Energiewendegesetz

Opposition fordert mehr Trams und will weniger Elektrobusse

Nach dem Willen des Berliner Senats darf die BVG ab 2020 nur noch Busse kaufen, die keine Abgase mehr in die Luft blasen. Doch ausgerechnet die Berliner Grünen kritisieren das Vorhaben.

Foto: Bombardier Transportation

Das vom Senat auf den Weg gebrachte Energiewendegesetz sorgt in Berlin weiter für Kontroversen. Vor allem der Beschluss, die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) ab 2020 zu verpflichten, nur noch abgasfreie Busse kaufen, ist umstritten. Während Vertreter der Regierungskoalition den Beschluss begrüßen, stößt der Vorstoß ausgerechnet bei den Grünen und den Umweltverbänden auf Kritik.

„Das sieht für mich sehr nach Schaufenster-Politik aus“, sagte der verkehrspolitische Sprecher der Grünen, Stefan Gelbhaar. Wenn der Senat wirklich etwas für die Energiewende tun wolle, sollte er von BVG und S-Bahn fordern, ihren Strom nur noch aus erneuerbaren Quellen zu beziehen. „Das kann er sofort und nicht erst in fünf Jahren tun – Hamburg macht es uns vor“, so Gelbhaar. Statt dessen sehe die aktuelle S-Bahn-Ausschreibung lediglich vor, dass ab 2017 die Hälfte des Fahrstroms der Bahnen umweltfreundlich produziert werden muss.

Straßenbahntrasse von Mitte bis Steglitz

„Um den öffentlichen Nahverkehr in Berlin tatsächlich umweltfreundlicher zu gestalten, müsste das Augenmerk viel stärker auf den Ausbau der Straßenbahn gelegt werden“, forderte Martin Schlegel vom BUND-Landesverband. Vor allem auf stark belasteten Hauptverkehrsstraßen sei es sinnvoller, Gleise zu bauen, auf denen Bahnen am Stau vorbeifahren können, statt weiter Busse fahren zu lassen.

Ziel müsste sein, mehr Menschen zum Umsteigen auf öffentliche Verkehrsmittel zu bewegen. Dies könnte nur mit leistungsfähigen Alternativen zum Privat-Pkw erreicht werden. Der BUND-Experte erneuerte den Vorschlag, über die Leipziger und Potsdamer Straße hinweg eine Straßenbahntrasse zu bauen, die bis nach Steglitz führt. „Gerade auf dieser Strecke werden die Grenzwerte für Stickoxide immer wieder deutlich überschritten“, sagte Schlegel.

Linke wollen O-Bus

Skepsis auch bei der Linken. „Eine Ausweitung der Elektromobilität in Berlin ist sicher sinnvoll: Aber von der BVG zu fordern, ab 2020 nur noch Elektrobusse zu kaufen, da gibt es wirtschaftlich und auch umweltpolitisch noch viele Fragezeichen“, sagte deren verkehrspolitische Sprecher Harald Wolf. Sein Vorschlag: In einem abgegrenzten Stadtgebiet wie etwa Spandau den Oberleitungsbus aufleben zu lassen. „Anders als bei der Induktionstechnik ist deren Technologie ausgereift“, so Wolf. Unterstützt wird der Senatsbeschluss von der Regierungskoalition. „Wir müssen die Stickoxide in der Stadt reduzieren. Emissionsfreie Busse, das ist der richtige Ansatz“, sagte der SPD-Abgeordnete Ole Kreins. Erforderlich dafür sei auch der Ausbau des Straßenbahnnetzes. Der CDU-Verkehrsexperte Oliver Friederici begrüßte den Senatsbeschluss ausdrücklich: „Die Technik bedarf sicher noch der Verbesserung durch die Industrie.“ Ein Problem sei vor allem die noch geringe Reichweite der Elektrobusse.

Wie berichtet, will die BVG ab Sommer auf der Linie 204 (Zoo-Südkreuz) neuartige Elektrobusse testen. Da sie über leistungsstarke Batterien verfügen, benötigen sie anders als der Obus zur Stromversorgung keine Oberleitungen. Die Busse sind indes mehr als doppelt so teuer wie ein herkömmlicher dieselgetriebener Bus, zudem müssen teure Ladestationen aufgebaut werden. fü

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