GDL-Ausstand

Bahnstreik – S-Bahn gibt Notfahrplan für Donnerstag bekannt

| Lesedauer: 5 Minuten

In der Nacht haben die Lokführer ihren Streik im Personenverkehr begonnen - auch in Berlin. Wir informieren über die Situation im S-Bahn-, Regional- und Fernverkehr - in unserem Liveticker.

>> Mobilnutzer gelangen hier zum Liveticker

Die S-Bahn Berlin hat am Mittwochabend ihren Notfahrplan für Donnerstag veröffentlicht. Es gibt einige Änderungen: So fahren die Züge auf dem nördlichen Abschnitt der S1 aus Oranienburg kommend bis nach Wedding statt nur bis Gesundbrunnen. In Wedding können die Fahrgäste in die U6 umsteigen, die direkt in die Innenstadt fährt. Auf den wichtigen Ost-West-Linien S5 und S7 kann bis nach Charlottenburg statt nur bis Alexanderplatz gefahren werden. Auf der S5 muss dafür aber in Friedrichstraße umgestiegen werden. Die S7 ist zudem bis nach Ahrensfelde verlängert, die Züge fahren allerdings nur bis 20.30 Uhr.

Der Lokführerstreik bei den S- und Regionalbahnen in Berlin und Brandenburg hat vor allem den Berufsverkehr erheblich durcheinandergebracht. Wer sich nicht rechtzeitig über Ausfälle informierte, hatte oftmals das Nachsehen und kam zu spät zur Arbeit.

So fuhren am Mittwoch nur gut ein Drittel der Berliner S-Bahnen. Auch bei den Regional- und Fernzügen gibt es ein deutlich geringeres Angebot als üblich. Der Ersatzfahrplan wird laufend aktualisiert. Die Lokführergewerkschaft GDL bestreikt den Personenverkehr noch bis Donnerstagabend um 21 Uhr.

Nach Angaben der Deutschen Bahn fuhren aber seit dem Vormittag mehr Züge als im Ersatzfahrplan vorgesehen – sowohl bei den Regional- als auch bei den S-Bahnen. Grund war nach Angaben eines Bahn-Sprechers, dass in Berlin und Brandenburg mehr Lokführer zur Arbeit erschienen als angenommen. So konnte die S-Bahn zeitweise 35 statt der geplanten 30 Prozent des normalen Zugverkehrs anbieten. Ob das nach einem Schichtwechsel so bleibt, ist nach Bahnangaben aber von der Streikbereitschaft in der nächsten Schicht abhängig.

In Berlin bietet die S-Bahn auf den meisten Linien einen 20-Minuten-Takt. Die Ringbahn wird allerdings gar nicht bedient. Auch auf den Linien S75, S8 und S85 fahren keine Züge. Viele Fahrgäste mussten deshalb auf die U-Bahn ausweichen. Entsprechend voll waren die Gleise und Züge. Wer am Morgen etwa am Alexanderplatz in die U2 steigen wollte, musste meistens erst eine oder zwei überfüllte Bahnen vorbeifahren lassen.

BVG: „Alles, was fahren kann, fährt“

Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) werden nicht bestreikt. Sie bemühten sich, die Folgen des Lokführerstreiks bei der Bahn zu mildern. Das landeseigene Unternehmen lässt zum Teil längere Trams fahren und schickt mehr Busse als sonst auf die Straßen. „Alles, was fahren kann, fährt“, heißt es in der Leitstelle der BVG.

Auch in Brandenburg mussten Zehntausende Pendler und Bahnreisende auf Busse und Privat-Pkw umsteigen und längere Fahrzeiten einkalkulieren. Betroffen waren auf Teilstrecken vor allem die Bahnlinien RE3, RB22 und RB23. Ausfälle und Verspätungen gibt es aber im gesamten Netz. Der RE1 nach Brandenburg an der Havel etwa musste am Morgen besonders lange am Bahnhof Friedrichstraße stehen, um die vielen dort Gestrandeten aufzunehmen, die zum Berliner Hauptbahnhof wollten. Auch auf den Autobahnen und Ausfallstraßen stadtauswärts staute sich der Verkehr.

Bahn-Konkurrenten wie die Ostdeutsche und die Niederbarnimer Eisenbahn werden nicht bestreikt. Bei ihnen sind aber Verspätungen wegen blockierter Strecken möglich.

Bei den Fernbahnen soll die ICE-Linie 28 nicht stündlich, sondern teilweise nur alle zwei Stunden Berlin und Hamburg verbinden. Der ICE 76 von Berlin über Hamburg nach Kopenhagen fährt in Deutschland nicht. Die IC-Linien 95 und 99 nach Warschau bzw. Krakau fallen ebenfalls in Deutschland aus.

Kaum jemand vom Streik überrascht

Am Hauptbahnhof in Berlin gibt es zwei zusätzliche Informationsstände mit je zwei Bahn-Mitarbeitern. Der Andrang hielt sich am Morgen allerdings in Grenzen. Kaum jemand schien vom Streik überrascht worden zu sein. Es waren vor allem ausländische Touristen, die Rat suchten. Die Mitarbeiter erklärten ihnen auf Englisch sowie mit Händen und Füßen, wie sie ans Ziel kommen.

An vielen Bahnhöfen zeigten sich Fahrgäste am Morgen irritiert, dass gestrichene Züge nicht auf den Anzeigetafeln auftauchten – anders als im Internet. An den Infoständen der Bahn bildeten sich vielerorts Schlangen.

GDL-Chef Weselsky weist Schuld von sich

GDL-Chef Weselsky wies der Bahn abermals die Schuld für den Streik zu: „Wir haben durchaus zwischenzeitlich Fortschritte gemacht. Aber das, was der Bahnvorstand am Ende geboten hat, war die blanke Provokation“, sagte er in Fulda. Die Bahn habe eine einseitige Erklärung abgegeben. Es zähle aber nur ein Papier, auf dem Zwischenergebnisse fixiert seien, die beide Seiten tragen. Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber nannte den Streik überflüssig und schädlich. Vorwürfe der Lokführergewerkschaft, das Management der Bahn habe kein Ergebnis erzielen wollen, wies Weber im ARD-„Morgenmagazin“ erneut zurück.

Die GDL hatte die Verhandlungen am Freitag erneut für gescheitert erklärt. Einen für kommenden Montag verabredeten Verhandlungstermin mit der Bahn sagte sie ab. Als entscheidenden Punkt bezeichnete sie die Einstufung der Lokrangierführer im Tarifgefüge die Bahn. Die Bahn versuche, diese Berufsgruppe „als billigen Jakob im Tarifvertrag zu verankern“.

Nach 16 Tarifverhandlungsrunden seit Sommer 2014 fehlten noch immer Ergebnisse in zentralen Fragen. Als Beispiel nannte Weselsky eine Begrenzung der Überstunden. Die GDL verlangt außerdem fünf Prozent mehr Geld und eine Stunde weniger Arbeitszeit pro Woche.

( dpa/bee )