Studie

Berlin ist die Hauptstadt der Zwangsräumungen

Fast 10.000 Räumungsklagen gibt es in Berlin pro Jahr. Hauptverursacher seien die Jobcenter, hat zumindest eine Studie der Humboldt-Universität ermittelt.

Eine Studie der Humboldt-Universität sieht in den Jobcentern die Hauptverursacher für zunehmende Zwangsräumungen in Berlin. Sie und die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften seien "Motoren der Verdrängung", sagte der Berliner Stadtsoziologe Andrej Holm bei der Vorstellung der Untersuchung "Zwangsräumungen und die Krise des Hilfesystems" am Donnerstag in Berlin. Mit fast 10.000 Räumungsklagen pro Jahr sei Berlin die Hauptstadt der Wohnungsnotlagen.

Schätzungen zufolge gibt es in Berlin zwischen 5000 und 7000 Räumungstermine jährlich. Davon gehen den Angaben nach etwa 20 Prozent und damit überdurchschnittlich viele auf das Konto der kommunalen Wohnungsbaugesellschaften, die eigentlich preiswerten Wohnraum zur Verfügung stellen müssten. Zur Begründung hieß es, Mitarbeiter seien überfordert, agierten gleichgültig oder legten in den Jobcentern die Hartz-IV-Gesetze repressiv aus.

Auch hielten die sogenannten Bemessungsgrenzen der Kosten der Unterkunft mit den steigenden Mieten in der Bundeshauptstadt nicht mehr mit, so dass Betroffene die Differenz entweder aus eigener Tasche zahlen müssen oder dem Vermieter schuldig bleiben. Die Studienautoren sprechen deshalb in ihrem Fazit von einem Scheitern des Hilfesystems in Berlin.

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