Berliner Wappentier

„Wie schlecht es Schnute geht, ist für jeden ersichtlich“

Seit eineinhalb Jahren lebt Stadtbärin Schnute allein in ihrem Gehege im Köllnischen Park. Angesichts ihres Zustands wird die Einschläferung gefordert. Für einen Umzug ist es wohl zu spät.

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Auf ihre alten Tage führt Stadtbärin Schnute in ihrem Gehege im Köllnischen Park ein einsames Dasein und hat offenbar auch immer größere gesundheitliche Probleme. Im August 2013 ist ihre Tochter Maxi mit 27 Jahren an Organversagen gestorben. Seitdem lebt die inzwischen 35-jährige Mutter allein im Zwinger. Vor zwei Wochen war Tierschützer Stefan Klippstein vor Ort und war entsetzt über das, was er sah: „Das war ein Bild des Jammers“, sagte er am Ostermontag der Berliner Morgenpost, „Schnute ist abgemagert und apathisch, sie hat offene Wunden am Hinterteil und große Probleme beim Laufen. Bei jeder Bewegung stöhnt sie und verzieht das Gesicht.“ Auch die Besucher vor dem Gehege seien offenbar erschüttert gewesen. „Wie schlecht es Schnute geht, ist für jeden Laien ersichtlich“, sagt Klippstein.

Der Tierfreund, der sich seit Jahren für eine Übersiedlung der Tiere in einen Bärenpark stark gemacht hat, schrieb daraufhin einen Brief an das Veterinäramt in Mitte mit der Forderung zu prüfen, ob es nicht im Interesse des Tieres sei, es von seinen Leiden zu erlösen und einschläfern zu lassen. Eine Stellungnahme sei allerdings nicht erfolgt und passiert sei ansonsten offensichtlich auch nichts. Am Dienstag vor Ostern war Klippstein noch einmal am Zwinger und hat keine medizinische Behandlung von Schnute ausmachen können.

Berliner Bärenbündnis vorerst gegen Einschläferung

Unterdessen hat sich das Berliner Bärenbündnis von der Forderung distanziert, die letzte verbliebende Stadtbärin einschläfern zu lassen. Auf der Homepage des Bündnisses, das 2012 als Zusammenschluss verschiedener Tierschutzorganisationen gegründet wurde, heißt es: „Wir sind der Meinung, dass die Einschläferung eines Tieres dann sinnvoll ist, wenn es leidet und eine Behandlung des Leidens nicht möglich ist. Dazu braucht es einen spezialisierten Tierarzt, der sich das Tier vor Ort ansieht.“ Doch auch dazu gab es bislang wohl noch keine Reaktion aus dem Bezirksamt Mitte.

„Die die schlechteste Bärenhaltung in Deutschland“

Immer wieder wurde in den vergangenen Jahren die Schließung des Bärenzwingers in Mitte gefordert und die Umsiedlung der letzten Tiere in einen Bärenpark gefordert. Tierschützer demonstrierten vor dem Rathaus, besetzten sogar den Zwinger und sammelten 23.000 Unterschriften für die Umsiedlung von Berlins Wappentieren. Noch während der Kampagne starb dann überraschend Maxi im August 2013.

Verschiedene Auffangstationen boten damals an, die letzte Bärin zu übernehmen. Doch die Bezirksverordneten-Versammlung entschied am 20. Februar 2014, dass Schnute bis zu ihrem Tod im Berliner Bärenzwinger bleiben soll. Und jetzt sei es zu spät und die Braunbärin gar nicht mehr in der Lage umzuziehen, sagt Klippstein: „Das Tier ist gesundheitlich völlig am Ende. Es ist absehbar, dass es in den kommenden Wochen ohnehin sterben wird.“ Überhaupt sei es ein Wunder, dass Schnute so alt geworden sei, „schließlich ist das hier die schlechteste Bärenhaltung in Deutschland. 35 Jahre hat Schnute auf Beton leben müssen, das ist Gift für ein Tier.“

Zwinger für 21.000 Euro umgestaltet

Auch von dem Umbau des Geheges, der im vergangenen Jahr erfolgt ist, habe Schnute nicht mehr profitieren können. 2014 wurde der Zwinger für 21.000 Euro umgestaltet. Einige Findlinge wurden dabei entfernt und durch kleine Holzelemente ersetzt, mit denen sich die Bärin beschäftigen sollte. Außerdem wurde der Badeteich vergrößert und ein Elektrozaun um das Areal gezogen. Doch Schnute sei heute nicht mehr in der Lage zu baden. „Wenn sie in den Pool fallen würde, käme sie allein gar nicht wieder heraus“, glaubt Klippstein. Davon abgesehen sei kein Wasser im Pool und das Gehege ohnehin runtergekommen.