Prozess

Erst vermeintliche Liebe, dann Zwang zur Prostitution

In Berlin hat der Prozess gegen einen mutmaßlichen Loverboy begonnen. Er brachte eine junge Frau dazu, sich aus Liebe zu ihm zu prostituieren. Als sie nicht mehr wollte, drohte er ihr.

Die fiese Masche ist bekannt, funktioniert aber immer wieder: Ein Mann bemüht sich charmant um eine junge Frau. Sie verliebt sich in ihn – und ist anschließend sogar bereit, sich für ihn zu prostituieren. Loverboys werden diese Männer genannt. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass es sich bei dem 30-jährigen Florian Sch., der sich seit Mittwoch vor einer Moabiter Strafkammer wegen Zuhälterei verantworten muss, um genau so einen Typen handelt.

Laut Anklagesatz war eines seiner mutmaßlichen Opfer die damals 17-jährige Monique X.* Im April 2014 soll sie sich bereit erklärt haben, für Florian Sch. und den mitangeklagten Benjamin E. in einem Bordell zu arbeiten. Sch. soll ihr neben seiner Liebe auch noch ein Auto versprochen haben. Den Ermittlungen zufolge soll er Monique X. in einem einschlägigen Internetportal unter einem Pseudonym als Prostituierte angeboten haben. Für einen Stundenlohn von 150 Euro. Sie empfing die Freier in Sch.s Wohnung im Ortsteil Siemensstadt, heißt es, machte aber auch Haus- und Hotelbesuche. Den gesamten Erlös, so der Anklagesatz, strichen die Angeklagten ein. Monique X. habe lediglich Geschenke erhalten.

Ein Jahr zuvor soll Sch. schon der 22-jährigen Beatrice Y.* eine langfristige Beziehung offeriert haben. Bei ihr musste er den Ermittlungen zufolge jedoch etwas mehr Fantasie aufbringen. Er soll ihr erzählt haben, dass er von einer unbekannten Person Schutzgeld erhalte, die Zahlungen jedoch auslaufen und er von Hartz IV leben müsse. Zuvor, so der Anklagesatz, „hatte er sie zum Essen eingeladen und ihr teure Geschenke gemacht“.

Mit Schlägen gedroht

Die junge Frau war nach Aussage ihrer Anwältin in den Loverboy verliebt. Sie soll sein Ansinnen zunächst abgelehnt, schließlich aber doch nachgegeben haben. Eigenen Aussagen zufolge arbeitete sie in einem Bordell, als Escort-Modell und auch in ihrer eigenen Wohnung. Auch ihre Erlöse soll Florian Sch. fast vollständig eingestrichen haben.

Als Beatrice Y. ihm im Dezember 2013 mitteilte, dass sie nicht mehr auf den Strich gehen wolle, soll Florian Sch. sie am Genick gepackt und gedroht haben, sie eine Treppe herunterzustoßen. Auch einen Besuch bei ihren Eltern Weihnachten 2013 habe er ihr wegen des Verdienstausfalls verboten. Ab Januar soll sich Beatrice Y. dann weiter für Florian Sch. „unter Drohungen und Gewaltanwendungen“ prostituiert haben. Sie habe von dem Angeklagten lediglich Geld für Miete, Essen und Kleidung erhalten.

Die Angeklagten machen vor Gericht von ihrem Schweigerecht Gebrauch. Am 13. April 2015 wird der Prozess fortgesetzt. Es ist zu erwarten, dass dann auch die jungen Frauen als Zeuginnen gehört werden. *Namen der Zeuginnen geändert