Clubszene

„Tresor“-Gründer will Berliner Akademie für Subkultur

Kulturagent Dimitri Hegemann betreibt das „Kraftwerk“ in Kreuzberg. Und sprudelt nur so vor Ideen. Nun will er mit einer „Akademie für subkulturelles Unternehmertum“ junge Menschen ausbilden.

Foto: Amin Akhtar

Dimitri Hegemann ist eine große Nummer in der Clubszene: Anfang der 90er-Jahre gründete er mit Freunden den legendären Technoclub „Tresor“ an der Leipziger Straße, heute betreibt er in Kreuzberg das 8000 Quadratmeter große „Kraftwerk“, einen Veranstaltungsort für innovative Kunstevents. Und noch immer steckt der Kulturagent voller Ideen: Im Herbst soll der Startschuss für die „Akademie für subkulturelles Unternehmertum“ fallen – eine Bildungseinrichtung, die pro Jahr zehn kreative junge Menschen ausbilden will.

Mit der Akademie möchte Hegemann auch die wirtschaftliche Bedeutung der Clubszene und insgesamt der Subkultur unterstreichen: „Die Touristen kommen nicht wegen der Shopping Malls nach Berlin“, sagt er. Die Akademie will weit mehr leisten, als nur künftige Clubbetreiber fit für die Praxis zu machen. „Berlin hat aus den letzten 30 Jahren ein gewaltiges Potenzial an Erfahrungen sammeln können. Die Unternehmer, die wir ausbilden, kommen auch aus dem Umland. Sie sollen Konventionen herausfordern, Start-ups gründen und die starke Abwanderung aus Kleinstädten bremsen, indem sie Angebote für Jugendliche in der Provinz entwickeln“, sagt Hegemann. So berichtet er von Leuten, die Club- und Musikprojekte mit Urban-Gardening-Ideen verbinden.

Kreative Talente brauchen nach Überzeugung des Kulturaktivisten eine kurze, intensive Ausbildung, wie sie seine Akademie in Theorie und Praxis leisten will, um ihre Ideen unternehmerisch erfolgreich umsetzen zu können. Hegemann, inzwischen 60, erinnert sich dabei auch an seine eigenen Anfänge in der westfälischen Provinz, wo er Ideen für alternative Kulturangebote nicht umsetzen konnte – verantwortlich dafür macht er die „Realitätsferne von Entscheidern“. So landete er in Berlin, bereicherte die Szene in den 80er-Jahren mit Projekten wie den Atonal-Festivals, später folgten die Clubs „UFO“ und „Tresor“.

Seminare, Case-Studies und praktische Einsätze in zwei Semestern

Die zweisemestrige Ausbildung an der Akademie für subkulturelles Unternehmertum soll Seminare, Case-Studies, die praktische Mitarbeit in subkulturellen Betrieben sowie die Umsetzung eigener Projekte umfassen. Ihren Sitz wird sie im „Kraftwerk“ an der Köpenicker Straße haben. Derzeit versucht Hegemann gemeinsam mit der Clubcommission, dem Verein der Berliner Club-, Party- und Kulturereignisveranstalter, eine öffentliche Förderung für das Akademie-Projekt zu organisieren. „Wir waren von Anfang daran beteiligt und finden die Idee super, Kreativität in und von Berlin auch auf diese Weise zu fördern“, sagt Clubcommission-Chef Olaf Möller.

Wird die Akademie Wirklichkeit, könnte nach Hegemanns Vorstellungen auch die US-Metropole Detroit davon profitieren, die als Folge der schweren Krise der Automobilbranche seit Jahren einen dramatischen Einwohnerschwund verzeichnet. Hegemann engagiert sich seit 2013 mit seiner Initiative „Detroit Berlin Connection“ für die kulturelle Wiederbelebung der Stadt. Und er ist fest davon überzeugt, dass die Erfahrungen der Berliner Szenekultur einen wichtigen Beitrag dazu leisten können.