Berliner Verkehrsbetriebe

BVG schreibt schwarze Zahlen - Fahrpreise steigen trotzdem

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Thomas Fülling

Erstmals seit 1946 machen die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) einen Gewinn - in Höhe von 7,4 Millionen Euro. Dennoch sollen die Preise für Tickets steigen, weil viele Investitionen anstünden.

Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) haben zwar erstmals seit fast 70 Jahren aus eigener Kraft einen Gewinn erzielt. Doch trotz der schwarzen Zahlen müssen sich die Nutzer von Bussen und Bahnen auf weiter steigende Ticketpreise einstellen.

Die im Vorjahr für den Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) beschlossene Regel, die Tarife einmal pro Jahr anzupassen, werde vom Senat nicht in Frage gestellt, sagte Finanzsenator und BVG-Aufsichtratschef Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) am Montag. Er begründete dies vor allem mit den großen Herausforderungen, vor denen die BVG beim Erhalt der Infrastruktur sowie bei der Beschaffung neuer Fahrzeuge steht.

Zuletzt hatte der Verkehrsverbund, zu dem auch die S-Bahn Berlin, der Bahn-Regionalverkehr sowie zahlreiche kommunale Verkehrsunternehmen in Brandenburg gehören, die Ticketpreise am 1. Januar 2015 um 2,3 Prozent erhöht. Wie hoch die nächste Erhöhung ausfallen wird und ob sie gleich Anfang 2016 erfolgt, ließen der Finanzsenator und auch die BVG-Chefin Sigrid Nikutta (die mit ganz besonderen Schuhen die Zahlen präsentierte) offen.

BVG erzielt Gewinn in Höhe von 7,4 Millionen Euro

Laut dem am Montag vom BVG-Aufsichtsrat bestätigten Geschäftsabschluss für 2014 haben die landeseigenen Verkehrsbetriebe einen Gewinn von 7,4 Millionen Euro erzielt. Erstmals seit 1946 konnte ein Bilanzüberschuss ohne Sondereffekte etwa durch den Verkauf von Tochtergesellschaften oder Immobilien erreicht werden, hieß es.

Zugleich reduzierte das Unternehmen seine Schulden um gut 100 Millionen auf nun noch 706,6 Millionen Euro. Das Ziel, im operativen Geschäft aus den Verlusten herauszukommen, sei zwei Jahre früher als geplant erreicht worden, würdigte Matthias Kollatz-Ahnen die Leistungen der BVG-Beschäftigten. Ursprünglich waren schwarze Zahlen erst für 2016 angepeilt gewesen.

Für 2016 strebt die BVG einen Gewinn von knapp zehn Millionen Euro an. Beigetragen zur positiven Entwicklung der BVG haben aber auch die Nutzer selbst. Sie bescherten dem Unternehmen im Vorjahr Rekordeinnahmen in Höhe von 636 Millionen Euro . Das entspricht einem Kostendeckungsgrad von 56 Prozent. Der Rest der BVG-Ausgaben wird über Zuschüsse und Leistungsentgelte vom Bund und vom Land Berlin finanziert. Gerade die Zahlungen vom Bund stehen derzeit allerdings auf dem Prüfstand, wie BVG-Personalratschef Lothar Stephan kritisierte.

BVG kann dringend benötigte neue U-Bahnen kaufen

Nach einem weiteren Beschluss des Aufsichtrats kann die BVG jetzt dringend benötigte neue U-Bahnen kaufen. Der Senat stellt dafür 58 Millionen Euro aus dem Sonderfonds wachsende Stadt (Siwa) bereit, die BVG selbst gibt 3,5 Millionen Euro dazu. Damit die Züge möglichst rasch kommen, will die BVG ihre Bestellung beim Hersteller Stadler aufstocken – um bis zu elf Vier-Wagen-Züge.

Die eigentlich für die Kleinprofil-Linie U1 bis U4 entwickelten Züge der Baureihe IK sollen technisch so umgerüstet werden, dass sie auch auf den Großprofil-Linien U5 bis U9 fahren können. Beschlüsse über eine langfristige Fuhrpark-Erneuerung wurden indes auf Anfang Mai vertagt. Nach eigenen Angaben hat die BVG bis 2033 einen Investitionsbedarf von rund 2,6 Milliarden Euro.

Fahrgäste der S-Bahn können unterdessen aufatmen. Die monatelange Sperrung des Nord-Süd-Tunnels soll am Sonntag planmäßig zu Ende gehen, teilte die Bahntochter mit. Ab 4. Mai, können die Linien S1 (Wannsee–Oranienburg), S2 (Blankenfelde–Bernau) und S25 (Teltow-Hennigsdorf) wieder planmäßig verkehren. Seit 16. Januar werden die rund 80 Jahre alten Tunnelanlagen saniert und modernisiert. Mehr als 100.000 Fahrgäste täglich sind von Umleitungen betroffen. Bei Messfahrten wird aktuell die komplett erneuerte Signal- und Zugsicherungstechnik im Tunnel überprüft.