Zoo- und Tierpark-Chef

Andreas Knieriem ist auf dem richtigen Weg

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Gilbert Schomaker

Foto: Andreas Gebert / dpa

Der neue Chef von Zoo und Tierpark will die Einrichtungen nicht nur verwalten, sondern ins 21. Jahrhundert führen. In vielen Punkten ist er auf dem richtigen Weg, kommentiert Gilbert Schomaker.

Andreas Knieriem will mit Siebenmeilenstiefeln vorangehen. Der neue Chef von Zoo und Tierpark will die Einrichtungen nicht nur verwalten, sondern ins 21. Jahrhundert führen. In vielen Punkten ist er auf dem richtigen Weg. Da soll es eine Elektrobahn geben, die die Besucher des weitläufigen Tierparks bequem über das Areal bringt. Da soll die Raumluft im Aquarium verbessert werden. Und mit einer Verdoppelung der Kassen am Zoo soll das Dauerproblem Anstehen angegangen werden. Wer an einem schönen Sonntag im Mai mit seinen Kindern zum Zoo wollte, weiß, wie nervig die langen Schlangen sein können.

Das alles ist im Sinne der Freunde von Zoo und Tierpark. Doch selbst wenn der Zoodirektor am Mittwoch stolze 4,4 Millionen Besucher vermelden konnte, fehlt immer noch ein schlüssiges, finanzierbares Konzept für den Tierpark, der einfach mehr Besucher braucht. Hier ist Knieriem auf die Hilfe der Politik angewiesen. Denn er kann Pläne entwickeln, bezahlen kann er es mit dem Etat von Zoo und Tierpark aber nur zu einem geringen Teil.

Insofern ist der Zoochef auch auf dem richtigen Weg, wenn er beim Publikumsmagneten Zoo das Merchandising verbessern will – mit Geschäften gleich am Eingangsbereich. Die Erfahrung der vergangenen Jahre ist eben auch, dass man mit Stars im Zoo, wie dem Eisbären Knut oder dem verstoßenen Orang-Utan-Baby Rieke, auch Image- und finanziellen Gewinn erzielen kann. Solange der Zoo das nicht übertreibt, geht die Vermarktung der Tierstars völlig in Ordnung. Denn das Geld kann wiederum sinnvoll eingesetzt werden.

Und damit sind wir bei einem weiteren interessanten Punkt der Pressekonferenz am Mittwoch: Knieriem geht es offenbar nicht darum, möglichst viele, möglichst exotische Exemplare in den Gehegen zu halten. „Die Tiere, die wir halten wollen, wollen wir auch gut halten“, so der Zoo-Chef. Hier zeichnet sich ein Umdenken ab. Die artgerechte Haltung etwa von Raubtieren, die in der Natur kilometerlange Wege am Tag gehen, um Nahrung zu finden, ist in zoologischen Gärten nicht möglich. Aber durch Umbauten, die der Zoochef nun angehen will, kann man wenigstens Erleichterungen für die Tiere schaffen. Es geht in Zoo und Tierpark ja auch um die Vermittlung von Wissen über die Natur. Man kann Kindern nur schwer erklären, wieso die Tiere hier zwar gezeigt, sie aber in einer völlig unnatürlichen Umgebung gehalten werden. Der Zoo kann seine Fläche nicht vergrößern. Es ist also sinnvoll, auf einige Tierarten zu verzichten, um anderen dann mehr Platz zu geben. So kann man auch eine kritische Öffentlichkeit für sich gewinnen – und damit auch das Geld der Politik.