Flugverkehr

Müller kämpft gegen Codesharing-Verbot für Air Berlin

Berlins Regierungschef Michael Müller (SPD) fordert den Bund auf, gemeinsame Flüge von Air Berlin und Etihad zu genehmigen. Das liege auch im Interesse des Standorts - und der Fluggäste.

Foto: Gregor Fischer / dpa

Im Streit um die Zusammenarbeit mit der arabischen Airline Etihad kann die Berliner Fluggesellschaft Air Berlin auf Rückendeckung von Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller (SPD) zählen. Nach Berichten, dass das Bundesverkehrsministerium gemeinsame Flüge von Air Berlin und seinem Finanzier Etihad ab Winter dieses Jahres verbieten will, appellierte Müller am Sonnabend an das Bundesverkehrsministerium, die sogenannten Codeshare-Flüge wie bisher zuzulassen.

Er reagierte damit auf Pläne, diese Gemeinschaftsflüge nur noch jene Strecken zu genehmigen, die in einem Abkommen zwischen Deutschland und dem Emirat Abu Dhabi von 1994 geregelt sind. Dies soll nicht für drei Dutzend weitere Codeshare-Flüge etwa von Stuttgart und Berlin gelten, die davon nicht gedeckt seien. Das Magazin „Der Spiegel“ hatte darüber berichtet. „Die Codeshares von Air Berlin und Etihad erst zu genehmigen und sich dann nach mehreren Jahren auf bestehende Richtlinien neu zu berufen, ist ein Vorgang, mit dem kein Unternehmen seriös planen und wirtschaftlich arbeiten kann“, sagte Müller. Die Kehrtwende sei nicht nachzuvollziehen und müsse „zwingend überdacht werden“.

Der „Spiegel“ hatte zuvor berichtet, dass das von dem CSU-Politiker Alexander Dobrindt geführte Verkehrsministerium einen Teil der Flüge, die von Air Berlin und Etihad gemeinsam durchgeführt, aber mit unterschiedlichen Flugnummern getrennt voneinander vermarktet werden, untersagen will. Ein entsprechendes Schreiben habe Dobrindts Staatssekretär Michael Odenwald an einen Regierungsvertreter von Abu Dhabi, dem Heimatemirat von Etihad, geschickt.

Fluggesellschaft braucht Geld

Das Verkehrsministerium beruft sich den Angaben zufolge dabei auf ein Abkommen aus dem Jahr 1994. Ein Sprecher des Ministeriums bestätigte die Existenz des Schreibens. Es werde aber noch Beratungen geben: „Da gibt es noch keine Termine und auch noch keine Reaktion auf dieses Schreiben.“ Ein Air-Berlin-Sprecher sagte dazu: „Wir gehen nach wie vor davon aus, dass ein langfristiges Ergebnis in den Regierungskonsultationen zwischen der Bundesregierung und den Vereinigten Arabischen Emiraten gefunden werden soll.“

Für den Winter und den Sommer dieses Jahres hatte das Ministerium die Codeshare-Verbindungen der Airlines genehmigt. Senatschef Müller sagte nun, die weitere Zusammenarbeit liege nicht nur im Interesse von Air Berlin und Etihad, sondern vor allem in dem der Fluggäste. „Ich appelliere an den Bund, im Interesse des Standorts Deutschland, die Codeshare-Flüge gerade vom Drehkreuz Berlin zu genehmigen.“

Unterdessen versucht die Fluggesellschaft Air Berlin offenbar, sich nach dem größten Verlustjahr ihrer Geschichte frisches Geld zu beschaffen. „Unsere Leute sind derzeit am Finanzmarkt unterwegs“, sagte ein Sprecher des kriselnden Lufthansa-Konkurrenten jetzt. Es gehe um routinemäßige Neufinanzierungen. Es sei nicht geplant, dass Großaktionär Etihad wie vor einem Jahr eine Millionensumme über eine Wandelanleihe zuschieße, betonte der Sprecher. Deutschlands zweitgrößte Airline steckt seit Jahren in der Krise. Air Berlin hatte die Vorlage des Jahresabschlusses für 2014 wie schon ein Jahr zuvor im letzten Moment von März auf Ende April verschoben. Der Nettoverlust soll zwischen 362 Millionen und 387 Millionen Euro betragen. Im Vorjahr hatte die Gesellschaft 316 Millionen Euro Minus geschrieben.

Das Eigenkapital sackte in den Keller

Etihad zeichnete daraufhin 2014 eine unbefristete, nachrangige Wandelanleihe über 300 Millionen Euro, die sich Air Berlin als Eigenkapital zurechnen kann. Insgesamt sackte das Eigenkapital nach internationalen Bilanzierungsregeln Ende 2014 nach jüngsten Angaben dennoch auf minus 400 bis 450 Millionen Euro in den Keller. Die Araber dürften die von ihnen gezeichnete Wandelanleihe faktisch nicht in neue Aktien eintauschen, weil ihr Anteil an Air Berlin von zuletzt 29,21 Prozent sonst auf mehr als 30 Prozent steigen würde. Dann müssten sie ein Übernahmeangebot für die komplette Gesellschaft abgeben. Kämen mehr als 50 Prozent von Air Berlin in ausländische Hand würde die Gesellschaft nicht mehr als deutsche Fluglinie gelten und viele Verkehrsrechte verlieren. Diese waren jedoch für die Araber der Hauptgrund, bei Air Berlin einzusteigen.