„Elser“

Mit dem Bundespräsidenten im Kino

Hunderte Schüler besuchen mit Joachim Gauck den Film „Elser“ im Berliner Zoo Palast. Der Streifen zeichnet das gescheiterte Attentat Georg Elsers auf Hitler von 1939 nach.

Foto: Britta Pedersen / dpa

690 Schüler waren still, als Bundespräsident Joachim Gauck auf einzelne Fragen antwortete. Im großen Saal des Zoo Palastes an der Hardenbergstraße hatten sie bis wenige Minuten zuvor mit ihm und seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt den Film „Elser“ gesehen. Im Anschluss folgte eine Podiumsdiskussion mit Gauck, Regisseur Oliver Hirschbiegel, Hauptdarsteller Christian Friedel, Drehbuchautor Fred Breinersdorfer und dem Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, Johannes Tuchel. Die Schüler stammten von Gymnasien, Gesamt-, Gemeinschafts-, Sekundar- und Berufsschulen aus Berlin und Potsdam, waren aber auch aus Dachau, Münster, Bremen, Neumünster, Marburg und Schwerin angereist. „Elser“ läuft seit 9. April in den Filmtheatern und erhielt den Bayerischen Filmpreis als beste Produktion. Ebenfalls im Kinosaal saßen US-Botschafter John B. Emerson und seine Frau Kimberly, Berlinale-Chef Dieter Kosslick und Kirsten Niehuus, Geschäftsführerin des Medienboard Berlin-Brandenburg.

Erzählt wird die Geschichte des Widerstandskämpfers Georg Elser (Christian Friedel), der es im November 1939 durch einen Anschlag im Münchner Bürgerbräukeller beinahe geschafft hätte, Adolf Hitler zu töten, wenn dieser nicht 13 Minuten zu früh sein Rednerpult verlassen hätte. Elser wird verhaftet und tagelang von Kripo-Mann (Burghart Klaußner) und Gestapo-Chef (Johann von Bülow) verhört und gefoltert – bis er gesteht und erzählt, wie die Nazis sein schwäbisches Heimatdorf vereinnahmten, er mit seiner Freunden darunter litt und schließlich die Bombe baute. Nur wenige Tage vor Kriegsende wird Elser 1945 im Konzentrationslager Dachau auf Hitlers Befehl ermordet.

Die Schüler beschäftigte in der Diskussion unter anderem, ob der Zweite Weltkrieg, hätte Georg Elser Hitler erfolgreich getötet, trotzdem seinen späteren Verlauf genommen hätte. „Der Krieg wäre eventuell fortgesetzt worden“, sagte Johannes Tuchel. „Aber zur Zeit des Attentats im November 1939 hatte der Massenmord an den Juden noch nicht begonnen. Hätte Elser es geschafft, hätte das mit Sicherheit Millionen Menschenleben gerettet.“ Christian Friedel gab zu, Elser nicht gekannt zu haben, bis er eines Tages ein Buch über ihn las. „Es kommt auf den Geschichtslehrer und -unterricht an, ob man damit in Berührung kommt. Es ist gut, dass es Filme wie ‚Elser‘ gibt – über einen Menschen, der aus einem inneren Bedürfnis heraus für die Freiheit einsteht.“

Der Bundespräsident äußerte seinen Respekt vor der Arbeit der Filmemacher. „Es ist ein gelungener Versuch, Georg Elser in Erinnerung zu bringen“, sagte er. Es gebe so etwas wie absichtliches Nichtwissenwollen, auch wenn diejenigen sehr wohl in der Schule von den Naziverbrechen gehört hätten, warnte Gauck. „Macht Euch nicht gemein mit denen, die so tun, als hätten sie keine Wahl.“ Dieser Film sei jedoch keine Werbung für Attentate. Gauck: „Es wäre toll, wenn Ihr alle ein Gespür dafür bekommt, welch großes Glück Ihr habt, dass Ihr in der jetzigen Zeit lebt.“