Eilentscheid

Gericht erlaubt sichtbare Tätowierungen bei Justiz-Azubis

Einer Frau war die Ausbildung zur Justizhauptwachtmeisterin verwehrt worden, weil sie eine Wolf-Tätowierung trägt. Die Ablehnung der Bewerbung war unzulässig, entschied nun ein Berliner Gericht.

Die Ausbildung zur Justizhauptwachtmeisterin ist auch mit einer kleinen Tätowierung am Handgelenk möglich. Das entschied das Verwaltungsgericht Berlin in einem Eilverfahren. Eine 1983 geborene Frau hatte sich im September 2014 um Einstellung als Anwärterin für den Beruf der Justizhauptwachtmeisterin bemüht.

Die Präsidentin des Kammergerichts hatte die Bewerbung abgelehnt, da das fünf mal drei Zentimeter große Tattoo beim Tragen der Dienstkleidung sichtbar sei. Dieser Argumentation folgte das Verwaltungsgericht nicht. (VG 36 L 83.15)

Der tätowierte heulende Wolf befindet sich nach Gerichtsangaben in unmittelbarer Nähe zum Handgelenk. Das Tattoo am rechten Unterarm sei beim Heben des Arms sichtbar, selbst beim Tragen eines Langarmhemdes. Das Verwaltungsgericht verpflichtete die Behörde, über die Bewerbung der Frau unverzüglich erneut zu entscheiden.

Die Tätowierung wecke keine Zweifel an der persönlichen Eignung der Bewerberin, urteilte das Berliner Verwaltungsgericht. Zwar dürfe der Dienstherr Anforderungen an das äußere Erscheinungsbild von Beamten stellen. Tätowierungen seien mittlerweile aber als Modeerscheinung in allen Gesellschaftsschichten verbreitet. Sie würden nicht mehr als Ausdruck einer bestimmten gesellschaftlichen Haltung angesehen. Gegen den Beschluss kann Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg eingelegt werden.

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