Erfolgsgeschichte

Wie BMW am Kaiserdamm besonders viele Autos verkauft

Insgesamt 65 Millionen Euro ließ sich BMW seinen neuen Standort am Kaiserdamm kosten. Der Schritt war offensichtlich goldrichtig: Die BMW-Niederlassung verkauft überdurchschnittlich viele Autos.

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Was so ein Gebäude ausmachen kann. Dabei ist die Lage eher abschreckend. Auf der einen Seite rauscht die A100, vorn die acht Spuren des Kaiserdamms. Wolfgang Büchel sieht aber gerade diese Lage als Pluspunkt. Was jeden Mieter verschrecken würde, ist für den BMW-Niederlassungsleiter ein Vorteil: „Ein verkehrsreicher Standort, das macht hier mehr Spaß. Wir verkaufen mehr Autos als vorher.“

Vorher war gut 40 Jahre lang die BMW-Niederlassung an der Huttenstraße in Moabit, jetzt sitzt Büchel in einem Ledersessel im ersten Stock der neuen Niederlassung in Charlottenburg und schwärmt vom neuen Standort, an den das Unternehmen vor knapp einem Jahr gezogen ist.

BMW gewinnt in Berlin Marktanteile

Der Konzern hatte 2007 eine gut zwei Fußballfelder große Brachfläche an Kaiserdamm und A100 gekauft. 2011 begann der Bau. Insgesamt 65 Millionen Euro ließ sich BMW die neue Niederlassung kosten, ein sehr großes Autohaus mit Werkstätten, das sich auch für Veranstaltungen nutzen lässt. Zudem gibt es ein extra Zentrum für BMW-Motorräder. Bezogen wurde die Niederlassung Anfang April 2014.

Büchel war zunächst etwas skeptisch: Funktioniert das mit dem Umfeld? Kommen die Kunden? Sie kommen offenbar. Und kaufen. Im vergangenen Jahr setzte die Niederlassung 7692 Autos ab, ein Plus von 10,5 Prozent im Vergleich zu 2013. Der Berliner Markt sei gleichzeitig nur um drei Prozent gewachsen, sagt Büchel – BMW gewinnt Marktanteile.

Und besser als der Gesamtkonzern schnitten die Berliner auch ab: BMW verkaufte 2014 weltweit 9,5 Prozent mehr Autos. Der Motorradabsatz legte in der Hauptstadt sogar um „sagenhafte“ 53,5 Prozent auf 419 Stück zu, der Gesamtkonzern kam hier nur auf ein Plus von 7,2 Prozent auf 123.495 Stück. Der Umsatz der Hauptstadtniederlassung mit Autos und Motorrädern legte ebenfalls zu: 240 Millionen Euro waren es, das entspricht einem Zuwachs von 11,5 (Konzern 5,7) Prozent.

Das neue Gebäude hebt auch die Stimmung der Mitarbeiter

Nun hat der Konzern im vergangenen Jahr zahlreiche neue Modelle auf den Markt gebracht, was die Verkaufszahlen immer etwas steigen lässt, etwa der 2er BMW, der mit dem VW Golf und der B-Klasse von Mercedes konkurriert. Aber Büchel sagt, dass der Neubau einen Anteil am guten Geschäft 2014 hat. Offenbar hebt das neue Gebäude die Stimmung der 411 Mitarbeiter, die Kunden mögen es.

Auch im ersten Vierteljahr läuft das Geschäft offenbar gut. Der Niederlassungsleiter spricht von einem Absatzplus von mehr als zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der Umsatz dürfte demnach um ungefähr zehn Prozent zugelegt haben.

Dabei gilt der Berliner Markt als etwas schwieriger. Die Stadt verfügt über ein sehr gutes Nahverkehrssystem, viele junge Menschen nutzen lieber Fahrrad und Carsharing, bei dem Autos nur eine bestimmte Zeit gemietet werden, als sich selbst ein Fahrzeug zu kaufen. Zudem seien die Autos deutlich älter als im deutschen Durchschnitt, sagt Büchel. Und die Stadt sei nicht so sehr ein Premiummarkt. Das bedeutet: Wenn er ein Auto kauft, gibt der Berliner eher weniger aus als jemand im Rest der Republik. Ein schwieriges Umfeld für einen Autohersteller, der sich als Premiumanbieter sieht.

Büchel rechnet aber damit, dass viele jüngere Menschen, die jetzt noch in Mitte an ihrem eigenen Unternehmen basteln, später mehr Geld zur Verfügung haben, eine Familie gründen und vielleicht aus dem Zentrum an den Stadtrand ziehen. „Für die wird ein Auto dann interessant“, ist er sich sicher. Und vielleicht entscheiden sie sich für BMW statt für VW oder Toyota, Audi oder Mercedes.

Starker Markt für E-Autos

Großes Interesse hat Büchel für die neuen Fahrzeuge mit E-Antrieb ausgemacht. Seit November 2013 hat BMW den i3 im Programm, ein rein elektrisch betriebenes Auto. Zudem gibt es mit dem i8 einen Sportwagen mit Hybridantrieb – Verbrennungs- und Elektromotor. Mehr als 100 der iModelle hat die Niederlassung seit Verkaufsstart ausgeliefert. Berlin sei, vielleicht mit München, dem Sitz von BMW, der stärkste E-Fahrzeugmarkt, sagt Büchel. Es gebe einen starken Veränderungswillen.

Er spricht von einem hohen Interesse an den Fahrzeugen und Testfahrten. „Viele Kunden sind danach total begeistert.“ Gleichwohl seien die Absatzzahlen noch recht gering, sowohl in Berlin als auch deutschlandweit.

Das kann am vergleichsweise hohen Preis liegen und daran, dass viele Autofahrer Sorge haben, keine Ladestation zu finden. Büchel wünscht sich deshalb mehr politische Unterstützung, zum Beispiel mehr staatliche Förderung für E-Autos. Der Berliner Senat hatte zuletzt den niederländischen Netzbetreiber Alliander beauftragt 400 Ladestationen im Stadtgebiet aufzustellen.