Verkehr

Carsharing – Senat lässt parkende Autos in Friedenau filmen

Carsharing ist ein Hype, über den die Meinungen auseinander gehen. Der Senat untersucht jetzt, welche Auswirkungen die Gemeinschaftsautos auf die Parkplatzsituation haben.

Foto: Rolf Vennenbernd / dpa

DriveNow, Car2Go, Flinkster: Die Autos der Carsharing-Anbieter mit ihren bunten Logos haben sich im Berliner Stadtbild längst eingenistet. Welche Auswirkungen der anhaltende Verkehrstrend hat, prüft der Senat derzeit mit Hilfe mehrerer Untersuchungen. Von Donnerstag bis Sonnabend werden in Friedenau alle parkenden Autos per Videoaufnahme erfasst.

Gefilmt wird in einem abgegrenzten Gebiet zwischen den U-Bahnhöfen Walther-Schreiber-Platz und Friedrich-Wilhelm-Platz, rund 4600 Menschen leben dort. „Arbeiten, Wohnen und Freizeit treffen hier aufeinander. Es gibt viele Nutzungskonflikte“, sagt Hermann Blümel von der Senatsverkehrsverwaltung. Die Aufnahmen dienen laut Senat rein wissenschaftlichen Zwecken, sie werden nach der Auswertung vernichtet.

Es geht um eine Analyse der Parkplatzsituation und die Auswirkungen der Gemeinschaftsautos auf selbige: Wie lange stehen welche Autos, wo und zu welcher Tageszeit? Gibt es durch Carsharing mehr Parkraum oder weniger? „Eine Untersuchung dieser Tiefe und Breite ist in Europa noch nicht durchgeführt worden“, sagt Blümel.

Auch Bewohner werden zu Carsharing befragt

Im September 2013 wurde bereits ein gutes Fünftel der Bewohner im Friedenauer Untersuchungsgebiet zu seinen Nutzungsgewohnheiten befragt. Ergebnis: Ob sich die Parksituation durch das Carsharing verbessert oder verschlechtert hat, ist unklar. Eine weitere Befragung, die im März durchgeführt wurde, sowie die Videoaufnahmen sollen mehr Gewissheit bringen. Die Ergebnisse gibt es im Oktober.

In Berlin kommen auf 1000 Einwohner 0,82 Carsharing-Autos, damit belegt die Hauptstadt bundesweit Rang sechs. Laut einer Studie der Anbieter DriveNow und Car2Go sinkt die Gesamtzahl der Fahrzeuge in Deutschland durch Carsharing. Die Fahrzeuge würden zudem nur 19 bis 21 Stunden am Tag parken, deutlicher weniger als private Autos.

Dem gegenüber stehen Studien, die die Standzeit auf 23 Stunden beziffern und die weiter steigende Zahl neu angemeldeter Pkw in Berlin anführen – trotz Carsharing. „Das Thema ist sehr komplex“, sagt Blümel, „deswegen müssen wir es genauer analysieren.“