Bahnverkehr

Was Sie zum Lokführerstreik in Berlin wissen müssen

Die Berliner S-Bahn und DB Regio bieten Notfahrpläne an. Die BVG will längere Züge fahren lassen. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Streik der Lokführer in Berlin.

Der Tarifkonflikt bei der Deutschen Bahn ist erneut eskaliert. Die Lokführergewerkschaft GDL hat ihre Mitglieder erneut zum Ausstand aufgerufen, es ist der siebente in der laufenden Tarifauseinandersetzung. Bereits am Dienstag haben streikende Lokführer große Teile des Güterverkehrs zum Erliegen gebracht. Ab 2 Uhr in der Nacht wird auch der Personenverkehr bundesweit bestreikt. Noch bis Donnerstag, 21 Uhr, sollen nach dem Willen der GDL keine Züge mehr fahren. Betroffen davon sind auch der Regional- und der S-Bahn-Verkehr in Berlin und Brandenburg. Die Berliner Morgenpost beantwortet die wichtigsten Fragen zum Bahnstreik.

Fährt gar keine S-Bahn mehr?

Wie schon an zurückliegenden Streiktagen hat die zum Bahnkonzern gehörende S-Bahn Berlin einen Notfahrplan veröffentlicht. Danach sollen zumindest auf wichtigen Zubringerstrecken aus dem Berliner Umland in die Stadt weiter Züge fahren. So ist etwa auf der S1 ein 20-Minuten-Takt zwischen Potsdam und Yorckstraße sowie zwischen Gesundbrunnen und Oranienburg geplant. Auch zwischen Teltow und Yorckstraße (S25), Erkner und Ostkreuz (S3) und Strausberg und Alexanderplatz (S5) soll alle 20 Minuten ein Zug fahren, die S5 allerdings nur bis 20.30 Uhr.

In der Innenstadt werden hingegen zahlreiche Strecken und Bahnhöfe nicht bedient. Besonders schmerzlich dürfte für viele Fahrgäste die komplette Einstellung der Ringbahn-Verkehrs (S41 und S42) sein. Auch auf der Stadtbahn fahren westlich des Bahnhofs Alexanderplatz keine Bahnen mehr. Dort sollen die Fahrgäste möglichst auf die U-Bahnen der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) ausweichen, die vom Streik nicht betroffen sind. So bieten sich auf der Ost-West-Relation die Linien U5 (Hönow–Alexanderplatz) und U12 (Warschauer Straße–Olympia Stadion) als Alternative an.

Wie verlässlich ist der Notfahrplan?

Immer stabiler. Die S-Bahn hat aus den Streiks der Vergangenheit gelernt und bietet inzwischen ein relativ verlässliches Angebot. Im November etwa konnte die Bahntochter rund ein Drittel ihres normalen Fahrplan-Angebots auch tatsächlich fahren. Allerdings gibt es immer noch einige Unwägbarkeiten. So ist bis zuletzt unklar, wie viele Lokführer dem Streikaufruf der GDL folgen. Zudem gibt es die Erfahrung, dass S-Bahner, die nicht Mitglied der GDL sind, sich kurzfristig krank melden, um unter den Kollegen nicht als Streikbrecher zu gelten. Andererseits hatten sich zuletzt auch einige GDL-Mitglieder nicht am Ausstand beteiligt, weil sie die harte Gangweise ihrer Gewerkschaft für falsch halten. Ein aktuelles Problem ist die baubedingte Sperrung des Nord-Süd-Tunnels, die ohnehin für zahlreiche Änderungen im normalen Betriebskonzept der S-Bahn sorgt.

Kann die BVG helfen?

Nur teilweise. Trotz des Lokführerstreiks will die BVG keine zusätzlichen Fahrten anbieten. Das Hauptaugenmerk soll vielmehr darauf liegen, dass Busse und Bahnen zuverlässig nach Fahrplan fahren, heißt es. Auf stark belasteten Linien bei der Straßenbahn, die die östlichen Bezirke mit der Innenstadt verbindet, wollen die Verkehrsbetriebe aber „bei Bedarf“ längere Züge fahren lassen. Im U-Bahn- und Busverkehr will die BVG operativ entscheiden, wo bei Engpässen eine punktuelle Verstärkung notwendig ist. Allerdings: Gerade bei der U-Bahn haben die kommunalen Verkehrsbetriebe kaum noch Reserven. „Wir werden personell und beim Fahrzeugeinsatz alle vorhandenen Kapazitäten ausschöpfen, um die Berlinerinnen und Berliner trotz Streik an ihr Ziel zu bringen“, versprach die BVG-Vorstandsvorsitzende Sigrid Nikutta. Massive Ausfälle bei der S-Bahn könnte die BVG aber nicht eins zu eins ausgleichen, betonte Nikutta. Beim bislang letzten Lokführerstreik im November 2014 hatte die BVG im Berufsverkehr zeitweise bis zu 60 Prozent mehr Fahrgäste.

Wie sieht es im Fern- und Regionalverkehr aus?

Auch dort ist an beiden Streiktagen mit zahlreichen Ausfällen zu rechnen. Die Bahntochter DB Regio bietet einen Notfahrplan mit Zügen und Bussen an. Nicht vom Streik betroffen sind Regionallinien, die von privaten Bahn-Konkurrenten wie der Ostdeutschen Eisenbahn Odeg (RE2, RE4 oder RB33) oder der Niederbarnimer Eisenbahn NEB (zum Beispiel RB25, RB26 und RB27) bedient werden. Wegen indirekter Streikfolgen können sich aber auch dort Fahrten verspäten. Der Fernverkehr ist meist besonders stark vom GDL-Streik betroffen. Die Bahn bietet einen Notfahrplan an, den sie auf ihrer Internetseite ständig aktualisiert. Zusätzlich zur kostenpflichtigen Servicenummer 0180 6 99 66 33 (20 Cent je Anruf aus dem Festnetz, Tarife bei Mobilfunk maximal 60 Cent je Anruf) hat die Bahn eine kostenlose Hotline 08000 99 66 33 eingerichtet.

Was passiert mit dem Tickets?

Fahrgäste, die aufgrund von streikbedingten Zugausfällen oder Verspätungen ihre Reise nicht wie geplant durchführen können, können sich ihre Fahrkarte im DB Reisezentrum oder in DB Agenturen kostenlos erstatten lassen. Alternativ können sie den nächsten – auch höherwertigen – Zug nutzen. In diesem Fall wird bei Angeboten wie dem Sparpreis-Ticket die Zugbindung aufgehoben. Ausgenommen hiervon sind regionale Angebote mit erheblich ermäßigtem Fahrpreis (Schönes Wochenende-, Quer-durchs-Land- oder Länder-Tickets) sowie reservierungspflichtige Züge. Zudem können betroffene Fahrgäste die gesetzlichen Fahrgastrechte in Anspruch nehmen. Für Zeitkarten gelten die tariflichen Umtausch- und Erstattungsbedingungen. Für Verbundfahrkarten kommen die Beförderungsbedingungen der jeweiligen Verkehrsverbünde zur Anwendung.

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