Vorhersagen

Berliner Polizei prüft weiter Einsatz von Prognose-Software

Soll die Berliner Polizei Analyse-Software einsetzen, die vorhersagen kann, wann und wo Einbrecher wieder zuschlagen? Im Innenausschuss spricht Senator Henkel von einer „gewissen Treffergenauigkeit“.

Die Berliner Polizei prüft noch, ob sie künftig eine Analyse-Software zur Kriminalitätsvorhersage nutzen wird – zum Bekämpfen von Einbruchsserien. Es gebe eine „gewisse Treffergenauigkeit“, sagte Innensenator Frank Henkel (CDU) am Montag im Innenausschuss.

Zur Zeit erkunde die Polizei noch den Markt und werte die Erfahrungen anderer Bundesländer aus. Es sei bisher weder eine Entscheidung gefallen, noch gebe es konkrete Planungen.

Programme wie die Software „Precobs“ (Pre Crime Observation System) einer Firma aus NRW werten zum Beispiel alle Einbrüche in einer Stadt aus und sollen anhand dieser Daten vorhersagen, wann und an welchen Stellen Einbrecher wieder zuschlagen.

Henkel sagte, Mitte Mai bis Anfang Juni solle eine Evaluation der bayerischen Polizei zum Einsatz eines solchen Computerprogramms vorliegen. Die Berliner Polizei werde sich über die Ergebnisse informieren. Es gebe zudem Kontakte zu anderen Firmen wie Microsoft und IBM, die ähnliche Programme entwickelt hätten.

Polizeipräsident Kandt: „Das kann schon etwas bringen“

Polizeipräsident Klaus Kandt sprach von einer Kosten-Nutzen-Abwägung. Die Programme seien relativ teuer. Er betonte, der Fokus liege bei Serien von Eigentumsdelikten. „Das kann schon etwas bringen.“ Die Programme seien aber eben nicht für alle Formen der Kriminalität geeignet.

Kriminaldirektor Oliver Knecht vom Landeskriminalamt (LKA) sagte, die Wirksamkeit der Programme sei noch nicht erwiesen. Eigentlich gehe es um ein Hilfsmittel, mit dem die Experten der Polizei ihre eigenen Einschätzungen vertiefen könnten.

Viele Bereiche von Kriminalität wie Jugendgruppengewalt und gewalttätige Ehemänner gehörten aber in den Bereich des sozialen Verhaltens. „Und soziales Verhalten lässt sich nicht vorhersagen.“

Gewerkschaft der Polizei: Kann keine erfahrene Polizisten ersetzen

Christopher Lauer von der Piratenfraktion kritisierte, dass es nicht klar sei, ob die anonymen Daten, mit denen das Programm arbeite, auch wirklich anonym bleiben würden. Eine Anonymisierung lasse sich oft leicht rückgängig machen.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) wies darauf hin, dass externe Informationsquellen wie Twitter und Facebook dürften nicht herangezogen werden dürften. Zudem könnten solche Programme keine erfahrenen Polizisten ersetzen.