Berliner Kriminalgericht

Säbelattacke im Supermarkt - 50-Jähriger schweigt vor Gericht

Im Oktober 2014 soll der Inder Ujagar S. in einem Lichtenberger Supermarkt einen Mann mit dem Säbel attackiert haben. Nun muss er sich vor dem Moabiter Kriminalgericht verantworten.

Ujagar S. darf seinen orangefarbenen Turban auch im Saal 217 des Moabiter Kriminalgerichts tragen. Obwohl Kopfbedeckungen dort eigentlich untersagt sind – zur Wahrung der Würde des Gerichts. Aber Richter Matthias Schertz wirft nur kurz einen Blick zu dem Mann mit dem wallenden grauen Bart – und sagt kein Wort.

Ujagar S. kommt aus Indien und ist ein Sikh. Die Sikh-Religion, im Deutschen auch als Sikhismus bekannt, ist eine anerkannte Weltreligion. Und die angeklagte Tat, es geht um versuchten Totschlag, soll zumindest indirekt damit zu tun haben. Am 12. Oktober 2014 soll der 50-Jährige Ujagar S. versucht haben, einen anderen Mann mit einem Säbel am Kopf und am Oberkörper zu treffen. Tatort war das Ladengeschäft Nummer 231 im Asia-Markt in der Herzbergstraße in Lichtenberg. Das Opfer arbeitete dort.

Angeklagter soll Opfer mit Dekorationssäbel attackiert haben

Im Anklagesatz steht, Ujagar S. habe um 17.47 Uhr gemeinsam mit dem Mitangeklagten Puran S. das Geschäft betreten und „gezielt mit seinem zu diesem Zeitpunkt noch in der Messerscheide befindlichen Dekorationssäbel in Richtung des Kopfes des Zeugen geschlagen“. Das Opfer, ebenfalls ein Sikh, habe sich jedoch „gerade noch rechtzeitig wegducken“ können. Auch weitere Angriffe, dann ohne Scheide, zeigten wenig Wirkung. Das Opfer erlitt glücklicherweise nur Schnittverletzungen am Oberarm und an der Hüfte. Obwohl der 43-jährige Puran S., auch er ein Inder, den attackierten Mann von hinten festgehalten haben soll. Und obwohl Ujagar S. nicht zu bremsen war: „Ich werde dich töten!“, soll er gerufen haben. Beobachter fielen ihm in den Arm, verhinderten Schlimmeres. Auch sie wurden leicht verletzt.

Hintergrund des Geschehens soll ein jahrelang schwelender Streit innerhalb der Sikh-Gemeinde gewesen sein. Die Beweislage scheint erdrückend: Das Geschehen wurde von einer Überwachungskamera aufgenommen. Zudem gibt es die schon erwähnten Zeugen.

Für den nächsten Prozesstag, es ist der 23. März, kündigt Ujagar S. eine Erklärung an. Dann soll auch ein psychiatrischer Gutachter kommen.