„Bildet Berlin!“

Verein startet Volksbegehren gegen Unterrichtsausfall

Die Initiative „Bildet Berlin!“ will erreichen, dass an allen Berliner Schulen zehn Prozent mehr Lehrer eingesetzt werden. 20.000 Unterschriften muss sie dafür in sechs Monaten sammeln.

Fortbildungen, Projekttage, Krankheit, es gibt viele Gründe, warum Lehrer ausfallen. Wenn das jedoch dazu führt, dass zehn Prozent des Unterrichts nicht stattfinden oder nicht fachgerecht vertreten werden, gefährdet das den erfolgreichen Schulabschluss der Kinder, meint die Initiative „Bildet Berlin! Verein für Schulqualität“. Unterstützt vom Landeseltern- und vom Landesschülerausschuss startet sie jetzt das Volksbegehren „Unterrichtsgarantie – Schluss mit dem Unterrichtsausfall“.

Die Initiative will erreichen, dass an allen Berliner Schulen zehn Prozent mehr Lehrer eingesetzt werden, damit sinnvolle Vertretungsstunden stattfinden können, sagte der Vorsitzende Florian Bublys am Dienstag bei der Vorstellung des Vorhabens. Eine 110-prozentige Lehrkräfteausstattung müsse dafür rechtsverbindlich im Berliner Schulgesetz festgeschrieben werden, so Bublys. Bildet Berlin rechnet mit 110 Millionen Euro, die die Vertretungsreserve pro Jahr kosten würde, die Senatsbildungsverwaltung kommt auf 158 Millionen für 2260 zusätzliche Lehrkräfte.

Initiative zweifelt an Zahlen des Senats

Wie berichtet, gibt es auch unterschiedliche Bewertungen der Situation an den Schulen. Laut Statistik der Bildungsverwaltung fallen pro Schuljahr 2,1 Prozent aller Unterrichtsstunden aus, das sind etwa 405.650. Während der Senat diesen Wert als erfreulich gering einstuft und auf eine Vertretungsquote von mehr als 80 Prozent hinweist, hält die Initiative aus Lehrern, Eltern und Schülern den Ausfall für doppelt so hoch. Die Vertretungsquote liege zudem nicht bei 80, sondern lediglich bei 22 Prozent. Denn nur 450.000 der von der Verwaltung genannten 1,6 Millionen Vertretungsstunden würden fachlich ihrem Namen gerecht.

GEW zweifelt an Wirksamkeit

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) unterstützt die Forderung von zehn Prozent Vertretungsreserve, bezweifelt jedoch, dass das Ziel Unterrichtsausfall zu vermeiden, gesetzlich zu erreichen ist, so die Landesvorsitzende Sigrid Baumgardt. Deshalb trete die GEW auch nicht als Mitinitiator des Volksbegehrens auf. „Ich teile das Ziel einer guten Unterrichtsversorgung“, sagt Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD). „Ich teile allerdings nicht den Weg, den die Initiative einschlagen will. Kein Pädagoge sitzt unnötig im Lehrerzimmer und wartet auf einen Einsatz.“ Schulleitungen würden zusätzliches Personal auch nutzen. „Das bedeutet aber, dass auch Schulen, die über einer 100-prozentigen Ausstattung liegen, Unterrichtsausfall haben.“

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20.000 Unterschriften muss die Initiative für das Volksbegehren in sechs Monaten sammeln. Dafür will sie nun die Berliner Eltern mobilisieren. Am 27. Mai, 19 Uhr, gibt es ein erstes großes Mitmachtreffen im Dathe-Gymnasium an der Helsingforser Straße 11 in Friedrichshain.

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