Pfandbon-Berühmtheit

Kassiererin „Emmely“ stirbt mit 57 Jahren an Herzversagen

Barbara Emme ist tot. Sie wurde wegen eines liegen gebliebenen Pfandbons berühmt, den sie einlöste und danach gekündigt wurde. Doch das ließ sie sich nicht gefallen - kämpfte nicht nur für sich.

Foto: pa/dpa

Kürzlich saß Barbara Emme noch an ihrer Kasse einer Supermarktfiliale in Hohenschönhausen. Auf dem Platz also, für den Deutschlands bekannteste Kassiererin so sehr gekämpft hatte. Barbara Emme („Emmely“), 57, schaffte es im Jahr 2008 auf Titelseiten und in Talkshows, als ihr „Kaisers“ nach 31 Dienstjahren fristlos kündigte. Der Vorwurf: Sie habe Pfandbons im Wert von 1,30 Euro eingelöst, die ein Kunde liegen ließ. Emme zog dagegen vor Gericht. Nach zweieinhalb Jahren musste „Kaisers“ sie wieder einstellen.

Sie fing wieder dort an, wo sie aufhören musste. Und doch hatte sich viel geändert. Einerseits mit der Debatte über Rechte von Angestellten, während Top-Manager nach großen Fehlern vermeintlich ungescholten ihren Job behielten. Es ging um „die da oben, wir da unten“. Ebenso aber auch um den Zusammenhalt unter Kollegen. Erst hatte Emme nämlich wenig Unterstützung erfahren. Auch, weil Mitarbeiter ihrerseits Angst vor Konsequenzen hatten. Sogar, als sie an ihren Arbeitsplatz zurückkehrte, wurde sie zurückhaltend empfangen.

„Emmely“ antwortete mit fehlerloser Arbeit und Solidarität, wurde in den Betriebsrat gewählt. Sie kämpfte nicht nur für sich. Noch immer wurde die Gewerkschafts-Aktivistin zu Podiumsdiskussionen eingeladen. Vor wenigen Monaten sagte die 57-Jährige in einem Interview, sie lerne Französisch, um ihr Netzwerk zu erweitern. Am Montag starb „Emmely“ an Herzversagen. Das „Wir da unten“ hat sie für andere verändert.

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