Gute Zahlen

Der Berliner Technologiepark Adlershof wächst kräftig

53 neue High-Tech-Firmen haben sich 2014 in Adlershof angesiedelt, 650 Jobs sind entstanden - und der Umsatz steigt um fünf Prozent. Auch in diesem Jahr will der Technologiepark weiter wachsen.

Foto: Jens Kalaene / picture alliance / ZB

Adlershof wächst und wächst. Deutschlands größter Technologiepark hat auch 2014 wieder zugelegt. Fast fünf Prozent mehr Umsatz, 650 zusätzliche Jobs, 53 neue High-Tech-Firmen, deutlich weniger Einsatz von Fördermitteln, Ansiedlung auch von größeren Unternehmen im Umfeld des eigentlichen Wissenschafts- und Technologieparks im Berliner Südosten.

Hardy Schmitz, Chef der Park-Managementgesellschaft Wista, konnte auch im 13 Jahr seiner Tätigkeit als Motor für die Reindustrialisierung im Berliner Südosten Erfolge vermelden. Und auch für 2015 zeigen sich die meisten der Hochtechnologiefirmen, die das Herz des Standortes bilden, optimistisch.

Inzwischen ist Adlershof zwar noch kein Selbstläufer. Aber 2020 scheint das Ziel von 20.000 Arbeitsplätzen und 1200 Unternehmen realistisch. Heute sind es knapp 16.000 und 1001 Firmen. „Wenn es auch ohne Fördermittel wächst, ist das ein Ausdruck für Reife“, sagte Schmitz.

Die Kette funktioniert. Absolventen oder Mitarbeiter aus den zehn außeruniversitären Forschungseinrichtungen, der sechs Institute der Humboldt Universität oder aus der Industrie gründen kleine Firmen für Optik, Mikrosysteme, Analytik oder Energietechnik. Die werden in drei Gründerzentren gepäppelt, später in sechs Technologiezentren beim Wachstumskurs begleitet. Dann bauen viele eigene Firmensitze im oder am Technologiepark. Immobilienentwickler ziehen Mietgebäude für die hoch, die keine eigene Betriebsstätte bauen.

Der Standort läuft allmählich voll

Diese Dichte lockt Unternehmen mit ähnlichem Profil von außen an als Lieferanten, Kunden, Kooperationspartner „Wir haben noch nie so viele Grundsteinlegungen und Richtfeste gefeiert wie 2014“, sagte Schmitz. Noch bietet Adlershof in- und außerhalb des Entwicklungsgebietes 80 Hektar Gewerbefläche. Dennoch läuft der Standort allmählich voll. „2025 werden hier 25 000 Menschen arbeiten“, prophezeit Schmitz, „das ist machbar, dann ist der Park an seinem Zenit.“

Der Wista-Chef spricht vom „Adlershofer System“, das die Wista inzwischen gegen gutes Geld als Berater in Südchina beim Aufbau eines Tech-Parks in Xian vermarktet. Auch in Berlin sind Schmitz und seine Leute seit Jahren dabei, ihr Know-How weiter zu verbreiten.

Eine Wista-Tochter betreibt das neue Gründerzentrum an Technischer Universität und Universität der Künste nahe des Ernst-Reuter-Platzes. 31 Unternehmen sitzen bereits im früheren Gerling-Gebäude an der Bismarckstraße. Wista-Leute bringen als Regionalmanager den Standort Oberschöneweide rund um die Hochschule für Technik und Wirtschaft nach vorne, wo sich auch schon innovative Firmen angesiedelt haben. Und auch das in Planung befindliche Technologie- und Gründungszentrum Südwest im ehemaligen US-Militärhospital an der Fabeckstraße in unmittelbarer Nähe zur Freien Universität wird die Wista übernehmen. Ihre Tochter Tegel Projekt GmbH treibt bereits seit 2011 die Pläne voran, um das Flughafengelände in Tegel nach dem Start des BER in Schönefeld zu einem Zentrum für urbane Technologien rund um dort anzusiedelnde Teile der Beuth-Hochschule zu machen.

„Erfolgsmodell, das wir in die Stadt hinein multiplizieren wollen“

Wirtschaftsstaatssekretär Henner Bunde (CDU) fand bei der Jahres-Pressekonferenz in Adlershof lobende Worte. Berlin müsse „schauen, dass wir das, was wir erfolgreich in Adlershof bewegen, auch in die Stadt exportieren“, sagte der Stellvertreter von Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU). Wie Adlershof auf Forschung Innovationen vorantreibe, sei ein „Erfolgsmodell, das wir in die Stadt hinein multiplizieren wollen“.

Wie das genau funktionieren soll ist jedoch politisch nicht ausgemacht. Denn der Erfolg von Adlershof beruht auf der starken, eigenständigen Position der Standortmanager. Die Wista verfügt über eigenes Immobilienvermögen, kann also Kredite aufnehmen, kleine Investitionen vorfinanzieren und hängt nicht an jährlich schwankenden Zuschüssen aus der Landeskasse. Ein ähnliches Modell möchte Wista-Chef Schmitz für die anderen Berliner „Zukunftsorte“ erreichen. Wenn der Senat, speziell das Stadtentwicklungsressort, und das Abgeordnetenhaus bereit sind, eine solche Unabhängigkeit auch anderswo zu gewähren, würde „Mr. Adlershof“ auch weiter machen als Kümmerer für die Berliner Wirtschaft. Wenn nicht, wird er im Frühjahr 2016 aufhören.

Zum Schwur über die künftige Struktur der Berliner Zukunftsorte könnte es schon sehr bald kommen. Die Frage ist, wie es mit dem Tempelhofer Terminalgebäude weitergeht. Der bisherige Geschäftsführer Gerhard Steindorf, zuvor in Adlershof für die Infrastruktur zuständig, geht im Mai in den Ruhestand.

Tempelhof im Reich der Adlershofer?

Die Wirtschaftssenatorin drängt im Verein mit den Wista-Leuten auf eine wirtschaftsnahe Zielsetzung für Tempelhof. Yzer würde das riesige Gebäude gerne ins Reich der Adlershofer schieben, damit sie es schrittweise sanieren und Firmen ansiedeln. Bisher hat Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) dafür noch kein grünes Licht gegeben. Überhaupt ist politisch immer noch unklar, welches Profil man sich für Tempelhof vorstellt. Die Ideen reichen von Kulturnutzung, Messen und Verwaltung bis hin zu jungen Unternehmen. Andererseits ist das Gebäude so groß, dass vieles auch zusammen funktionieren würde. Aber die Hängepartie bremst den Fortschritt schon jetzt. Ein geplantes Gründerzentrum für Kreativunternehmen am Platz der Luftbrücke kommt ohne die Grundsatzentscheidung über die künftige Trägerschaft nicht voran.

Während sie im Hintergrund die politischen Entscheidungsträger bearbeiten, arbeiten Hardy Schmitz und seine Leute an der praktischen Vernetzung. Bei der Fachmesse Metropolitan Solutions, wo neue Wege für Bau, Energie, Wasser, Planung und Abfallentsorgung präsentiert werden sollen, werde sich im Mai im City Cube am Messegelände erstmals die wichtigsten Zukunftsorte Berlins an einem Messestand unter einem Banner vorstellen. Dabei sind auch private Vorhaben wie das Euref um den Schöneberger Gasometer und städtische Projekte wie der Clean Tech Business Park Marzahn. Überall dort folgt man in Berlin dem Adlershofer Motto: Science at Work, aus Wissenschaft Arbeit machen. Tempelhof ist noch nicht dabei.