Bahnstreik

Liveticker – S-Bahn veröffentlicht Notfahrplan

Ab Mittwochmorgen will die Lokführergewerkschaft GDL den Personverkehr bestreiken. Betroffen ist auch der Berliner S-Bahn-Verkehr. Alle Entwicklungen in unserem Liveticker.

>> Mobilnutzer finden den Liveticker hier <<

Am Tag vor dem GDL-Streik hat die Berliner S-Bahn ihren Notfahrplan bekanntgegeben. Die Lokführer wollen den Personenverkehr von Mittwoch, 2 Uhr, bis Donnerstag, 21 Uhr lahmlegen. Auch die S-Bahn ist betroffen.

Der Ersatzfahrplan umfasst rund 30 Prozent des regulären Angebots. Dabei habe man besonders Strecken berücksichtigt, auf denen es keine alternativen Fahrtmöglichkeiten mit alternativen öffentlichen Verkehrsmitteln gebe.

Einer Mitteilung der S-Bahn zufolge fahren die Linien während des Streiks folgendermaßen:

S1: Potsdam Hbf <> Wannsee <> Yorckstraße alle 20 Minuten

S1: Gesundbrunnen <> Oranienburg alle 20 Minuten

S2: Blankenfelde <>Yorckstraße alle 20 Minuten

S25: Teltow Stadt <> Yorckstraße alle 20 Minuten (ab 22 Uhr nur 60-Minuten-Takt)

S3: Erkner <> Ostkreuz alle 20 Minuten

S41, S42: Ringbahn fährt nicht

S45: fährt nicht (Busersatzverkehr: Blankenburg <> Schönfließ, Dorf <> Hohen Neuendorf)

S46: Königs Wusterhausen <> Schöneberg alle 20 Minuten

S47: fährt nicht

S5: Strausberg Nord/Strausberg <> Alexanderplatz alle 20 Minuten (Busersatzverkehr: Strausberg <> Am Annatal <> Strausberg Nord)

S7: Marzahn <> Alexanderplatz alle 20 Minuten (fährt nur bis ca. 20.30 Uhr, vereinzelt im 40-Minuten-Takt)

S75: fährt nicht

S8: fährt nicht (Busersatzverkehr: Tegel <> U-Bhf. Alt-Tegel (U6) <> Hennigsdorf)

S85: fährt nicht

S9: Flughafen Schönefeld <> Bernau alle 20 Minuten

Der Busersatzverkehr für die baubedingte Sperrung des Nord-Süd-Tunnels verkehrt: Yorckstraße <> Friedrichstraße (alle 5 Min.)
Friedrichstraße <> Gesundbrunnen <> Humboldthain (alle 10 Min.)

Die S-Bahn kann auch auf den befahrenen Strecken nicht ausschließen, dass einzelne Fahrten streikbedingt ausfallen. Das aktuelle Angebot findet sich unter http://www.s-bahn-berlin.de

Ausfälle im Regional- und Fernverkehr

Über Ausfälle im Regional- und Fernverkehr informiert die Deutsche Bahn auf ihrer Website. Der Ersatzfahrplan zeigt, dass viele Strecken im sogenannten Kernnetz nur eingeschränkt verfügbar sind.

So verkehrt der ICE zwischen Berlin und Hamburg laut bisherigem Plan nur ein- bis zweistündlich. Der ICE 3 von Frankfurt nach Berlin fällt demnach aus, genau wie der ICE 11 von München/Stuttgart nach Berlin. Durch den Streik fallen außerdem diverse IC-Linien ab und nach Berlin aus.

>> Der komplette Fernverkehr-Ersatzplan der Deutschen Bahn - hier

Reisende der Deutschen Bahn können sich über die kostenlose Servicenummer unter 08000 99 66 33 über streikbedingte Ausfälle und Veränderungen informieren.

BVG will Angebot nicht aufstocken

Trotz des angekündigten Lokführerstreiks am Mittwoch und Donnerstag bei der Deutschen Bahn wollen die Berliner Verkehrsbetriebe keine zusätzlichen Fahrten anbieten. Das Hauptaugenmerk soll vielmehr darauf liegen, dass Busse und Bahnen nach Fahrplan fahren.

Auf stark belasteten Linien speziell bei der Straßenbahn wollen die Verkehrsbetriebe aber „bei Bedarf“ längere Züge fahren lassen. Im U-Bahn- und Busverkehr will die BVG operativ entscheiden, wo bei Engpässen eine punktuelle Verstärkung notwendig ist.

„Wir werden personell und beim Fahrzeugeinsatz alle vorhandenen Kapazitäten ausschöpfen, um die Berlinerinnen und Berliner trotz Streik an ihr Ziel zu bringen“, sagte die BVG-Vorstandsvorsitzende Sigrid Nikutta.

Massive Ausfälle bei der Berliner S-Bahn könne das kommunale Verkehrsunternehmen, das nicht vom Arbeitskampf betroffen ist, aber nicht eins zu eins ausgleichen, betonte Nikutta. Beim bislang letzten Lokführerstreik im November 2014 hatte die BVG im Berufsverkehr zeitweise bis zu 60 Prozent mehr Fahrgäste.

Fernbus-Unternehmen sehen sich gerüstet

Den Fernbussen beschert der neue Streik dagegen einen Boom. Anbieter wie MeinFernbus FlixBus berichten von aktuell 70 Prozent mehr Buchungen gegenüber einem normalen Dienstag. Die Zahl der Zugriffe auf die Buchungsseiten habe sich sogar verdoppelt, so ein Unternehmenssprecher.

„Wir sind auf den Streik bestens vorbereitet und freuen uns auf jeden Umsteiger, der sich in den nächsten Tagen für den Fernbus entscheidet und dann hoffentlich immer wieder kommt“, sagte André Schwämmlein, Geschäftsführer von MeinFernbus FlixBus.

Um den Ansturm zu bewältigen, will das in Berlin und München ansässige Unternehmen zusätzliches Personal und mehr Busse einsetzen. Besonders stark in Berlin sei die Nachfrage nach Tickets für Fahrten nach Bremen, Frankfurt am Main, München sowie Leipzig, Dresden, Halle (Saale) und Rostock. Insgesamt fahren derzeit 600 Busse für MeinFernbus FlixBus.

Durch die steigende Nachfrage dürften laut Johannes Thunert von fahrtenfuchs.de auch die Ticketpreise steigen. Die Buchungssysteme der Fernbusanbieter erhöhten die Ticketpreise automatisch, wenn die Nachfrage steige. Laut Thunert kommt es auch immer wieder vor, dass die Internetseiten der Fernbusunternehmen aufgrund der extrem hohen Nachfrage zeitweise nicht erreichbar sind.

Erste Auswirkungen im Fernverkehr schon am Dienstag spürbar

Bahnreisende könnten bereits am Dienstag erste Auswirkungen des angekündigten Lokführerstreiks zu spüren bekommen. Bei den Vorbereitungen auf den Ausstand würden einzelne Züge aus dem laufenden Fahrplan genommen und auf Startpositionen gestellt, um sie am Mittwoch als Ersatzzüge einsetzen zu können, teilte ein Bahnsprecher in Düsseldorf mit. Dadurch könnten im Laufe des Tages einzelne Züge im Fernverkehr ausfallen.

Die Mitglieder der Lokführergewerkschaft GDL wollen in den kommenden Tagen erneut bundesweit ihre Arbeit niederlegen. Um 15 Uhr beginnt der Streik zunächst im Güterverkehr und endet am Freitagmorgen um 9 Uhr. Der Personenverkehr soll von Mittwochfrüh um 2 Uhr bis Donnerstag um 21 Uhr bestreikt werden. Zuletzt waren die Lokführer Anfang November in den Ausstand getreten.

Industrie befürchtet Millionenschaden

Die deutsche Industrie hat die angekündigte Arbeitsniederlegung der GDL scharf kritisiert und warnt vor Schäden in Millionenhöhe. „Bei durchgängigen Streiks sind in der Industrie empfindliche Produktionsausfälle zu erwarten“, sagte Dieter Schweer, Mitglied der Hauptgeschäftsführung im Industrieverband BDI, am Dienstag. „Streikbedingte Schäden können von einstelligen Millionenbeträgen schnell auf bis zu 100 Millionen Euro Schaden pro Tag wachsen.“

Besonders hart betroffen seien Branchen, die mit ihrer Logistik weitgehend auf die Bahn angewiesen seien und ihre Transporte nicht auf andere Verkehrsträger verlagern könnten. „Dazu gehören beispielsweise neben Chemie-Gefahrgut-Transporten auch die Rohstoffanlieferung in der Stahlindustrie oder die Transporte der Automobilwirtschaft in die Exporthäfen.“ Die GDL treffe nicht nur die Industrie und ihre Unternehmen, „sondern nimmt das ganze Land in Beschlag“, fügte Schweer hinzu. Die Gewerkschaft handele verantwortungslos und habe „jedes Augenmaß verloren“.