kein Einzelfall. Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann schreibt dem Vermieter einen Brief.

Das hat es in Berlin noch nicht gegeben: Eine Bezirksbürgermeisterin schreibt einen Brief an einen Vermieter und weist ihn darauf hin, dass die von ihm inserierte Wohnung zu einem Preis angeboten wird, die weit über der im Berliner Mietspiegel ausgewiesenen ortsüblichen Vergleichsmiete liegt. Konkret geht es um Monika Herrmann, grüne Rathauschefin in Friedrichshain-Kreuzberg, und die Vermietung einer 2,5-Zimmer-Wohnung mit 74 Quadratmetern Wohnfläche im Hinterhaus eines schmucklosen Altbaus an der Straße der Pariser Kommune 39.

Die im Inserat eines privaten Wohnungsunternehmens genannte monatliche Kaltmiete beträgt 1135 Euro, das entspricht 15,34 Euro pro Quadratmeter. Selbst in der obersten Kategorie liegt die Preisobergrenze laut des am Montag veröffentlichten Berliner Mietspiegels in dieser Lage bei 8,10 Euro. „Mir ist klar, dass rein rechtlich gegen diese Mietpreisgestaltung aktuell keine Eingriffsmöglichkeit besteht“, schreibt Herrmann. Und fügt an, dass sich dies „im Rahmen der kürzlich von der Bundesregierung beschlossenen Mietpreisbremse künftig ändern“ werde.

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Ob die Wohnung inzwischen zu dem geforderten Mietpreis vermietet wurde, ist offen. Eine entsprechende Anfrage hat das Wohnungsunternehmen bis Redaktionsschluss dieser Zeitung am Dienstag nicht beantwortet. Dafür sorgt der Brief der Bürgermeisterin in der Immobilienbranche für Unmut. Es sei schlimm, jemanden quasi öffentlich an den Pranger zu stellen, der gegen kein Gesetz verstoße, rügt Dirk Wohltorf, Vorsitzender des IVD Berlin-Brandenburg den öffentlich gewordenen Brief. Vor dem 1. Juni und damit vor Einführung der Mietpreisbremse in Berlin habe die Politik sich nicht einzumischen. Zu der hohen Mietforderung des Unternehmens wollte sich Wohltorf indes nicht äußern: Der Vermieter sei kein Mitglied des Verbandes.

„Vielleicht ist dieses Wohnungsangebot als Versuch zu deuten, noch vor Inkrafttreten der Mietpreisbremse einen Mietvertrag mit einer hohen Miete abzuschließen“, so Wibke Werner vom Mieterverein. Von ähnlich „aberwitzigen Miethöhen“ hätten Vereinsmitglieder auch aus anderen Bezirken berichtet. Sollte es dem Vermieter gelingen, diese Miethöhe durchzusetzen, hätte diese nämlich Bestandsschutz. Der Vermieter wäre auch nach Inkrafttreten der Mietpreisbremse nicht verpflichtet, die Miete auf zehn Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete zu senken. „Auch bei einem späteren Mieterwechsel ist der Vermieter nicht verpflichtet, das vorherige Mietniveau zu unterschreiten“, so Werner.

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