Prozess in Moabit

54-jährige Berlinerin steht wegen schweren Raubes vor Gericht

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Foto: Peter Steffen / dpa

Zwischen Mai und Juli 2009 hat Ilse Sch. drei Supermärkte und einen Juwelier überfallen. Vor dem Moabiter Kriminalgericht berichtete die 54-Jährige unter Tränen, warum sie ein jüngerer Mann dazu brachte.

Frauen sind als Angeklagte im Moabiter Kriminalgericht eher selten anzutreffen. Erst recht wegen des Vorwurfes, sich an Raubzügen beteiligt zu haben. Bei der 54-jährigen Ilse Sch. waren es drei Überfälle auf Supermärkte und ein schwerer Raub in einem Juweliergeschäft. Geschehen zwischen Mai und Juli 2009.

Ilse Sch. gibt das auch alles unumwunden zu. Sie war Ende 40, als sie sich an den Raubzügen beteiligte. „Ich war damals mit einen sehr jungen Mann zusammen“, erzählt sie weinend vor einer Moabiter Strafkammer. Als er eine Ausbildung zum Verkäufer begann, habe er sich von ihr zunehmend entfernt. „Ich habe gespürt, dass er eine andere hat und habe versucht, ihn zu halten“, sagt sie. Aber alles vergebens. Auch finanziell konnte sie dem jungen Mann nichts bieten. Sie war arbeitslos, hatte vorher als ungelernte Altenpflegerin gearbeitet. Die Hoffnung, den jungen Mann mit Geschenken zum Bleiben zu bewegen, war wohl auch der Grund, bei den Raubzügen mitzumachen.

Ilse Sch. saß einige Jahre in Brasilien im Gefängnis

Ilse Sch. wurde als Fahrerin für das Fluchtauto eingesetzt, war an den gewalttätigen Aktionen also nicht direkt beteiligt. Dennoch gilt sie als Mitglied der Bande. Zur Verantwortung gezogen werden konnte sie erst so spät, weil sie einige Jahre in Brasilien in Haft verbrachte. Sie war dort im August 2009 mit dreieinhalb Kilogramm Kokain im Gepäck festgenommen worden. Das Rauschgift sollte sie per Flugzeug in die Schweiz transportieren.

Am 11. Januar dieses Jahres kam sie zurück nach Berlin. Freiwillig, wie sie betont. Trotz Haftbefehls. Hier wurde ihr vom Gericht maximal sechs Jahre Haft angekündigt, falls ein Geständnis ablegt – und das hat sie ja getan.

( mim )