Neuer Dienstsitz

Sieben Kilometer Akten ziehen ins neue Innenministerium um

Das Bundesinnenministerium bezieht seinen neuen Dienstsitz am Moabiter Werder, nahe Hauptbahnhof und Kanzleramt. 1100 Mitarbeiter werden künftig dort arbeiten. Die Polizei schützt den Umzug.

Seit Freitag, 12 Uhr, setzt sich vor dem hufeisenförmigen Gebäude an der Straße Alt-Moabit 140 pünktlich alle 20 Minuten ein kleiner, aber auffälliger Fahrzeugkonvoi in Bewegung. Das gleiche Bild bietet sich vor dem Bundeshaus an der Bundesallee 216 in Mitte und einem weiteren Gebäude am Fehrbelliner Platz in Wilmersdorf.

Ziel der Kolonnen, bestehend aus jeweils einem Lkw eines Umzugsunternehmens nebst begleitenden Fahrzeugen der Berliner Polizei, ist das neue, soeben fertiggestellte Dienstgebäude des Bundesinnenministeriums (BMI) am Moabiter Werder in unmittelbarer Nähe von Hauptbahnhof und Kanzleramt. Dort sollen am Montag die bislang auf drei Dienstsitze in Berlin verteilten mehr als 1100 Mitarbeiter des Ministeriums ihre Arbeit aufnehmen. Doch zuvor steht an diesem Wochenende erst einmal der Umzug an.

Zwei Jahre Vorbereitung

Bis Sonntagabend, so der Plan, soll der Umzug abgeschlossen sein. Bis dahin werden Tag und Nacht in 11.000 Umzugskartons umgerechnet sieben Kilometer Akten, 55.000 Bücher, 1500 Kubikmeter Mobiliar sowie 500 Kubikmeter Informations- und Kommunikationstechnik in insgesamt 300 Lkw-Ladungen zum neuen Domizil transportiert. Die Kisten enthalten alles, was in dem Ministerium benötigt wird, von fertigen Plänen für den Fall eines Terroranschlags in Deutschland bis zum Speiseplan der Ministeriumskantine für die kommende Woche. Und weil nicht nur Antiterror- und Katastrophenpläne höchster Geheimhaltung unterliegen, erfolgt der Umzug unter massiven Sicherheitsvorkehrungen.

Die beschränken sich nicht nur auf Absperrung und Begleitung des Transports. Das Umzugsmaterial wird in speziellen aufbruchsicheren Behältern transportiert, und die Mitarbeiter der drei Spezialfirmen, die den Umzug gemeinsam durchführen, sind allesamt sicherheitsüberprüft worden. Zwei Jahre sei das gewaltige logistische Unternehmen geplant und vorbereitet worden, sagte Ministeriumssprecher Tobias Plate der Berliner Morgenpost am Freitag. Zu „einer wahren Mammutaufgabe“ wird der Umzug dem Sprecher zufolge vor allem durch die Tatsache, dass er bei laufendem Dienstbetrieb erfolgt.

Denn das Ministerium verfügt über eine ganze Anzahl von Geschäftsbereichen und Dienststellen, die an sieben Tagen die Woche rund um die Uhr arbeiten, darunter Leitungsstäbe, Lagezentren und Verbindungsstellen zum Bundeskriminalamt und Verfassungsschutz. Deren Tätigkeit dürfe durch den Umzug in keiner Weise beeinträchtigt werden, sagte Plate. „In Zeiten latenter Anschlagsgefahren etwa durch islamistische Terrorgruppen könnte es verheerende Folgen haben, wenn das primär für die Innere Sicherheit zuständige Ministerium auch nur kurzzeitig vom Informationsfluss der nationalen und internationalen Sicherheitsorgane abgeschnitten ist, weil Computer und Telefonanlagen gerade transportiert werden“, ergänzte ein hoher Beamter.

Bonner Dienstsitz bleibt

Es sei selbstverständlich sichergestellt worden, dass diese wichtigen Dienststellen auch während des Umzugs uneingeschränkt funktionsfähig blieben, betonte Plate. Details zu diesem sensiblen Bereich nannte er allerdings nicht.

Gänzlich abgeschlossen ist der Umzug am Sonntagabend allerdings noch nicht. Denn im Juli folgen noch etliche Beamte aus der Bonner Dienststelle, die ebenfalls künftig in Berlin tätig sein werden. Bei Angaben zu genauen Zahlen ist man im Ministerium allerdings zurückhaltend. So brisant wie die Aufgaben des BMI im Bereich der Inneren Sicherheit ist auch das Thema „doppelte Dienstsitze“.

Dienstsitze in Berlin und Bonn

Seit zwei Jahrzehnten unterhält entsprechend des Hauptstadtvertrages jedes Bundesministerium zwei Dienstsitze, einen in Berlin und einen in Bonn. Ein Zustand, der aufgrund der damit verbundenen Kosten vielfach kritisiert wird, den zu ändern sich derzeit aber niemand traut. Auch das BMI wird trotz des Neubaus weiter einen zweiten Dienstsitz in Bonn unterhalten. Nach Informationen der Morgenpost werden lediglich etwa 70 der momentan 300 Bonner BMI-Mitarbeiter in die Hauptstadt wechseln.

Mit dem Umzug in den neuen 210 Millionen Euro teuren Dienstsitz erfolgt allerdings eine weitere Konzentration auf Berlin. Alle wichtigen Abteilungen, bei denen eine Nähe zum Minister wichtig ist, sind ab sofort in Berlin vertreten. In Bonn verblieben überwiegend die Bereiche, zu denen eine Kommunikation über Telefon und E-Mail in der Regel ausreichend sei, hieß es am Freitag aus dem Ministerium, zum Beispiel die Reisekostenstelle.

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