Bahnhof Zoo

Diese Fotoausstellung macht „unsichtbare“ Obdachlose sichtbar

Zum Tag der Bahnhofsmissionen kehrt die Fotoausstellung der Berliner Morgenpost an den Bahnhof Zoo zurück. Die Schicksale, die dort erzählt werden, berühren.

Foto: (2) / Reto Klar

Nein, sie waren eindeutig nicht unsichtbar, die vier Menschen, um die sich am Sonnabend am Bahnhof Zoo letztlich alles drehte. Kati, Klaus, Brigitte und Dieter gehörten zu den 50 Menschen, die die Berliner Morgenpost vor einem Jahr für das Fotoprojekt „Unsichtbar“ porträtierte. Die Idee war, den Blick auf das Thema Obdachlosigkeit zu lenken, ohne den Betroffenen ihre Würde zu nehmen.

Jetzt kehren die Bilder an den Ort zurück, wo sie entstanden – an den Bahnhof Zoo. Und zur feierlichen Eröffnung der Ausstellung in der Bahnhofshalle kamen eben nicht nur Prominente wie Christina Rau, Schirmherrin der Deutsche Bahn Stiftung, Bahn-Finanzvorstand Richard Lutz oder der Bürgermeister von Charlottenburg-Wilmersdorf Reinhard Naumann. Unter den rund 100 Gästen standen auch die vier Porträtierten, denen alle Anwesenden großen Respekt zollten. Weil sie es gewagt hatten, für das Projekt ihr Gesicht zu zeigen.

Menschen helfen, die sich selbst aufgegeben haben

Fotografiert hat sie Morgenpost-Cheffotograf Reto Klar in der Bahnhofsmission an der Jebensstraße am Bahnhof Zoo. Täglich bekommen dort bis zu 600 Menschen Spenden und Lebenshilfe. Anlass der Ausstellungseröffnung war der bundesweite Tag der Bahnhofsmissionen am Sonnabend, an dem rund 100 Einrichtungen sich und ihre Arbeit vorstellten.

Wie lenkt man die Aufmerksamkeit auf ein gesellschaftliches Problem, das alle, auch wir selbst, viel zu oft einfach „übersehen“? Wie kann man Menschen helfen, die sich selbst aufgegeben haben? Richard Lutz, oberster „Zahlenmensch“ (so nennt er sich selbst) der Deutschen Bahn, räumte ein, auch er habe bis vor drei Jahren nicht geahnt, welche Schicksale die Gäste der Bahnhofsmission oft mit sich herumtragen.

In Kontakt kam er mit der Einrichtung eher per Zufall. Alle Führungskräfte der Bahn absolvieren regelmäßig „Servicetage“ in Zügen und an Bahnhöfen. Richard Lutz stellte sich hinter den Ausgabetresen der Bahnhofsmission. „Die Begegnungen dort berührten mich sehr.“ Seitdem unterstützt die Deutsche Bahn die Mission, seit 2013 auch über die damals gegründete Stiftung Deutsche Bahn. Am Zoo wurden unter anderem Räume ausgebaut. Und es gibt nun Sozialarbeiter, die sich als Einzelfallhelfer ausführlich um einzelne Menschen kümmern, bei denen oft sämtliche andere Hilfsangebote versagt haben – und für die Bahnhofsmissionen laut ihrem eigentlichen Auftrag gar nicht eingerichtet sind.

Demente Menschen, die sich aus Mülltonnen ernähren

Einzelfallhelferin Claudia Haubrich berichtete von dementen, alten Menschen, die sich im Tiergarten aus Mülltonnen ernähren. Von psychisch Kranken, die nirgendwo geeignete Aufnahme finden. Von Müttern, die oft selbst fast noch Kinder sind. Oft dauere es Monate, um Betroffene zu überzeugen, sich überhaupt helfen zu lassen. Nicht bei allen gelingt es. Aber auch jene, die auf der Straße bleiben, sind in der Mission weiter willkommen. Nicht als anonyme Bittsteller, sondern als Gäste mit Namen, die nicht vergessen werden. Auch nicht im Tod. Der Gedenkbaum vor der Einrichtung erinnert auch an zwei „Unsichtbare“, die im vergangenen Jahr starben.

Christina Rau, Witwe des verstorbenen Bundespräsidenten Johannes Rau und Schirmherrin der Stiftung, zeigte sich von der Arbeit der Mission und auch den Fotografien beeindruckt. „Sie können uns helfen zu verstehen und vielleicht Ansätze zu finden, zu unterstützen.“

„Unsichtbar – vom Leben auf der Straße“, Bahnhof Zoo, bis 2. Mai. Der Bildband dazu (Reto Klar, Uta Keseling) kostet 19,80 Euro. Der Reinerlös kommt der Arbeit der Bahnhofsmissionen zugute. Bestellung und weitere Info im Internet: unsichtbar.morgenpost.de