Epidemie

Berliner Kinderärzte dürfen Eltern gegen Masern impfen

Berlin hat die Ausbreitung der Masern noch nicht in den Griff bekommen. Nun sollen Impflücken schneller geschlossen werden: Wer mit seinem Kind zu Arzt geht, kann sich gleich mitimpfen lassen.

Foto: Lukas Schulze / dpa

Die Masernepidemie in Berlin ist nicht unter Kontrolle. Um die Ausbreitung der Krankheit in den Griff zu bekommen, testet man nun ungewöhnliche Wege. Jetzt ist es sogar Kinderärzten erlaubt, Eltern gleich mitzuimpfen.

Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) erklärte, in einem Gespräch mit der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin und der Ärztekammer Berlin sei sichergestellt worden, dass das fachübergreifende Impfen von allen beteiligten Seiten mitgetragen werde. Beim sogenannten fachfremden Impfen werden Menschen behandelt, die nicht zum vorgegebenen Patientenkreis eines Facharztes zählen. Ein Gynäkologe etwa kann nun bedenkenlos bei der Masernvorsorge einer Patientin den nicht immunisierten Partner impfen. Im Vordergrund stünde, so Czaja, bestehende Impflücken zu schließen.

884 Menschen in Berlin erkrankt

Die Ständige Impfkommission hatte jüngst auf eine noch stärkere Prävention durch Schutzimpfungen gedrängt. Weil diese Empfehlung zum Inhalt aller Fachgebiete gehöre, könnten die Impfungen auch von allen Ärzten durchgeführt werden, erklärte die Gesundheitsverwaltung. Der Vorsitzende des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte in Berlin, Klemens Senger, begrüßte die Entscheidung, das fachübergreifende Impfen zu tolerieren. Er hatte in der Vergangenheit gefordert, dass die Impfung Erwachsener durch Kinder- und Jugendärzte gestattet werde.

"Wir haben in den vergangenen Monaten mit aller Kraft versucht, die Epidemie zurückzudrängen", sagte Senger. Wichtig sei, dass das Übereinkommen auch langfristig eingehalten werde. In einem früheren Fall seien wegen mehrere Jahre zurückliegender Grippeimpfungen von einer Krankenkasse an einen Arzt Regressansprüche in Höhe von mehreren 1000 Euro gestellt worden.

Seit Ausbruch der jüngsten Masernepidemie in Berlin sind 884 Menschen erkrankt. Es ist die höchste Anzahl seit Einführung des Infektionsschutzgesetzes 2001. 217 Menschen befinden sich zur Behandlung in einem Krankenhaus.

Üblicherweise zahlen Krankenkassen die Impfung von Menschen, die nach 1970 geboren wurden. Wer älter ist, übernimmt die Kosten zunächst selbst und bekommt die Summe in der Regel von der Krankenkasse zurück, teilte der Berliner Impfbeirat mit.

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