Ausstand in Berlin

Wie Sie trotz Poststreiks noch Briefe und Pakete verschicken

Die Brief- und Paketzusteller in Berlin streiken. Viele Sendungen bleiben daher liegen. Welche Alternativen gibt es? Hat man Anspruch auf Schadensersatz? Fragen und Antworten zum Poststreik.

Wer streikt und warum?

Der Arbeitskampf der Postangestellten geht in die nächste Runde. Streikten zunächst noch die Briefverteilerzentren, sind es jetzt die Post- und DHL-Paketboten. Sie fordern eine Verkürzung ihrer Arbeitszeit von aktuell 38,5 Wochenstunden auf 36 Wochenstunden – bei vollem Lohnausgleich. Die Gewerkschaft Verdi wirft der Post jetzt vor, bewusst Beamte als Streikbrecher eingesetzt zu haben – dies sei rechtswidrig. Die Post wies den Vorwurf zurück. Der Streik soll bis zur nächsten Verhandlungsrunde andauern. Diese ist für Mitte kommender Woche angesetzt.

Was können Kunden machen, wenn ein Brief nicht rechtzeitig ankommt?

„Grundsätzlich können Sie da nicht viel machen. Die Deutsche Post gibt ja generell keine Garantie auf Schnelligkeit“, sagte Anke Blenn, Sprecherin der Deutschen Post in Berlin. „Wir stellen zwar normalerweise über 90 Prozent der Sendungen in Berlin innerhalb eines Tages zu, aber selbst ohne den Streik ist das nicht immer möglich.“

Was ist, wenn durch den Streik Rechnungen nicht zugestellt werden und deshalb Mahnkosten entstehen?

„Bei regulären Brief- und Paketsendungen haftet die Deutsche Post nicht, auch nicht, wenn es sich um Rechnungen oder ähnliches handelt“, sagt Blenn. Das sei höhere Gewalt, dafür könne niemand haftbar gemacht werden. Bei Expresslieferungen ist es anders: „Da hat man durchaus einen Anspruch auf Schadensersatz, da wir eine Zustellung innerhalb einer bestimmten Zeit garantieren und der Kunde diese dann auch bezahlt hat.“

Mit welchen Verzögerungen muss man überhaupt rechnen?

„Ich gehe davon aus, dass viele Zusteller heute ganz normal arbeiten oder zumindest nur stundenweise streiken“, sagt Blenn. „Verdi schätz die Zahl der Streikenden meiner Meinung nach mit 2000 zu hoch ein. Das wären ja dann alle, die wir in der Region beschäftigen.“ Das sei eher unwahrscheinlich.

Welche Alternativen gibt es in Berlin zur Post und DHL?

„Etwa der Briefversand Pin hat in Berlin 350 Standorte, darunter Briefkästen und Partner-Shops. Die Preise für Briefe und Pakete sind denen der Post ähnlich. Dafür brauch man aber spezielle Briefmarken, die man nicht überall kaufen kann.“

Kann man im Notfall kurzfristig auf Fahrradkuriere ausweichen?

„Wir sind flexibel was Aufträge anbelangt“, sagt Martin Barz vom Kurierdienst Twister Kuriere in Treptow-Köpenick. „Wir können innerhalb Berlins binnen 30 bis 60 Minuten zustellen, zumindest innerhalb des S-Bahnrings.“ Maximal dauere es einen halben Tag, das hänge von der Verkehrslage ab. Nach Brandenburg könne man innerhalb eines Tages liefern. „Wir haben ja nicht nur Fahrradkuriere, sondern alles vom Motorrad-, über Auto- bis hin zum Kleintransporter-Kurier. So können wir auch größere Pakete schnell zustellen.“

Für wen eignet sich dieser Service?

„Für jeden, der wirklich nicht warten kann“, sagt Martin Hollmann vom Spinning Wheels Courier Service in Mitte. „Ich bezweifle aber, dass ein normaler Briefversender sich einen Kurier leisten würde, weil der viel teurer ist – mindestens zehnmal so teuer“, sagt Hollmann. Auch Martin Barz von Twister Kuriere betont das: „Bei uns kostet die Standardlieferung schon acht Euro. Das würde man für einen gewöhnlichen Brief sicher nicht zahlen“, sagt Barz. Wer es aber wirklich ganz eilig habe, für den sei ein Kurierdienst während des Streiks definitiv eine Option.